Michaela Sambanis, Professorin für Didaktik des Englischen von der Freien Universität Berlin, war bereits zum zweiten Mal zu gast am AEG. Dieses Mal referierte sie zu einem sehr spannenden - und zudem allgegenwärtigen - Thema an Schule und Uni: Langeweile im Unterricht - und was man dagegen tun kann.

Zu Beginn ihres Vortrags stellte Prof. Sambanis die Besonderheiten des Teenager-Gehirns vor, denn Sambanis ist neben ihrer eigentlichen Lehrtätigkeit auch im Bereich der Hirnforschung seit vielen Jahren tätig.  "Einen Teenager in der Pubertät zu erziehen, ist, wie einen Pudding an die Wand zu nageln", brachte sie es auf den Punkt. Das menschliche Gehirn lerne allerdings umso mehr, je mehr bereits "drin" sei, daher sei es wichtig, immer weiter zu lernen. "Es kommt in unserem Gehirn zu vielen winzig kleinen Veränderungen, und die Summe dieser Veränderungen nennt man Lernen" - unter diesem Leitsatz stand der Kern des Vortrags, in dem Prof. Sambanis unter anderem auch den "Zehn-Prozent-Mythos" widerlegte: Die Behauptung, der Mensch benutze nur 10 Prozent seines Gehirns, entbehre jeglicher Grundlage und sei damit unwahr: "So blöd ist unser Gehirn nicht, dass es 90 Prozent Brachmasse mit sich herumschleppt." Allerdings: Ein Gehirn, das nicht benutzt werde, würde "rückgebaut". Ein weiterer Aspekt also, der für ein lebenslanges Lernen spricht. 

Laut Prof. Sambanis sind Grundvoraussetzungen für bewusstes Lernen Vigilanz (Wachzustand), Aufmerksamkeit und Motivation. Die Faustregel für die Aufmerksamkeit bei Kindern beträgt das Lebensalter mal zwei multipliziert in Minuten. Langeweile im Unterricht hingegen sei eine "negative Emotion", so Michaela Sambanis, die bei bis zu einem Drittel der Unterrichtszeit auftrete. In manchen Fächern - verstärkt in Mathematik und Physik - käme auch noch Angst vor dem Unterrichtsstoff hinzu. Fluchtwege aus der Langeweile seien Reden mit dem Nachbarn, Toilettengänge, Malen - einfach alle Arten der Ablenkung und möglicherweise Störung des Unterrichts. "Die wirksamste Methode gegen Langeweile ist Bewegung als Ausgleich", folgerte Sambanis als Lösung des Problems. "Kurze Bewegungspausen (z.B. Umhergehen, Ablegen von Unterrichtsstoff am Körper) von fünf Minuten reichen aus und führen zu besseren kognitiven Leistungen." Lernen mit zugeordneten Bewegungen sei positiv, Wiederholungen für das Gehirn mit Bewegungskopplung besser zu ertragen.

Wichtig sei aber, und das ist immer wieder festzustellen, vor allem die Persönlichkeit der Lehrkräfte. "Es kommt auf das WIE des Unterrichts an, nicht auf das WAS", resümierte Prof. Sambanis, "Lehrkräfte, die begeistert unterrichten, erzielen bessere Lernerfolge". Und schließlich - "Humor tut dem Unterricht und der Lehrergesundheit immer gut". Mit ihren humorvollen und kurzweiligen Vorträgen wird Prof. Michaela Sambanis mit Sicherheit nicht zum letzten Mal zu Gast am AEG gewesen sein.

Cord Wilhelm Kiel

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