|
|
Der Pressespiegel - Schulpolitik
|
|
(DEWEZET v. 03.06.2006)
Dringlichkeitsstufe 1: Drei Mensen für
die Gymnasien
Schulausschuss fordert kurzfristiges
Verwaltungs-Konzept
|
|
Hameln (HW).
Geht es nach dem einmütigen Willen der Mitglieder
des Schul- und Kulturausschusses, dann sollen
bereits zum kommenden Schuljahr die drei
Hamelner Gymnasien zumindest mit einer provisorischen
Mensa ausgestattet sein. "Zunehmende Unterrichtsangebote
in den Nachmittagsstunden und ein verändertes
Schülerverhalten machen es dringend notwendig,
über diese Situation nachzudenken", begründete
SPD-MdL Volker Brockmann einen entsprechenden
Antrag von Sozialdemokraten und Liberalen,
der jedoch auch die Unterstützung von CDU
und Grünen fand.
Deshalb ist die
Verwaltung einstimmig beauftragt worden,
noch bis zur Sommerpause ein entsprechendes
Konzept vorzulegen. Auf Antrag von Günter
Raß wurde zudem beschlossen, noch vor Ferienbeginn
eine weitere Sitzung des Schul- und Kulturausschusses
einzuberufen, "da der Rat noch in dieser
Legislaturperiode eine Entscheidung treffen
muss", wie der Christdemokrat begründete.
Bis zu diesem Termin,
so versicherte Hans Bolte, werde die Verwaltung
ein Konzept präsentieren, das sich am Schulbedarf
orientiere - von der Grundschule bis zu
den Gymnasien. "Denn der Handlungsdruck
wird auch von uns gesehen", sagte der Abteilungsleiter
Schulen im Rathaus. Allerdings fehlten auch
für diesen Bereich die erforderlichen Mittel.
"Deshalb kann es nur um ein Provisorium,
und zwar ein schlechtes, gehen. Der aktuelle
Haushalt sieht nichts vor, und auch die
Planungen für 2007 und Folgejahre nicht",
erklärte Bolte und fügte hinzu: "Die Politik
muss Mittel zur Verfügung stellen." Die
Kosten für komplett eingerichtete Mensen
bezifferte er mit 1,5 Millionen Euro für
das Schiller-Gymnasium, einer Millionen
Euro für die Vikilu und 900 000 Euro für
das AEG.
|
|
"Wir brauchen unbedingt
ein Provisorium, auch wenn es ein schlechtes
ist. Aber als Stadt kann man in dieser Situation
nicht einfach sagen: Wir haben kein Geld",
meinte Christa Bruns (SPD). Auch Stefanie
Lösche (CDU) machte sich für eine schnelle
Lösung stark: "Es ist nicht zu verstehen,
dass tausend Kinder mittags Essen brauchen
und wir keine Räume haben." Auch gebe es
genügend Versorger vor Ort. "Da muss das
Essen nicht aus Schweinfurt kommen", so
die Ratsfrau. Christa Bruns regte an, mit
der neuen Krankenhaus-Küche in Kontakt zu
treten: "Mir wurde mitgeteilt, dass es möglich
ist, die Schulen mit Mahlzeiten zu versorgen."
Auch Public Private Partnership, das neue
Zauberwort für eine Mobilisierung privaten
Kapitals und Fachwissens zur Erfüllung staatlicher
Aufgaben, wurde in die Diskussion gebracht,
doch Erster Stadtrat Eckhard Koss warnte:
"Auch das ist nicht kostenlos zu haben,
andererseits müssen wir neuen Modellen gegenüber
aufgeschlossen sein."
Sichtbar zornig
schaltete sich der Stadtelternratsvorsitzende
Wolfhard F. Truchsess in die Debatte ein:
"Ich habe den Eindruck, es hier mit Wahlkampf
zu tun zu haben, denn wir alle wissen, dass
das Projekt nicht in drei Monaten zu realisieren
ist. Weder räumlich, noch finanziell oder
personell. Ich fühle mich veralbert, werde
den Plan aber trotzdem massiv unterstützen.
Ich weiß nur noch nicht, wie."
|
|
(DEWEZET v.
03.07.2006)
Eine katastrophale Mängelliste an
den Schulen
Fachkommission besichtigte
naturwissenschaftliche Unterrichtsräume
/ Dringender Handlungsbedarf
|
|
Hameln (wft). Dass an Hamelns
Schulen teilweise dringender
Sanierungsbedarf an Dächern, Fenstern
und Heizungsanlagen besteht, ist
bekannt. Dass aber ein Teil der
naturwissenschaftlichen
Fachunterrichtsräume an einigen Schulen
nur noch die Note "mangelhaft" verdient
und zeitgemäßer Unterricht in ihnen
nicht mehr möglich ist, musste jetzt
eine Fachkommission aus Mitgliedernder
Stadtverwaltung, des Schul- und
Kulturausschusses und der
Gemeindeunfallversicherung zur Kenntnis
nehmen. Das vorläufige Fazit nach der
zweitägigen Schulbereisung: "Es besteht
dringender Handlungsbedarf", wie es das
Ratsmitglied Günter Raß (CDU) auf der
jüngsten Sitzung des Schulausschusses
formulierte. Raß weiter: "Es gibt
Schulen, die sind bestens ausgestattet -
es gibt aber auch welche, da sieht es
schlimm aus. Naturwissenschaftliche
Räume müssen dringendst auf den neuesten
Stand gebracht werden. Was wir bei der
Bereisung gesehen haben, können wir
nicht drei weitere Jahre
hinausschieben." Der Fachbereichsleiter
für Bildung, Jugend und Kultur, Hartmut
Kahle, bestätigte: "Eine erschreckende
Erkenntnis, die uns zwar bewusst war,
aber bei der Bereisung noch einmal
schonungslos offenbart worden ist." Ein
Unterricht nach modernstem pädagogischen
Standard, erklärten Fachlehrer an den
betroffenen Schulen übereinstimmend, sei
nicht mehr möglich.
Die Mängelliste,
die jetzt von der Verwaltung gemeinsam
mit einer Bewertungskommission
aufgearbeitet werden soll, ist lang:
-
Zu wenig Fachunterrichtsräume;
-
zu kleine Räume für große
Schulklassen vor allem in den drei
Gymnasien und der Wilhelm-Raabe-Schule;
-
zu kleine Vorbereitungsräume für die
Lehrer und durch Tische blockierte,
veraltete Materialsammlungen;
-
undichte Gasleitungen;
-
dauerhaft tropfende Wasserhähne, für
deren Armaturen es keine Ersatzteile
gibt;
-
gebrechliches und abgewirtschaftetes
Mobiliar;
-
defekte Verdunkelungsanlagen, die im
Physikunterricht, zum Beispiel bei
Optik-Versuchen, benötigt werden;
-
unzureichende Be- und Entlüftungen, die
teilweise 30 Jahre und älter sind;
-
ungesicherte Fenster und
-
Wassereinbrüche wegen undichter Dächer.
 |
|
Die Mitglieder der Bereisungskommission
zeigten sich vor allem über die Zustände
der naturwissenschaftlichen
Fachunterrichtsräume am
Schiller-Gymnasium, teilweise am
Albert-Einstein-Gymnasium und an der
Wilhelm-Raabe-Realschule, aber auch über
die Raumnot am Viktoria-Luise-Gymnasium
entsetzt. In einem Teil der Schulräume,
die ursprünglich auch für praktische
Versuche vorgesehen waren, sind
Experimente kaum noch möglich, sondern
nur noch theoretischer Unterricht -
Formeln an der Tafel anstelle von
praxisnahem Anschauungsunterricht. Kopfschütteln über die Zustände
allenthalben, Zufriedenheit nur an den
wenigsten Schulen, Aufatmen bei der
Bereisung schon, wenn es von Seiten der
Schulen hieß: "Unterrichtsraum und
Material sind noch brauchbar" - was
allenfalls den Schulnoten 3 bis 4
entsprechen dürfte. Im Schul- und Kulturausschuss führte
dies im Zusammenhang mit der
Mensen-Diskussion zu einer breiten
Debatte über die finanziellen
Auswirkungen. Raß bezifferte den
Finanzbedarf "auf sicherlich über 100
000 Euro", um einen zeitgemäßen
Unterricht in den Fächern Physik, Chemie
und Biologie an den mit völlig
veralteten Fachräumen ausgestatteten
Schulen bewerkstelligen zu können. Eine
Schätzung, die vermutlich zu niedrig
ist, denn die Komplettausstattung eines
Chemie- oder Physikraumes mit allen
technischen Einrichtungen wird von den
Lehrkräften pro Raum mit 100 000 bis 150
000 Euro angegeben. Um Klarheit zu
gewinnen, wird die Verwaltung bis zur
nächsten Schulausschusssitzung am 7.
September - drei Tage vor der
Kommunalwahl - eine Vorlage erarbeiten,
an welchen Schulen mit welcher Priorität
Sanierungsmaßnahmen einzuleiten sind. |
(DEWEZET v.
27.01.2005)"Das wird viele vom Studium
abschrecken"
Bundesverfassungsgericht entschied nicht
über die Frage, "ob Studiengebühren vernünftig
sind"
VON JÜRGEN OEDER
|
|
Karlsruhe.
Die Proteste der eigens angereisten Studenten
nützten nichts, das Urteil stand bereits
fest: Das Bundesverfassungsgericht ermöglichte
es den Bundesländern mit seinem Urteilsspruch,
an ihren Hochschulen allgemeine Studiengebühren
zu erheben. "Die Frage, ob Studiengebühren
finanz-, gesellschafts- und wissenschaftspolitisch
vernünftig sind, hatten wir aber nicht zu
entscheiden", betonte der Vizepräsident
des Gerichts, Winfried Hassemer. Doch für
die mit ihrer Klage siegreichen CDU-Wissenschaftsminister
ist diese Frage längst entschieden. Sie
wollen nun in ihren Bundesländern umgehend
500 Euro Studiengebühr je Semester erheben
und freuen sich auf rosigere Zeiten für
Forschung und Bildung.
Studenten
kündigen "heißes Frühjahr" an
Die Studentenvertreter
kündigten noch im Gerichtssaal ein "heißes
Frühjahr" an. Bis zu 50000 Euro Gesamtschulden
könnten sich am Ende eines Studiums angehäuft
haben, warnten sie vor den sozialen Folgen
von Studiengebühren. Sofort nach dem Ende
der Semesterferien solle bundesweit protestiert
werden, sagte Andreas Bühler, ein Studentenvertreter
aus Baden-Württemberg. Doch die für den
1. Mai anvisierten Protestaktionen dürften
wenig erfolgreich sein. Zu weit sind die
Pläne der Minister aus den unionsgeführten
Ländern Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg,
Niedersachsen und dem Saarland schon gereift.
Die Gebühr von 500 Euro soll in einigen
Ländern schon ab 2006 erhoben werden. Hessen,
das die Landesverfassung erst noch ändern
muss, könnte später folgen. Womöglich werden
auch SPD-geführte Länder Studiengebühren
erheben. Dass es gute Gründe geben könnte,
dass sich die SPD-Länder mit den Unions-Ländern
auf eine einheitliche Linie verständigen,
macht das Urteil deutlich: Länder, die keine
Gebühren erheben, müssten selbst damit fertig
werden, wenn es zu einem massenhaften Andrang
von Studenten und zu einer Verschlechterung
der Studienbedingungen führe, heißt es in
dem Karlsruher Richterspruch.
Beim Blick der
Verfassungshüter aufs große Ganze fällt
allerdings der einzelne Student durch den
Rost: Es kann "nicht ausgeschlossen werden,
dass Einzelne durch Studiengebühren unausweichlich
und in überdurchschnittlich hohem Maß belastet
werden", heißt es im Urteil. Doch das rechtfertige
ein allgemeines Verbot von Studiengebühren
nicht, entschieden die Verfassungsrichter.

|
|
Der baden-württembergische
Wissenschaftsminister Peter Frankenberg
(CDU) sowie seine Kollegen Thomas Goppel
(CSU) aus Bayern und Jörg Dräger (CDU) aus
Hamburg versicherten zwar noch im Gerichtssaal,
dass Studenten aus einkommensschwachen Familien
Gebühren über zinsgünstige Bankdarlehen
finanzieren und "sozial verträglich" zurückzahlen
könnten. Erst wer im Berufsleben stehe und
eine gewisse Einkommensgrenze überschreite,
müsse mit der Rückzahlung beginnen, sagte
Dräger und verwies auf ein 1989 in Australien
eingeführtes Gebührenmodell, das nun als
Vorbild und Orientierung diene.
Den 24-jährigen
Studenten Sascha Vogt überzeugte diese Argumentation
nicht. Zu den durchschnittlichen Studienkosten
von 40 000 Euro kämen nun etwa weitere 6000
Euro an Gebühren dazu, rechnete der Geschäftsführer
des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren
vor. Ein studentisches Ehepaar stünde dann
am Beginn seines Berufslebens vor einem
Schuldenberg von knapp 100 000 Euro. "Das
wird viele, vor allem Einkommensschwache,
vom Studium abschrecken", so Vogt.
Ärmere benachteiligt
Studien der Bundesregierung
belegen diese Bedenken: So führte etwa das
Gebührenmodell Australiens dort zu einem
Rückgang von Studenten aus einkommensschwachen
Schichten. Diesen Trend gibt es laut Bundesbildungsministerin
Edelgard Bulmahn (SPD) hierzulande schon
längst. Von 1982 bis 2000 sank der Anteil
von Studierenden aus ärmeren Familien von
23 auf 13 Prozent, während der Anteil der
Studenten aus begüterten Familien von 17
auf 33 Prozent aller Studierenden stieg.
Ob sich dieser Trend nun noch verschärfen
und ein Studium in Deutschland zum Luxusartikel
wird, diese Frage stellten sich die Verfassungshüter
nicht.
(Aktenzeichen:
2 BvF 1/03 vom 26. Januar 2005)
|
(DEWEZET v.
25.01.2005)Neues Abitur für Niedersachsens
Schüler
Mehr Politik, weniger Auswahl / Kabinett
entscheidet heute / Protest vom Landeselternrat
VON JÖRG KALLMEYER
|
|
Hannover.
Niedersachsen will ein Signal gegen Politikverdrossenheit
und mangelndes Politikverständnis von Jugendlichen
setzen: In der neuen gymnasialen Oberstufe,
die im Sommer eingeführt wird, wird das
Fach Politik/Wirtschaft in der Einstiegsphase
ein Jahr lang Pflicht für die Schüler. Das
Abitur wird zudem anspruchsvoller: Künftig
besteht die Prüfung aus fünf statt wie bisher
aus vier Fächern - Deutsch, Mathematik und
eine Fremdsprache müssen als Kernfächer
bis zum Abitur beibehalten werden.
Dem Kabinett in
Hannover legt Kultusminister Bernd Busemann
(CDU) heute seine Verordnung zur Neuordnung
der gymnasialen Oberstufe vor, um die es
zuletzt hinter den

|
|
Kulissen heftige
Debatten gegeben hatte. Dabei ging es auch
um die Frage, ob Erdkunde oder Politik Vorrang
bei den Pflichtfächern haben sollte. Zuletzt
entschied Ministerpräsident Christian Wulff:
In Klasse acht bis zehn ist Politik/Wirtschaft
künftig obligatorisch.
Busemann erhofft
sich von der neuen Oberstufe, die zum 1.
August eingeführt wird, "mehr Verbindlichkeit
und weniger Beliebigkeit". Er nimmt dafür
einen Konflikt mit dem Landeselternrat und
dem Landesschülerrat in Kauf. Beide Gremien
hatten ihr Veto eingelegt, weil sie die
Wahlfreiheit der Abiturienten eingeschränkt
sehen.
|
(DEWEZET v.
19.11.2004)Hier sorgen die Schüler selbst
für ihr "Haus"
Besuch vom deutschen PISA-Sieger im
Forum / Vieles wird in Hameln heute schon
gemacht
|
|
Hameln (amh).
Schwungvoll, enthusiastisch und kein bisschen
ausgebrannt, so präsentierte Enja Riegel,
pensionierte Schulleiterin der Helene-Lange-Schule
in Wiesbaden, im Rahmen der Veranstaltungsreihe
des Hamelner Forums das Konzept, mit dem
ihre Institution beim PISA-Test mit großem
Abstand als beste deutsche Schule abgeschnitten
hat. "Schule kann gelingen! Wie man wirklich
fürs Leben lernt": Unter dieses Motto stellte
sie ihre mit großem Engagement vorgetragenen
Äußerungen, die bei den zahlreichen Zuhörern
auf reges, wohlwollendes Interesse stießen.
Im Weserberglandzentrum
begrüßt von Manfred Klostermann, erzählte
sie von dem langen Weg, wie aus dem ehemaligen,
von Schließung bedrohten Gymnasium, einer
"innerlich und äußerlich verrotteten Einrichtung",
die PISA-Sieger-Schule geworden ist. Grundlage
aller Veränderung war "eine Vision von guter
Schule", in der mit Kopf und Hand selbstverantwortlich
gelernt wird und in der sich alle - Lehrer
und Schüler - wohl und zuhause fühlen.
Nach vielen "Spionage"-Besuchen
in Reformschulen ganz Deutschlands kristallisierte
sich ein eigenes Konzept heraus: eine integrierte
Gesamtschule mit gemeinsamem Unterricht
von Schülern aller Schulformen ohne äußere
Differenzierung, das heißt Verzicht auf
frühzeitige Selektion; eine enge Schüler-Lehrer-Beziehung
durch kleine Lehrerteams, die einen Jahrgang
während der gesamten Schulzeit begleiten;
Aufhebung des 45-Minuten-Taktes; kein Sitzenbleiben;
Einbeziehung außerunterrichtlicher Fachkräfte
in den Unterricht und vieles mehr. Lehrerteams,
Projektunterricht, Verlässlichkeit, den
Schülern "Lebensmut" geben, sie ernst nehmen
und ihnen etwas zutrauen, das sah Frau Riegel
als die Hauptzutaten ihres Erfolgsrezeptes
an, dazu Eltern, die das Konzept tragen,
die "kritisieren, aber nicht nörgeln dürfen"
und die Schule gegen "Angriffe von außen
beziehungsweise auch von oben" verteidigen
sollen.
Geld und
Vorschriften große Hindernisse
Dass auf so einem
langen Weg viele Steine liegen, versteht
sich von selbst. Geld und behördliche Vorschriften
waren die größten Hindernisse, die aus dem
Weg geräumt werden mussten. Harten Verhandlungen
zur staatlichen Finanzierung notwendiger
Umbauten folgten einfallsreiche Konzepte,
um selbst Geld aufzutreiben; zum Beispiel
spart die Schule vollständig Reinigungspersonal
ein, putzt selber, verwendet das eingesparte
Geld, um zum Beispiel einen Regisseur für
die Theaterarbeit einzustellen, und begründet
das Ganze pädagogisch: "Nur wer selbst für
sein Haus sorgt, fühlt sich dort wohl!"

|
|
"Man fragt
nicht, sondern man macht"
Im Umgang mit behördlichen
Vorschriften riet die energische und streitbare
Pädagogin zu Kreativität in der Auslegung
und Ausschöpfung der Grauzonen: "Man fragt
nicht, sondern man macht!" Warum denn -
angesichts des nachgewiesenen Erfolges -
die Kultusminister nicht bei ihr Schlange
stünden, so eine Publikums-Frage; Antwort:
"Weil ich denen ein Dorn im Auge bin!"
Manche der zahlreich
vertretenen Pädagogen aller Schulformen
fragten denn
auch, was sie angesichts der gesetzlich
festgeschriebenen Dreigliedrigkeit und damit
Selektion, von Schulstrukturreform, standardisierten
Leistungsanforderungen und Zentralabitur
für ihre tägliche Praxis übernehmen können.
"Vieles machen
wir bereits", so der Kommentar vom Leiter
der Pestalozzi-Schule Werner Heuer, der,
wie zum Beispiel auch die Klütschule und
das Schiller-Gymnasium, an seiner Schule
mit Ganztagsangebot und Mittagstisch neue
Wege geht. Ähnliches formulierte am Rande
der Veranstaltung Andreas Jungnitz, Schulleiter
des Humboldt-Gymnasiums Bad Pyrmont, der
die Aufhebung des 45-Minuten-Taktes bedenkenswert
findet und eine Intensivierung der bereits
praktizierten Projektarbeit, der Teamstrukturen
und der fächerübergreifenden Arbeit für
sinnvoll und notwendig hält.
Die Referentin
hatte den Nerv vieler Zuhörer getroffen,
so dass das Gespräch auch nach Schluss der
offiziellen Veranstaltung noch engagiert
weiterging.
|
(DEWEZET v.
19.11.2004)Chance für besseres Miteinander:
Schulen sagen Ja zu Islam-Unterricht
Positives Echo auf Busemann-Pläne /
Gut ausgebildete Lehrer wichtig
|
|
Hameln (hen).
Ein Ministervorschlag stößt auf Wohlwollen:
Die Pläne von Bernd Busemann, in Niedersachsen
einen flächendeckenden Islam-Unterricht
einzuführen, wird von Schulen der heimischen
Region begrüßt. "Ziel muss es sein, sich
an einer Schule gegenseitig kennen- und
achten zu lernen", sagt Gabriela Hexel-Hille,
Leiterin der Papenschule, die mit einem
Anteil von 40 Prozent muslimischer Kinder
über ausreichend Erfahrung mit verschiedenen
Nationen unter einem. Dach verfügt. Ingesamt
beträgt der Anteil ausländischer Kinder
dort 48,5 Prozent.
Übrigens eine für
Hameln ungewöhnlich hohe Zahl: Von den insgesamt
8398 Schülern sind nach Angaben der städtischen
Schulabteilung 971 ausländischer Herkunft,
446 kommen aus der Türkei. Die
Stadtverwaltung erfasst diese Zahlen aus
Datenschutzgründen nur nach Nationen, nicht
aber nach Konfessionen.
An der Papenschule
erhalten die muslimischen Kinder bereits
seit fünf Jahren Unterricht in "Werte und
Normen". Dieses Fach, das den evangelischen
oder katholischen Religionsunterricht für
alle Kinder nichtchristlichen Glaubens ersetzen
soll, ist an Grundschulen normalerweise
gar nicht vorgesehen. Die Kinder der unterschiedlichen
Glaubensrichtungen werden nicht nur jeweils
für sich unterrichtet, sondern auch gemeinsam,
besuchen beispielsweise Moscheen oder die
jüdische Gemeinde.
Bestandteil des
Unterrichts seien aber auch die Themen Grundgesetz,
Würde des Menschen oder Frieden. Die Schulleiterin
unterrichtet
selbst "Werte und Normen": "Ich erfahre
dabei ungeheuer viel über die Kinder und
ihre Ansichten; viele aktuelle Ereignisse
werden diskutiert."

|
|
Aufgabe eines islamischen
Religionsunterrichtes dürfe es daher nicht
sein, nur die reine Religionslehre zu vermitteln,
sondern auch über den Tellerrand zu blicken
- "Busemann will keine Koranschule", meint
die Schulleiterin. Dies sei nur mit entsprechend
ausgebildeten Lehrern möglich - ein solcher
Studiengang ist aber gerade erst gestartet.
Es sei allerdings auch wichtig, betont die
Pädagogin, dass die Kinder ihre eigene Religion
verstehen lernen - in einer Sprache, die
sie kennen. Oft sei dies eben nicht der
Fall, es würde nur "nachgebetet": Ein ausgebildeter
Religionslehrer könnte an einer Schule mit
hohem Anteil muslimischer Kinder unterrichten,
die Schüler anderer Einrichtungen könnten
jeweils hinzukommen, so die Vision.
Für "bildungspolitisch
richtig" hält Karl-Heinz Brandt, Leiter
der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Salzhemmendorf
den Vorstoß Busemanns. Er sieht allerdings
an seiner Schule nicht den Bedarf - von
fast 1400 Schülern sind nach Angaben der
Schule nur 22 muslimisch. "Auch die haben
Recht auf Religionsfreiheit", meint Brandt,
der berichtet, dass vor allem "Werte und
Normen" sehr stark nachgefragt werden. Mit
14 Jahren dürfen die Kinder selbst entscheiden,
woran sie teilnehmen. Auch der Stadtelternrat
findet das Ansinnen des Ministers "vollkommen
richtig", denn Religionsunterricht sei Sache
der Schulen.
|
(DEWEZET v.
03.11.2004)Schulleiter weisen Kritik
zurück
"Budgets lassen kaum Spielraum zu"
|
|
Hameln (hen).
"Wir als Schule sind selber daran interessiert,
günstig einzukaufen": Wie Mechthild Beeck,
Theodor-Heuss-Realschule, reagieren auch
die anderen Schulleiter gelassen auf den
Bericht des Rechnungsprüfungsamtes, die
Schulen würden teilweise unwirtschaftlich
mit ihren Budgets umgehen und müssten stärker
kontrolliert werden (wir berichteten). Die
Etats seien knapp bemessen und ließen kaum
Spielraum zu, halten die Schulleiter entgegen.
Das Prüfungsamt hatte Fälle aufgezeigt,
in denen Angebote nicht ausreichend geprüft
worden seien. Nach Meinung der Schulabteilung
bewegen sich die festgestellten Verstöße
bei einem Beschaffungsvolumen von etwa 550000
Euro in einer "unterzuordnenden Größenordnung",
die die Wirtschaftlichkeit insgesamt nicht
in Frage stellen könne.
Einzelne Vorschläge
des Prüfungsamtes nennen die Schulen nicht
praktikabel: So sei man bei der Beschaffung
von Materialien für den naturwissenschaftlichen
Bereich an einen Hersteller gebunden und
könne gar keine Vergleichsangebote einholen,
erklären sowohl Mechthild Beeck als auch
Peter Pauksch vom Schiller-Gymnasium. Und
Laptops würden keinesfalls von Kollegen
zu Hause genutzt - "ich bringe im Gegenteil
noch meinen privaten mit", sagt Wolfgang
Weber,

|
|
Albert-Einstein-Gymnasium.
Der eine offizielle Laptop werde für 1150
Schüler eingesetzt - und ersetze mehrere
stationäre PCs. Ein günstiges Aldi-Angebot
könnten die Schulen nicht nutzen, weil sie
vorher drei Vergleichsangebote einholen
müssten - und dann ist der Aldi-PC weg.
Ein zentraler Einkauf rechne sich erst,
wenn "wir uns im dreistelligen Bereich bewegen".
Ohne Fördervereine
und Sponsoren wüssten die Schulen kaum,
wie sie über die Runden kommen sollten.
Ein Budget im Sinne freier Verfügbarkeit
sei ohnehin nicht vorhanden: "Da müssen
dann Gelder für die Renovierung von Toiletten
verwendet werden." Auch Gabriela HexelHille
von der Papenschule verweist auf ihr knappes
Budget - aber auch darauf, dass eben kein
Geld mehr da ist. "Wir drehen jeden Euro
viermal um", bestätigt auch Rainer Starke
vom Vikilu. Gegen eine vom Prüfungsamt vorgeschlagene
"Nachschulung" im Umgang mit den Richtlinien
hat übrigens niemand etwas einzuwenden:
"Wenn wir dadurch besser wirtschaften können,
ist das nur von Vorteil", so Mechthild Beeck.
|
(DEWEZEI v.
15.10.2004)5,8 Millionen fließen im
nächsten Jahr in die Schulen
Stadtverwaltung: "Ein besonderer Investitionsschwerpunkt"
/ Unterhalt der Lehr-Einrichtungen kostet
7,5 Millionen
|
|
Hameln (mafi).
Die Hamelner Stadtverwaltung wehrt sich
gegen einen Vorwurf in der Dewezet, sie
lasse "die Schulen vergammeln". "Das Gegenteil
ist der Fall", betont Stadtsprecher Thomas
Wahmes. Ausdrücklich habe Oberbürgermeister
Klaus Arnecke diesen Bereich als besonderen
Schwerpunkt städtischer Politik deklariert
- und das auch im Rat immer wieder betont.
Sparen, kürzen,
streichen - der Haushaltsplanentwurf 2005
steht ganz im Zeichen der leeren Kasse.
Bei den Personalkosten soll der Rotstift
angesetzt werden, Stadtbücherei und Jugendmusikschule
sollen bluten. Eine der Ausnahmen beim Sparen
sind die Schulen, wie Wahmes erklärt. Die
Stadt sehe sie "auch zukünftig als einen
besonderen Investitionsschwerpunkt".
Die Zahlen können
sich sehen lassen, meint die Stadtspitze:
4,6 Millionen Euro flossen im vergangenen
Jahr in Schulbaumaßnahmen. Größter Brocken
war der Neubau der Grundschule Hohes Feld.
In diesem Jahr stehen 5,5 Millionen Euro
im Etat. Unter anderem, um die baulichen
Voraussetzungen für die Ganztagsangebote
an der Klütschule, der Pestalozzischule
und der Theodor Heuss-Realschule zu schaffen.
Im Haushaltsplanentwurf für 2005 sind sogar
5,8 Millionen Euro für Schulbaumaßnahmen
vorgesehen. Schwer punkte im kommenden Jahr
wird der Ausbau des Schillergymnasiums zur
Ganztagsschule sein. Hierfür

|
|
werden eine Mensa
sowie Räume für Fördermaßnahmen, Arbeitsgemeinschaften
und Projekte geschaffen. Auch der Bau von
Mensen am Viktoria-Luise- und am Albert-Einstein-Gymnasium
sind vorgesehen. Das Gesamtpaket beinhaltet
außerdem Fenster- und Dachsanierungen, Brandschutzmaßnahmen
und die Erneuerung von Heizungsanlagen.
Darin enthalten sind 250000 Euro, die seit
2001 jährlich im Rahmen eines Zehn-JahresKonzepts
vor allem in Verschönerungsarbeiten und
die Sanierung von Sanitäranlagen fließen.
Und noch eine Zahl
nennt der Stadtsprecher: 7,5 Millionen Euro
wendet Hameln jährlich für den Unterhalt
und die Ausstattung ihrer 22 Schulen auf
- unter anderem für die Energieversorgung,
Reinigung, Beschaffung von Lehrmitteln sowie
Wartung von Sportgeräten. In die Computer-Systeme
der Schulen hat die Stadt seit 2001 mehr
als 800 000 Euro investiert; auch künftig
stehen jährlich rund 160 000 Euro zur Erhaltung
und Modernisierung der EDV-Anlagen bereit.
|
(DEWEZET v.
17.07.2004)Schlechtes Zeugnis für die
Schulen
OECD beklagt mangelnde Ausbildung
|
|
München (ap).
Zweieinhalb Jahre nach der Pisa-Studie gibt
es erneut schlechte Noten für das deutsche
Schulsystem. In einer bislang noch unveröffentlichten
Untersuchung für die OECD (Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit) wird
vor allem kritisiert, dass die Bundesländer
zu wenig junge Lehrkräfte einstellen. Die
Autoren des Gutachtens, aus dem die "Süddeutsche
Zeitung" zitiert, bemängeln aber auch die
Aus- und Fortbildung der Lehrer.
Nach dem Zeitungsbericht
kommen die fünf Autoren des Gutachtens zu
einem nahezu vernichtenden Ergebnis: Die
deutsche Lehrerschaft sei überaltert wie
nirgendwo sonst in Europa, pädagogisch schlecht
ausgebildet und es gebe zu wenig Anreize
für einen packenden Unterricht. Weiter rügten
die OECD-Fachleute die von Land zu Land
völlig unterschiedliche Ausbildung. Lehrer
lernten zwar lange und seien fachlich gut
ausgebildet. Es hapere aber an Didaktik
und Pädagogik.

|
|
Da das System starr
sei, könnten Schulen und Lehrer nicht auf
die Bedürfnisse der Schüler eingehen. Obwohl
sie OECD-weit zu den am besten bezahlten
Pädagogen gehörten, seien deutsche Lehrer
mit ihrem Job eher unzufrieden. Die Studie
empfiehlt, Standards zu entwickeln, die
beschreiben, was Lehrer können müssen. Schlechte
Pädagogen müssten die Schule verlassen oder
Stellen annehmen, bei denen sie nicht unterrichten
müssten.
Die Fachleute hatten
im September 2003 Schulen in Baden-Württemberg,
Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen
besucht. Der Fachmann für Lehrerbildung
an der Universität Münster, Ewald Terhart,
erklärte, die deutschen Ergebnisse sollen
in eine internationale Studie für 25 Länder
einfließen, die Grundlage einer Art "Pisa
für Lehrer" sein soll.
|
(DEWEZET v.
09.07.2004)Buchhandel attackiert Busemanns
Mietmodell
Ärger über Ministeräußerungen / OLG
Celle muss über Rabatte für Schulbücher
entscheiden
|
|
Hannover (jö).
Der Buchhandel rechnet damit, dass Niedersachsens
Mietmodell für Schulbücher keinen Bestand
haben wird. "Ich gehe davon aus, dass das
Verfahren rechtlich revidiert wird, wenn
man es nicht grundlegend reformiert", sagte
Christian Sprang, Justiziar beim Börsenverein
des Deutschen Buchhandels, gestern in Hannover.
Der Verband macht sowohl Einwände gegen
geforderte Preisnachlässe als auch urheberrechtliche
Bedenken geltend.
Ende Juli will
das Oberlandesgericht (OLG) Celle entscheiden,
ob die Schulen zu Recht Rabatte beim Buchhandel
einfordern können, wenn sie Bücher für die
Mietausgabe an die Eltern bestellen. Bei
der bisherigen Ausgabe im Rahmen der Lernmittelfreiheit
konnten die Schulen bei Sammelbestellungen
nach dem Preisbindungsgesetz mit einem Nachlass
von zwölf Prozent rechnen. Begründung: Die
Bücher gingen an staatliche Einrichtungen.
Dies sei künftig nicht mehr der Fall, argumentiert
der Buchhandel: Die Schule arbeite nur mit
dem privaten Geld der Eltern.
Das Landgericht
Hannover sah dies ebenso, das Kultusministerium
zog vor die zweite Instanz. Heftig geärgert
hat man sich beim Börsenverein über die
Äußerung von Kultusminister Bernd Busemann,
der Buchhandel wolle "seine Geschäftsinteressen
auf dem Rücken von Kindern und Eltern durchsetzen".
Von großen Gewinnen könne im
Schulbuchgeschäft keine Rede sein, sagte
die Börsenvereins-Geschäftsführerin Angelika
Busch. Vielmehr stehe einem großen Aufwand
wenig Ertrag gegenüber.

|
|
Allerdings rechnet
auch das Kultusministerium mit einem Sieg
vor Gericht. Ein Rechtsgutachten habe bestätigt,
dass es sich auch beim Mietmodell um eine
staatliche Veranstaltung handele, hieß es.
Der Buchhandel
macht auch urheberrechtliche Bedenken gegen
Busemanns Modell deutlich. Es sei etwas
anderes, ob ein Autor in Kauf nehme, dass
sein Werk von Bibliotheken oder Schulen
verliehen werde, als dass es in eigener
Regie vermietet werde, sagte Justiziar Sprang.
Nach Erkenntnissen
des Kultusministeriums wollen mehr als 80
Prozent der Eltern die Schulbücher ihrer
Kinder im kommenden Schuljahr mieten anstatt
sie neu zu kaufen.
|
(DEWEZET v.
08.07.2004)Das Kapitel Orientierungsstufe
ist zu Ende
Nach den Sommerferien müssen die weiterführenden
Schulen drei Jahrgänge auf einmal aufnehmen
|
|
Hannover (dpa).
Niedersachsens Schüler haben mit dem letzten
Schultag gestern Abschied von der Orientierungsstufe
(OS) genommen. Nach den Ferien werden bei
Schulbeginn am 19. August erstmals drei
neue Jahrgänge an die weiterführenden Schulen
strömen. Die Landesregierung schafft damit
die 1981 in Niedersachsen als Regelschule
eingeführte OS in den Klassen 5 und 6 endgültig
ab. Dazu müssen 13 332 Lehrer versetzt und
die Gebäude und Räume der bisher 535 Orientierungsstufen
auf andere Schulen neu verteilt werden.
Kultusminister
Bernd Busemann (CDU) meinte dennoch: "Wir
können dem neuen Schuljahr gelassen entgegensehen."
Wer unsicher sei, ob er bei der Wahl der
Schulform die richtige Entscheidung getroffen
habe, könne im neuen Schuljahr die "verstärkte
Durchlässigkeit des Systems nutzen". Bei
der Entscheidung der Eltern, welche Schule
ihr Kind künftig besuchen soll, gibt es
zum Teil erhebliche Abweichungen von den
Empfehlungen der Schulen. Busemann will
die genauen Zahlen heute auf den Tisch legen.
Überdies kündigte
der Kultusminister an, es werde zum Schuljahresbeginn
319 Ganztagsschulen in Niedersachsen geben.
Damit gehen im nächsten Schuljahr 97 Schulen
als neue Ganztagsschulen an den Start. Es
können jedoch nicht alle der neuen Standorte
mit Unterstützung aus Landesmitteln rechnen.
Nach einem Beschluss
der Kultusministerkonferenz müssen Ganztagsschulen
an mindestens drei Nachmittagen pro Woche
ein pädagogisches Angebot von insgesamt
sieben Stunden zur Verfügung stellen. In
Niedersachsen werden siebeneinhalb Stunden
gefordert. Die Schulen können sich ihren
Mehrbedarf an Lehrerstunden auch als Budget
auszahlen lassen und damit an Stelle von
Lehrern andere Fachkräfte einstellen.

|
|
Mehr Unterricht
in Deutsch und Mathe
Vom neuen Schuljahr
an müssen die Eltern die Schulbücher ihrer
Kinder wieder voll zahlen. Sie können das
Lernmaterial entweder komplett neu kaufen
oder von den Schulen mieten. Beim Ausleihverfahren
fallen nach Worten von Kultusminister Bernd
Busemann durchschnittlich Beträge von rund
20 Euro in der Grundschule bis rund 60 Euro
im Gymnasium an. Hat eine Familie drei oder
mehr Kinder in der Schule, muss für jedes
Kind nur noch 80 Prozent Miete gezahlt werden.
Bei einem Neukauf wird mit Kosten bis zu
275 Euro pro Kind und Jahr gerechnet.
Mehr Unterricht
gibt es vom kommenden Schuljahr an vor allem
in Deutsch und Mathematik. In allen fast
allen Jahrgängen wird die Pflichtstundenzahl
aufgestockt.
Bis auf die Hauptschulen
müssen alle weiterführenden Schulen künftig
größere Klassen bilden. Realschulen und
Gymnasien sollen bis zu 32 Schüler pro Klasse
statt bisher höchstens 30 aufnehmen, die
Gesamtschulen 30 statt bisher 28. Gewinner
sind die Hauptschulen, die kleinere Klassen
bekommen, bei den Eltern aber auch weniger
als andere Schulformen nachgefragt werden.
Dort dürfen künftig maximal 26 Schüler statt
bisher 28 unterrichtet werden. In der Hauptschule
können zur beruflichen Orientierung künftig
zwischen 60 und 80 Tage in einem Betrieb
verbracht werden. Außerdem soll jeder Schüler
eine Computer-Grundausbildung erhalten.
|
|
(DEWEZET v. 29.01.2004)
Nach OS-Aus: Wie AEG, Vikilu und "Schiller"
die Reform angehen
Schüler-Schwemme erwartet / Die drei
Gymnasien vor großer Herausforderung
Von Jens Meyer
|
|
Hameln. Der Wettbewerb
ist eröffnet: Die drei allgemeinbildenden
Hamelner Gymnasien – Viktoria-Luise-, Albert-Einstein-
und Schiller-Gymnasium – buhlen um die Gunst
der Jugendlichen, informieren über sich
und ihre Stärken. In diesem Jahr mehr und
intensiver als sonst, und das ist vor allem
auf die Schulstrukturreform zurückzuführen.
Denn ab dem kommenden Schuljahr 2004/2005
wird es keine Orientierungsstufe (OS) mehr
geben. Die 5. und 6. Klassen werden somit
an die Haupt- und Realschulen sowie an die
Gymnasien angegliedert. Der organisatorische
Aufwand ist riesig, die Erwartung gedämpft.
"Vieles ist noch unklar. Das wird ein spannendes
Jahr", sagt Wolfgang Weber, Direktor beim
AEG.
|

Viel gutes Theater, Kompetenz in
der Gesundheitserziehung:
das Albert-Einstein-Gymnasium.
|
In jedem Fall brauchen
alle drei Hamelner Gymnasien mehr Platz.
Elmar Günzel, Leiter der Abteilung Schulen
in Hamelns Verwaltung, rechnet mit wenigstens
300 Kindern, die von den Grundschulen im
Umland auf die Gymnasien Hamelns wechseln".
Hinzu kommen über 1200 Schüler der drei
Orientierungsstufen Nord (Einsiedlerbach),
West (Breslauer Allee) und Süd (Hermannstraße),
von denen ein guter Teil auf die Gymnasien
gehen wird.
Egal, wie viele
schließlich dorthin wechseln: Vikilu, AEG
und "Schiller" müssen vorerst "auslagern".
Günzel: "Das Schiller-Gymnasium wird Teile
der ehemaligen OS West an der Breslauer
Allee nutzen, das Vikilu unterrichtet bestimmte
Klassenverbände in Zukunft in der dann ehemaligen
OS Süd an der Hermannstraße."

|
|
Die geringsten
Probleme habe das AEG, weil das Gebäude
der OS Nord ohnehin gleich nebenan steht.
Die Bezirksregierung
in Hannover ist von den Hamelner "Auslagerungsplänen"
schon informiert und duldet die gymnasialen
Außenstellen. Es bleibt wohl auch keine
andere Wahl: "Anbauen ist nicht drin, es
fehlt an Geld und auch an Platz", sagt Günzel.
Maria Bergmann,
kommissarische Leiterin des Vikilu, rechnet
damit, dass nach den Sommerferien bis zu
450 Schüler mehr aufs Gymnasium an der Grütterstraße
gehen werden, zurzeit sind es rund 870.
"Vieles ist planbar, vieles müssen wir aber
auch auf uns zukommen lassen. Zurzeit unterrichten
etwa 60 Lehrer und einige Referendare. Nach
den Sommerferien werden wohl wenigstens
80 Lehrer benötigt", ist sich Frau Bergmann
sicher. Einige von ihnen werden aus den
jetzigen Orientierungsstufen übernommen.
"Das sind ohnehin auf Gymnasiallehramt studierte
Kollegen, die dort arbeiten", sagt Frau
Bergmann. Für die übrigen zu besetzenden
Stellen werde ein Auswahlverfahren zu treffen
sein.
Mit einem immensen
Aufwand rechnet Wolfgang Weber vom AEG.
"Es werden voraussichtlich über 350 Schüler
mehr sein als vorher. Eine vernünftige Raumplanung
ist daher wichtig, sie ist bereits in Arbeit.
Außerdem müssen die neuen Kollegen integriert
werden. Ziel muss sein, eine pädagogische
Einheit zu bilden, in der alle Schuljahrgänge
optimal betreut werden – das ist schwierig,
aber machbar", so Weber.
Peter Pauksch,
Leiter des altehrwürdigen Schiller-Gymnasiums,
Hamelns älteste Schule, sieht viel Arbeit
auf das gesamte Kollegium zukommen. Noch
werden am "Schiller" rund 800 Schüler unterrichtet,
ab kommendem Jahr werden es laut Pauksch
dann wohl um die 1100 sein – und die finden
(noch) nicht alle Platz an der Gröninger
Straße. "Die neuen Schüler der dann 5. und
6. Klassen werden hier unterrichtet, weil
sie integriert werden müssen, das halte
ich für sehr wichtig. Ausgelagert wird zunächst
der 11. Jahrgang. Er wird dann am Schulzentrum
West an der Breslauer Allee unterrichtet."
Das soll aber nicht lange so sein. Pauksch
und Kollegium planen als "Schule mit offenem
Ganztagsangebot" ab Spätsommer 2004, das
Obergeschoss – noch Dachboden – unterrichtsfit
zu machen. "Das angestrebte Ganztagsangebot
könnte uns aus Fördermitteln viel Geld zum
Umbau bescheren", sagt Pauksch. Ein Umbau,
der das "Schiller" möglicherweise zu einer
Schule ohne Außenstelle machen wird.
|
|
(DEWEZET v. 29.01.2004)
Die Schwerpunkte der drei Gymnasien
Schulleiter über das Profil ihrer Penne
|
|
• Albert-Einstein-Gymnasium
("AEG", Knabenburg 2, Telefon 05151/202 1452,
knapp 900 Schüler). Die Stärken "seines"
Gymnasiums sieht Direktor Wolfgang Weber
so: "Die Kooperation aller am Schulleben
Beteiligten - Schüler, Eltern, Lehrer -
ist eine herausragende Stärke des AEG. Das
Motto lautet 'Die Schüler stehen im Mittelpunkt'."
Ein pädagogischer Schwerpunkt liegt in der
Gesundheitserziehung. Auf dem Stundenplan
steht auch das Fach "Darstellendes Spiel",
und das gibt es laut Weber an keinem anderen
Gymnasium in Hameln. Ein weiterer Schwerpunkt
sind Fremdsprachen. Außerdem ist die Schulleitung
um eine soziale Komponente bemüht. Weber:
"Wir machen Sozialpraktika möglich." (wir
berichteten)
• Viktoria-Luise-Gymnasium
("Vikilu", Grütterstraße 10/12, Telefon
05151/ 202-249, etwa 870 Schüler): "Das
Vikilu ist das musische Gymnasium", sagt
Maria Bergmann, kommissarische Leiterin
der Schule. Das Vikilu verfügt mittlerweile
über einen Instrumentalkreis, Rockband,
Bigband, Orchester und wird in Zukunft in
zwei Arbeitsgemeinschaften (AG) den Chorgesang
ins Unterrichtskonzept mit einbinden. "An.
anderen Schulen sind nur zwei Stunden Musikunterricht
möglich, bei uns sind es vier", sagt sie.
Für den Besuch des Vikilu spreche auch das
umfassende Konzept zur Studien- und Berufsberatung.
"Es werden Bewerbungstrainings und Ausflüge
zu Universitäten angeboten. Außerdem besteht
eine gute Kooperation zwecks Praktika zu
heimischen Unternehmen", sagt Frau Bergmann.

|
|
• Schiller-Gymnasium
(Gröninger Straße 15, Telefon 05151/202-206,
cirka 800 Schüler). Größten Wert legt das
"Schiller" laut Oberstudiendirektor Peter
Pauksch auf den mathematisch-naturwissenschaftlichen
Bereich und auf Fremdsprachen. "In Sport,
Geschichte und Politik wird sogar bilingual
unterrichtet, also in Deutsch und Englisch",
sagt der Schulleiter. Auch ein Spanisch-Projekt
in der Oberstufe steht auf dem Stundenplan.
Außerdem pflegt Hamelns ältestes Gymnasium.
die Kontakte nach England, veranstaltet
regelmäßig Schüleraustausche mit der Stadt
Chippenham. Auch der musische Bereich kommt
nicht zu kurz: "Rockband, Bläserkreis und
andere Projekte laufen seit vielen Jahren
sehr erfolgreich." Zudem bezeichnet Pauksch
das Miteinander der Jugendlichen und Lehrer
als "überaus gut" - worin er eben auch den
Schlüssel zum Erfolg sieht: "Man muss Kinder
und junge Erwachsene mögen, und das tun
die Lehrer am Schiller-Gymnasium." Nach
den kommenden Sommerferien ist das "Schiller"
sogar "offene Ganztagsschule" - dann gibt
es sogar Mittagessen und noch mehr Projekte. |
|
|