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Der Pressespiegel - Schulpolitik
 

(DEWEZET v. 03.06.2006)

Dringlichkeitsstufe 1: Drei Mensen für die Gymnasien

Schulausschuss fordert kurzfristiges Verwaltungs-Konzept

Hameln (HW). Geht es nach dem einmütigen Willen der Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses, dann sollen bereits zum kommenden Schuljahr die drei Hamelner Gymnasien zumindest mit einer provisorischen Mensa ausgestattet sein. "Zunehmende Unterrichtsangebote in den Nachmittagsstunden und ein verändertes Schülerverhalten machen es dringend notwendig, über diese Situation nachzudenken", begründete SPD-MdL Volker Brockmann einen entsprechenden Antrag von Sozialdemokraten und Liberalen, der jedoch auch die Unterstützung von CDU und Grünen fand.

Deshalb ist die Verwaltung einstimmig beauftragt worden, noch bis zur Sommerpause ein entsprechendes Konzept vorzulegen. Auf Antrag von Günter Raß wurde zudem beschlossen, noch vor Ferienbeginn eine weitere Sitzung des Schul- und Kulturausschusses einzuberufen, "da der Rat noch in dieser Legislaturperiode eine Entscheidung treffen muss", wie der Christdemokrat begründete.

Bis zu diesem Termin, so versicherte Hans Bolte, werde die Verwaltung ein Konzept präsentieren, das sich am Schulbedarf orientiere - von der Grundschule bis zu den Gymnasien. "Denn der Handlungsdruck wird auch von uns gesehen", sagte der Abteilungsleiter Schulen im Rathaus. Allerdings fehlten auch für diesen Bereich die erforderlichen Mittel. "Deshalb kann es nur um ein Provisorium, und zwar ein schlechtes, gehen. Der aktuelle Haushalt sieht nichts vor, und auch die Planungen für 2007 und Folgejahre nicht", erklärte Bolte und fügte hinzu: "Die Politik muss Mittel zur Verfügung stellen." Die Kosten für komplett eingerichtete Mensen bezifferte er mit 1,5 Millionen Euro für das Schiller-Gymnasium, einer Millionen Euro für die Vikilu und 900 000 Euro für das AEG.

 

"Wir brauchen unbedingt ein Provisorium, auch wenn es ein schlechtes ist. Aber als Stadt kann man in dieser Situation nicht einfach sagen: Wir haben kein Geld", meinte Christa Bruns (SPD). Auch Stefanie Lösche (CDU) machte sich für eine schnelle Lösung stark: "Es ist nicht zu verstehen, dass tausend Kinder mittags Essen brauchen und wir keine Räume haben." Auch gebe es genügend Versorger vor Ort. "Da muss das Essen nicht aus Schweinfurt kommen", so die Ratsfrau. Christa Bruns regte an, mit der neuen Krankenhaus-Küche in Kontakt zu treten: "Mir wurde mitgeteilt, dass es möglich ist, die Schulen mit Mahlzeiten zu versorgen." Auch Public Private Partnership, das neue Zauberwort für eine Mobilisierung privaten Kapitals und Fachwissens zur Erfüllung staatlicher Aufgaben, wurde in die Diskussion gebracht, doch Erster Stadtrat Eckhard Koss warnte: "Auch das ist nicht kostenlos zu haben, andererseits müssen wir neuen Modellen gegenüber aufgeschlossen sein."

Sichtbar zornig schaltete sich der Stadtelternratsvorsitzende Wolfhard F. Truchsess in die Debatte ein: "Ich habe den Eindruck, es hier mit Wahlkampf zu tun zu haben, denn wir alle wissen, dass das Projekt nicht in drei Monaten zu realisieren ist. Weder räumlich, noch finanziell oder personell. Ich fühle mich veralbert, werde den Plan aber trotzdem massiv unterstützen. Ich weiß nur noch nicht, wie."

 

(DEWEZET v. 03.07.2006)

Eine katastrophale Mängelliste an den Schulen

Fachkommission besichtigte naturwissenschaftliche Unterrichtsräume / Dringender Handlungsbedarf

Hameln (wft). Dass an Hamelns Schulen teilweise dringender Sanierungsbedarf an Dächern, Fenstern und Heizungsanlagen besteht, ist bekannt. Dass aber ein Teil der naturwissenschaftlichen Fachunterrichtsräume an einigen Schulen nur noch die Note "mangelhaft" verdient und zeitgemäßer Unterricht in ihnen nicht mehr möglich ist, musste jetzt eine Fachkommission aus Mitgliedernder Stadtverwaltung, des Schul- und Kulturausschusses und der Gemeindeunfallversicherung zur Kenntnis nehmen. Das vorläufige Fazit nach der zweitägigen Schulbereisung: "Es besteht dringender Handlungsbedarf", wie es das Ratsmitglied Günter Raß (CDU) auf der jüngsten Sitzung des Schulausschusses formulierte. Raß weiter: "Es gibt Schulen, die sind bestens ausgestattet - es gibt aber auch welche, da sieht es schlimm aus. Naturwissenschaftliche Räume müssen dringendst auf den neuesten Stand gebracht werden. Was wir bei der Bereisung gesehen haben, können wir nicht drei weitere Jahre hinausschieben." Der Fachbereichsleiter für Bildung, Jugend und Kultur, Hartmut Kahle, bestätigte: "Eine erschreckende Erkenntnis, die uns zwar bewusst war, aber bei der Bereisung noch einmal schonungslos offenbart worden ist." Ein Unterricht nach modernstem pädagogischen Standard, erklärten Fachlehrer an den betroffenen Schulen übereinstimmend, sei nicht mehr möglich.

Die Mängelliste, die jetzt von der Verwaltung gemeinsam mit einer Bewertungskommission aufgearbeitet werden soll, ist lang:

  • Zu wenig Fachunterrichtsräume;

  • zu kleine Räume für große Schulklassen vor allem in den drei Gymnasien und der Wilhelm-Raabe-Schule;

  • zu kleine Vorbereitungsräume für die Lehrer und durch Tische blockierte, veraltete Materialsammlungen;

  • undichte Gasleitungen;

  • dauerhaft tropfende Wasserhähne, für deren Armaturen es keine Ersatzteile gibt;

  • gebrechliches und abgewirtschaftetes Mobiliar;

  • defekte Verdunkelungsanlagen, die im Physikunterricht, zum Beispiel bei Optik-Versuchen, benötigt werden;

  • unzureichende Be- und Entlüftungen, die teilweise 30 Jahre und älter sind;

  • ungesicherte Fenster und

  • Wassereinbrüche wegen undichter Dächer.

 

Die Mitglieder der Bereisungskommission zeigten sich vor allem über die Zustände der naturwissenschaftlichen Fachunterrichtsräume am Schiller-Gymnasium, teilweise am Albert-Einstein-Gymnasium und an der Wilhelm-Raabe-Realschule, aber auch über die Raumnot am Viktoria-Luise-Gymnasium entsetzt. In einem Teil der Schulräume, die ursprünglich auch für praktische Versuche vorgesehen waren, sind Experimente kaum noch möglich, sondern nur noch theoretischer Unterricht - Formeln an der Tafel anstelle von praxisnahem Anschauungsunterricht.

Kopfschütteln über die Zustände allenthalben, Zufriedenheit nur an den wenigsten Schulen, Aufatmen bei der Bereisung schon, wenn es von Seiten der Schulen hieß: "Unterrichtsraum und Material sind noch brauchbar" - was allenfalls den Schulnoten 3 bis 4 entsprechen dürfte.

Im Schul- und Kulturausschuss führte dies im Zusammenhang mit der Mensen-Diskussion zu einer breiten Debatte über die finanziellen Auswirkungen. Raß bezifferte den Finanzbedarf "auf sicherlich über 100 000 Euro", um einen zeitgemäßen Unterricht in den Fächern Physik, Chemie und Biologie an den mit völlig veralteten Fachräumen ausgestatteten Schulen bewerkstelligen zu können. Eine Schätzung, die vermutlich zu niedrig ist, denn die Komplettausstattung eines Chemie- oder Physikraumes mit allen technischen Einrichtungen wird von den Lehrkräften pro Raum mit 100 000 bis 150 000 Euro angegeben. Um Klarheit zu gewinnen, wird die Verwaltung bis zur nächsten Schulausschusssitzung am 7. September - drei Tage vor der Kommunalwahl - eine Vorlage erarbeiten, an welchen Schulen mit welcher Priorität Sanierungsmaßnahmen einzuleiten sind. 

(DEWEZET v. 27.01.2005)

"Das wird viele vom Studium abschrecken"

Bundesverfassungsgericht entschied nicht über die Frage, "ob Studiengebühren vernünftig sind"

VON JÜRGEN OEDER

Karlsruhe. Die Proteste der eigens angereisten Studenten nützten nichts, das Urteil stand bereits fest: Das Bundesverfassungsgericht ermöglichte es den Bundesländern mit seinem Urteilsspruch, an ihren Hochschulen allgemeine Studiengebühren zu erheben. "Die Frage, ob Studiengebühren finanz-, gesellschafts- und wissenschaftspolitisch vernünftig sind, hatten wir aber nicht zu entscheiden", betonte der Vizepräsident des Gerichts, Winfried Hassemer. Doch für die mit ihrer Klage siegreichen CDU-Wissenschaftsminister ist diese Frage längst entschieden. Sie wollen nun in ihren Bundesländern umgehend 500 Euro Studiengebühr je Semester erheben und freuen sich auf rosigere Zeiten für Forschung und Bildung.

Studenten kündigen "heißes Frühjahr" an

Die Studentenvertreter kündigten noch im Gerichtssaal ein "heißes Frühjahr" an. Bis zu 50000 Euro Gesamtschulden könnten sich am Ende eines Studiums angehäuft haben, warnten sie vor den sozialen Folgen von Studiengebühren. Sofort nach dem Ende der Semesterferien solle bundesweit protestiert werden, sagte Andreas Bühler, ein Studentenvertreter aus Baden-Württemberg. Doch die für den 1. Mai anvisierten Protestaktionen dürften wenig erfolgreich sein. Zu weit sind die Pläne der Minister aus den unionsgeführten Ländern Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und dem Saarland schon gereift. Die Gebühr von 500 Euro soll in einigen Ländern schon ab 2006 erhoben werden. Hessen, das die Landesverfassung erst noch ändern muss, könnte später folgen. Womöglich werden auch SPD-geführte Länder Studiengebühren erheben. Dass es gute Gründe geben könnte, dass sich die SPD-Länder mit den Unions-Ländern auf eine einheitliche Linie verständigen, macht das Urteil deutlich: Länder, die keine Gebühren erheben, müssten selbst damit fertig werden, wenn es zu einem massenhaften Andrang von Studenten und zu einer Verschlechterung der Studienbedingungen führe, heißt es in dem Karlsruher Richterspruch.

Beim Blick der Verfassungshüter aufs große Ganze fällt allerdings der einzelne Student durch den Rost: Es kann "nicht ausgeschlossen werden, dass Einzelne durch Studiengebühren unausweichlich und in überdurchschnittlich hohem Maß belastet werden", heißt es im Urteil. Doch das rechtfertige ein allgemeines Verbot von Studiengebühren nicht, entschieden die Verfassungsrichter.

 

Der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) sowie seine Kollegen Thomas Goppel (CSU) aus Bayern und Jörg Dräger (CDU) aus Hamburg versicherten zwar noch im Gerichtssaal, dass Studenten aus einkommensschwachen Familien Gebühren über zinsgünstige Bankdarlehen finanzieren und "sozial verträglich" zurückzahlen könnten. Erst wer im Berufsleben stehe und eine gewisse Einkommensgrenze überschreite, müsse mit der Rückzahlung beginnen, sagte Dräger und verwies auf ein 1989 in Australien eingeführtes Gebührenmodell, das nun als Vorbild und Orientierung diene.

Den 24-jährigen Studenten Sascha Vogt überzeugte diese Argumentation nicht. Zu den durchschnittlichen Studienkosten von 40 000 Euro kämen nun etwa weitere 6000 Euro an Gebühren dazu, rechnete der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren vor. Ein studentisches Ehepaar stünde dann am Beginn seines Berufslebens vor einem Schuldenberg von knapp 100 000 Euro. "Das wird viele, vor allem Einkommensschwache, vom Studium abschrecken", so Vogt.

Ärmere benachteiligt

Studien der Bundesregierung belegen diese Bedenken: So führte etwa das Gebührenmodell Australiens dort zu einem Rückgang von Studenten aus einkommensschwachen
Schichten. Diesen Trend gibt es laut Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hierzulande schon längst. Von 1982 bis 2000 sank der Anteil von Studierenden aus ärmeren Familien von 23 auf 13 Prozent, während der Anteil der Studenten aus begüterten Familien von 17 auf 33 Prozent aller Studierenden stieg. Ob sich dieser Trend nun noch verschärfen und ein Studium in Deutschland zum Luxusartikel wird, diese Frage stellten sich die Verfassungshüter nicht.

(Aktenzeichen: 2 BvF 1/03 vom 26. Januar 2005)

(DEWEZET v. 25.01.2005)

Neues Abitur für Niedersachsens Schüler

Mehr Politik, weniger Auswahl / Kabinett entscheidet heute / Protest vom Landeselternrat

VON JÖRG KALLMEYER

Hannover. Niedersachsen will ein Signal gegen Politikverdrossenheit und mangelndes Politikverständnis von Jugendlichen setzen: In der neuen gymnasialen Oberstufe, die im Sommer eingeführt wird, wird das Fach Politik/Wirtschaft in der Einstiegsphase ein Jahr lang Pflicht für die Schüler. Das Abitur wird zudem anspruchsvoller: Künftig besteht die Prüfung aus fünf statt wie bisher aus vier Fächern - Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache müssen als Kernfächer bis zum Abitur beibehalten werden.

Dem Kabinett in Hannover legt Kultusminister Bernd Busemann  (CDU) heute seine Verordnung zur Neuordnung der gymnasialen Oberstufe vor, um die es zuletzt hinter den

 

Kulissen heftige Debatten gegeben hatte. Dabei ging es auch um die Frage, ob Erdkunde oder Politik Vorrang bei den Pflichtfächern haben sollte. Zuletzt entschied Ministerpräsident Christian Wulff: In Klasse acht bis zehn ist Politik/Wirtschaft künftig obligatorisch.

Busemann erhofft sich von der neuen Oberstufe, die zum 1. August eingeführt wird, "mehr Verbindlichkeit und weniger Beliebigkeit". Er nimmt dafür einen Konflikt mit dem Landeselternrat und dem Landesschülerrat in Kauf. Beide Gremien hatten ihr Veto eingelegt, weil sie die Wahlfreiheit der Abiturienten eingeschränkt sehen.

(DEWEZET v. 19.11.2004)

Hier sorgen die Schüler selbst für ihr "Haus"

Besuch vom deutschen PISA-Sieger im Forum / Vieles wird in Hameln heute schon gemacht

Hameln (amh). Schwungvoll, enthusiastisch und kein bisschen ausgebrannt, so präsentierte Enja Riegel, pensionierte Schulleiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Hamelner Forums das Konzept, mit dem ihre Institution beim PISA-Test mit großem Abstand als beste deutsche Schule abgeschnitten hat. "Schule kann gelingen! Wie man wirklich fürs Leben lernt": Unter dieses Motto stellte sie ihre mit großem Engagement vorgetragenen Äußerungen, die bei den zahlreichen Zuhörern auf reges, wohlwollendes Interesse stießen.

Im Weserberglandzentrum begrüßt von Manfred Klostermann, erzählte sie von dem langen Weg, wie aus dem ehemaligen, von Schließung bedrohten Gymnasium, einer "innerlich und äußerlich verrotteten Einrichtung", die PISA-Sieger-Schule geworden ist. Grundlage aller Veränderung war "eine Vision von guter Schule", in der mit Kopf und Hand selbstverantwortlich gelernt wird und in der sich alle - Lehrer und Schüler - wohl und zuhause fühlen.

Nach vielen "Spionage"-Besuchen in Reformschulen ganz Deutschlands kristallisierte sich ein eigenes Konzept heraus: eine integrierte Gesamtschule mit gemeinsamem Unterricht von Schülern aller Schulformen ohne äußere Differenzierung, das heißt Verzicht auf frühzeitige Selektion; eine enge Schüler-Lehrer-Beziehung durch kleine Lehrerteams, die einen Jahrgang während der gesamten Schulzeit begleiten; Aufhebung des 45-Minuten-Taktes; kein Sitzenbleiben; Einbeziehung außerunterrichtlicher Fachkräfte in den Unterricht und vieles mehr. Lehrerteams, Projektunterricht, Verlässlichkeit, den Schülern "Lebensmut" geben, sie ernst nehmen und ihnen etwas zutrauen, das sah Frau Riegel als die Hauptzutaten ihres Erfolgsrezeptes an, dazu Eltern, die das Konzept tragen, die "kritisieren, aber nicht nörgeln dürfen" und die Schule gegen "Angriffe von außen beziehungsweise auch von oben" verteidigen sollen.

Geld und Vorschriften große Hindernisse

Dass auf so einem langen Weg viele Steine liegen, versteht sich von selbst. Geld und behördliche Vorschriften waren die größten Hindernisse, die aus dem Weg geräumt werden mussten. Harten Verhandlungen zur staatlichen Finanzierung notwendiger Umbauten folgten einfallsreiche Konzepte, um selbst Geld aufzutreiben; zum Beispiel spart die Schule vollständig Reinigungspersonal ein, putzt selber, verwendet das eingesparte Geld, um zum Beispiel einen Regisseur für die Theaterarbeit einzustellen, und begründet das Ganze pädagogisch: "Nur wer selbst für sein Haus sorgt, fühlt sich dort wohl!"

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"Man fragt nicht, sondern man macht"

Im Umgang mit behördlichen Vorschriften riet die energische und streitbare Pädagogin zu Kreativität in der Auslegung und Ausschöpfung der Grauzonen: "Man fragt nicht, sondern man macht!" Warum denn - angesichts des nachgewiesenen Erfolges - die Kultusminister nicht bei ihr Schlange stünden, so eine Publikums-Frage; Antwort: "Weil ich denen ein Dorn im Auge bin!"

Manche der zahlreich vertretenen Pädagogen aller Schulformen fragten denn
auch, was sie angesichts der gesetzlich festgeschriebenen Dreigliedrigkeit und damit Selektion, von Schulstrukturreform, standardisierten Leistungsanforderungen und Zentralabitur für ihre tägliche Praxis übernehmen können.

"Vieles machen wir bereits", so der Kommentar vom Leiter der Pestalozzi-Schule Werner Heuer, der, wie zum Beispiel auch die Klütschule und das Schiller-Gymnasium, an seiner Schule mit Ganztagsangebot und Mittagstisch neue Wege geht. Ähnliches formulierte am Rande der Veranstaltung Andreas Jungnitz, Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums Bad Pyrmont, der die Aufhebung des 45-Minuten-Taktes bedenkenswert findet und eine Intensivierung der bereits praktizierten Projektarbeit, der Teamstrukturen und der fächerübergreifenden Arbeit für sinnvoll und notwendig hält.

Die Referentin hatte den Nerv vieler Zuhörer getroffen, so dass das Gespräch auch nach Schluss der offiziellen Veranstaltung noch engagiert weiterging.

(DEWEZET v. 19.11.2004)

Chance für besseres Miteinander:
Schulen sagen Ja zu Islam-Unterricht

Positives Echo auf Busemann-Pläne / Gut ausgebildete Lehrer wichtig

Hameln (hen). Ein Ministervorschlag stößt auf Wohlwollen: Die Pläne von Bernd Busemann, in Niedersachsen einen flächendeckenden Islam-Unterricht einzuführen, wird von Schulen der heimischen Region begrüßt. "Ziel muss es sein, sich an einer Schule gegenseitig kennen- und achten zu lernen", sagt Gabriela Hexel-Hille, Leiterin der Papenschule, die mit einem Anteil von 40 Prozent muslimischer Kinder über ausreichend Erfahrung mit verschiedenen Nationen unter einem. Dach verfügt. Ingesamt beträgt der Anteil ausländischer Kinder dort 48,5 Prozent.

Übrigens eine für Hameln ungewöhnlich hohe Zahl: Von den insgesamt 8398 Schülern sind nach Angaben der städtischen Schulabteilung 971 ausländischer Herkunft, 446 kommen aus der Türkei. Die
Stadtverwaltung erfasst diese Zahlen aus Datenschutzgründen nur nach Nationen, nicht aber nach Konfessionen.

An der Papenschule erhalten die muslimischen Kinder bereits seit fünf Jahren Unterricht in "Werte und Normen". Dieses Fach, das den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht für alle Kinder nichtchristlichen Glaubens ersetzen soll, ist an Grundschulen normalerweise gar nicht vorgesehen. Die Kinder der unterschiedlichen Glaubensrichtungen werden nicht nur jeweils für sich unterrichtet, sondern auch gemeinsam, besuchen beispielsweise Moscheen oder die jüdische Gemeinde.

Bestandteil des Unterrichts seien aber auch die Themen Grundgesetz, Würde des Menschen oder Frieden. Die Schulleiterin unterrichtet
selbst "Werte und Normen": "Ich erfahre dabei ungeheuer viel über die Kinder und ihre Ansichten; viele aktuelle Ereignisse werden diskutiert."

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Aufgabe eines islamischen Religionsunterrichtes dürfe es daher nicht sein, nur die reine Religionslehre zu vermitteln, sondern auch über den Tellerrand zu blicken - "Busemann will keine Koranschule", meint die Schulleiterin. Dies sei nur mit entsprechend ausgebildeten Lehrern möglich - ein solcher Studiengang ist aber gerade erst gestartet. Es sei allerdings auch wichtig, betont die Pädagogin, dass die Kinder ihre eigene Religion verstehen lernen - in einer Sprache, die sie kennen. Oft sei dies eben nicht der Fall, es würde nur "nachgebetet": Ein ausgebildeter Religionslehrer könnte an einer Schule mit hohem Anteil muslimischer Kinder unterrichten, die Schüler anderer Einrichtungen könnten jeweils hinzukommen, so die Vision.

Für "bildungspolitisch richtig" hält Karl-Heinz Brandt, Leiter der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Salzhemmendorf den Vorstoß Busemanns. Er sieht allerdings an seiner Schule nicht den Bedarf - von fast 1400 Schülern sind nach Angaben der Schule nur 22 muslimisch. "Auch die haben Recht auf Religionsfreiheit", meint Brandt, der berichtet, dass vor allem "Werte und Normen" sehr stark nachgefragt werden. Mit 14 Jahren dürfen die Kinder selbst entscheiden, woran sie teilnehmen. Auch der Stadtelternrat findet das Ansinnen des Ministers "vollkommen richtig", denn Religionsunterricht sei Sache der Schulen.

(DEWEZET v. 03.11.2004)

Schulleiter weisen Kritik zurück

"Budgets lassen kaum Spielraum zu"

Hameln (hen). "Wir als Schule sind selber daran interessiert, günstig einzukaufen": Wie Mechthild Beeck, Theodor-Heuss-Realschule, reagieren auch die anderen Schulleiter gelassen auf den Bericht des Rechnungsprüfungsamtes, die Schulen würden teilweise unwirtschaftlich mit ihren Budgets umgehen und müssten stärker kontrolliert werden (wir berichteten). Die Etats seien knapp bemessen und ließen kaum Spielraum zu, halten die Schulleiter entgegen. Das Prüfungsamt hatte Fälle aufgezeigt, in denen Angebote nicht ausreichend geprüft worden seien. Nach Meinung der Schulabteilung bewegen sich die festgestellten Verstöße bei einem Beschaffungsvolumen von etwa 550000 Euro in einer "unterzuordnenden Größenordnung", die die Wirtschaftlichkeit insgesamt nicht in Frage stellen könne.

Einzelne Vorschläge des Prüfungsamtes nennen die Schulen nicht praktikabel: So sei man bei der Beschaffung von Materialien für den naturwissenschaftlichen Bereich an einen Hersteller gebunden und könne gar keine Vergleichsangebote einholen, erklären sowohl Mechthild Beeck als auch Peter Pauksch vom Schiller-Gymnasium. Und Laptops würden keinesfalls von Kollegen zu Hause genutzt - "ich bringe im Gegenteil noch meinen privaten mit", sagt Wolfgang Weber,

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Albert-Einstein-Gymnasium. Der eine offizielle Laptop werde für 1150 Schüler eingesetzt - und ersetze mehrere stationäre PCs. Ein günstiges Aldi-Angebot könnten die Schulen nicht nutzen, weil sie vorher drei Vergleichsangebote einholen müssten - und dann ist der Aldi-PC weg. Ein zentraler Einkauf rechne sich erst, wenn "wir uns im dreistelligen Bereich bewegen".

Ohne Fördervereine und Sponsoren wüssten die Schulen kaum, wie sie über die Runden kommen sollten. Ein Budget im Sinne freier Verfügbarkeit sei ohnehin nicht vorhanden: "Da müssen dann Gelder für die Renovierung von Toiletten verwendet werden." Auch Gabriela HexelHille von der Papenschule verweist auf ihr knappes Budget - aber auch darauf, dass eben kein Geld mehr da ist. "Wir drehen jeden Euro viermal um", bestätigt auch Rainer Starke vom Vikilu. Gegen eine vom Prüfungsamt vorgeschlagene "Nachschulung" im Umgang mit den Richtlinien hat übrigens niemand etwas einzuwenden: "Wenn wir dadurch besser wirtschaften können, ist das nur von Vorteil", so Mechthild Beeck.

 
(DEWEZEI v. 15.10.2004)

5,8 Millionen fließen im nächsten Jahr in die Schulen

Stadtverwaltung: "Ein besonderer Investitionsschwerpunkt" / Unterhalt der Lehr-Einrichtungen kostet 7,5 Millionen

Hameln (mafi). Die Hamelner Stadtverwaltung wehrt sich gegen einen Vorwurf in der Dewezet, sie lasse "die Schulen vergammeln". "Das Gegenteil ist der Fall", betont Stadtsprecher Thomas Wahmes. Ausdrücklich habe Oberbürgermeister Klaus Arnecke diesen Bereich als besonderen Schwerpunkt städtischer Politik deklariert - und das auch im Rat immer wieder betont.

Sparen, kürzen, streichen - der Haushaltsplanentwurf 2005 steht ganz im Zeichen der leeren Kasse. Bei den Personalkosten soll der Rotstift angesetzt werden, Stadtbücherei und Jugendmusikschule sollen bluten. Eine der Ausnahmen beim Sparen sind die Schulen, wie Wahmes erklärt. Die Stadt sehe sie "auch zukünftig als einen besonderen Investitionsschwerpunkt".

Die Zahlen können sich sehen lassen, meint die Stadtspitze: 4,6 Millionen Euro flossen im vergangenen Jahr in Schulbaumaßnahmen. Größter Brocken war der Neubau der Grundschule Hohes Feld. In diesem Jahr stehen 5,5 Millionen Euro im Etat. Unter anderem, um die baulichen Voraussetzungen für die Ganztagsangebote an der Klütschule, der Pestalozzischule und der Theodor Heuss-Realschule zu schaffen. Im Haushaltsplanentwurf für 2005 sind sogar 5,8 Millionen Euro für Schulbaumaßnahmen vorgesehen. Schwer punkte im kommenden Jahr wird der Ausbau des Schillergymnasiums zur Ganztagsschule sein. Hierfür

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werden eine Mensa sowie Räume für Fördermaßnahmen, Arbeitsgemeinschaften und Projekte geschaffen. Auch der Bau von Mensen am Viktoria-Luise- und am Albert-Einstein-Gymnasium sind vorgesehen. Das Gesamtpaket beinhaltet außerdem Fenster- und Dachsanierungen, Brandschutzmaßnahmen und die Erneuerung von Heizungsanlagen. Darin enthalten sind 250000 Euro, die seit 2001 jährlich im Rahmen eines Zehn-JahresKonzepts vor allem in Verschönerungsarbeiten und die Sanierung von Sanitäranlagen fließen.

Und noch eine Zahl nennt der Stadtsprecher: 7,5 Millionen Euro wendet Hameln jährlich für den Unterhalt und die Ausstattung ihrer 22 Schulen auf - unter anderem für die Energieversorgung, Reinigung, Beschaffung von Lehrmitteln sowie Wartung von Sportgeräten. In die Computer-Systeme der Schulen hat die Stadt seit 2001 mehr als 800 000 Euro investiert; auch künftig stehen jährlich rund 160 000 Euro zur Erhaltung und Modernisierung der EDV-Anlagen bereit.

(DEWEZET v. 17.07.2004)

Schlechtes Zeugnis für die Schulen

OECD beklagt mangelnde Ausbildung

München (ap). Zweieinhalb Jahre nach der Pisa-Studie gibt es erneut schlechte Noten für das deutsche Schulsystem. In einer bislang noch unveröffentlichten Untersuchung für die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) wird vor allem kritisiert, dass die Bundesländer zu wenig junge Lehrkräfte einstellen. Die Autoren des Gutachtens, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" zitiert, bemängeln aber auch die Aus- und Fortbildung der Lehrer.

Nach dem Zeitungsbericht kommen die fünf Autoren des Gutachtens zu einem nahezu vernichtenden Ergebnis: Die deutsche Lehrerschaft sei überaltert wie nirgendwo sonst in Europa, pädagogisch schlecht ausgebildet und es gebe zu wenig Anreize für einen packenden Unterricht. Weiter rügten die OECD-Fachleute die von Land zu Land völlig unterschiedliche Ausbildung. Lehrer lernten zwar lange und seien fachlich gut ausgebildet. Es hapere aber an Didaktik und Pädagogik.

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Da das System starr sei, könnten Schulen und Lehrer nicht auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen. Obwohl sie OECD-weit zu den am besten bezahlten Pädagogen gehörten, seien deutsche Lehrer mit ihrem Job eher unzufrieden. Die Studie empfiehlt, Standards zu entwickeln, die beschreiben, was Lehrer können müssen. Schlechte Pädagogen müssten die Schule verlassen oder Stellen annehmen, bei denen sie nicht unterrichten müssten.

Die Fachleute hatten im September 2003 Schulen in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen besucht. Der Fachmann für Lehrerbildung an der Universität Münster, Ewald Terhart, erklärte, die deutschen Ergebnisse sollen in eine internationale Studie für 25 Länder einfließen, die Grundlage einer Art "Pisa für Lehrer" sein soll.

(DEWEZET v. 09.07.2004)

Buchhandel attackiert Busemanns Mietmodell

Ärger über Ministeräußerungen / OLG Celle muss über Rabatte für Schulbücher entscheiden

Hannover (jö). Der Buchhandel rechnet damit, dass Niedersachsens Mietmodell für Schulbücher keinen Bestand haben wird. "Ich gehe davon aus, dass das Verfahren rechtlich revidiert wird, wenn man es nicht grundlegend reformiert", sagte Christian Sprang, Justiziar beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, gestern in Hannover. Der Verband macht sowohl Einwände gegen geforderte Preisnachlässe als auch urheberrechtliche Bedenken geltend.

Ende Juli will das Oberlandesgericht (OLG) Celle entscheiden, ob die Schulen zu Recht Rabatte beim Buchhandel einfordern können, wenn sie Bücher für die Mietausgabe an die Eltern bestellen. Bei der bisherigen Ausgabe im Rahmen der Lernmittelfreiheit konnten die Schulen bei Sammelbestellungen nach dem Preisbindungsgesetz mit einem Nachlass von zwölf Prozent rechnen. Begründung: Die Bücher gingen an staatliche Einrichtungen. Dies sei künftig nicht mehr der Fall, argumentiert der Buchhandel: Die Schule arbeite nur mit dem privaten Geld der Eltern.

Das Landgericht Hannover sah dies ebenso, das Kultusministerium zog vor die zweite Instanz. Heftig geärgert hat man sich beim Börsenverein über die Äußerung von Kultusminister Bernd Busemann, der Buchhandel wolle "seine Geschäftsinteressen auf dem Rücken von Kindern und Eltern durchsetzen". Von großen Gewinnen könne im
Schulbuchgeschäft keine Rede sein, sagte die Börsenvereins-Geschäftsführerin Angelika Busch. Vielmehr stehe einem großen Aufwand wenig Ertrag gegenüber.

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Allerdings rechnet auch das Kultusministerium mit einem Sieg vor Gericht. Ein Rechtsgutachten habe bestätigt, dass es sich auch beim Mietmodell um eine staatliche Veranstaltung handele, hieß es.

Der Buchhandel macht auch urheberrechtliche Bedenken gegen Busemanns Modell deutlich. Es sei etwas anderes, ob ein Autor in Kauf nehme, dass sein Werk von Bibliotheken oder Schulen verliehen werde, als dass es in eigener Regie vermietet werde, sagte Justiziar Sprang.

Nach Erkenntnissen des Kultusministeriums wollen mehr als 80 Prozent der Eltern die Schulbücher ihrer Kinder im kommenden Schuljahr mieten anstatt sie neu zu kaufen.

(DEWEZET v. 08.07.2004)

Das Kapitel Orientierungsstufe ist zu Ende

Nach den Sommerferien müssen die weiterführenden Schulen drei Jahrgänge auf einmal aufnehmen

Hannover (dpa). Niedersachsens Schüler haben mit dem letzten Schultag gestern Abschied von der Orientierungsstufe (OS) genommen. Nach den Ferien werden bei Schulbeginn am 19. August erstmals drei neue Jahrgänge an die weiterführenden Schulen strömen. Die Landesregierung schafft damit die 1981 in Niedersachsen als Regelschule eingeführte OS in den Klassen 5 und 6 endgültig ab. Dazu müssen 13 332 Lehrer versetzt und die Gebäude und Räume der bisher 535 Orientierungsstufen auf andere Schulen neu verteilt werden.

Kultusminister Bernd Busemann (CDU) meinte dennoch: "Wir können dem neuen Schuljahr gelassen entgegensehen." Wer unsicher sei, ob er bei der Wahl der Schulform die richtige Entscheidung getroffen habe, könne im neuen Schuljahr die "verstärkte Durchlässigkeit des Systems nutzen". Bei der Entscheidung der Eltern, welche Schule ihr Kind künftig besuchen soll, gibt es zum Teil erhebliche Abweichungen von den Empfehlungen der Schulen. Busemann will die genauen Zahlen heute auf den Tisch legen.

Überdies kündigte der Kultusminister an, es werde zum Schuljahresbeginn 319 Ganztagsschulen in Niedersachsen geben. Damit gehen im nächsten Schuljahr 97 Schulen als neue Ganztagsschulen an den Start. Es können jedoch nicht alle der neuen Standorte mit Unterstützung aus Landesmitteln rechnen.

Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz müssen Ganztagsschulen an mindestens drei Nachmittagen pro Woche ein pädagogisches Angebot von insgesamt sieben Stunden zur Verfügung stellen. In Niedersachsen werden siebeneinhalb Stunden gefordert. Die Schulen können sich ihren Mehrbedarf an Lehrerstunden auch als Budget auszahlen lassen und damit an Stelle von Lehrern andere Fachkräfte einstellen.

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Mehr Unterricht in Deutsch und Mathe

Vom neuen Schuljahr an müssen die Eltern die Schulbücher ihrer Kinder wieder voll zahlen. Sie können das Lernmaterial entweder komplett neu kaufen oder von den Schulen mieten. Beim Ausleihverfahren fallen nach Worten von Kultusminister Bernd Busemann durchschnittlich Beträge von rund 20 Euro in der Grundschule bis rund 60 Euro im Gymnasium an. Hat eine Familie drei oder mehr Kinder in der Schule, muss für jedes Kind nur noch 80 Prozent Miete gezahlt werden. Bei einem Neukauf wird mit Kosten bis zu 275 Euro pro Kind und Jahr gerechnet.

Mehr Unterricht gibt es vom kommenden Schuljahr an vor allem in Deutsch und Mathematik. In allen fast allen Jahrgängen wird die Pflichtstundenzahl aufgestockt.

Bis auf die Hauptschulen müssen alle weiterführenden Schulen künftig größere Klassen bilden. Realschulen und Gymnasien sollen bis zu 32 Schüler pro Klasse statt bisher höchstens 30 aufnehmen, die Gesamtschulen 30 statt bisher 28. Gewinner sind die Hauptschulen, die kleinere Klassen bekommen, bei den Eltern aber auch weniger als andere Schulformen nachgefragt werden. Dort dürfen künftig maximal 26 Schüler statt bisher 28 unterrichtet werden. In der Hauptschule können zur beruflichen Orientierung künftig zwischen 60 und 80 Tage in einem Betrieb verbracht werden. Außerdem soll jeder Schüler eine Computer-Grundausbildung erhalten.

(DEWEZET v. 29.01.2004)

Nach OS-Aus: Wie AEG, Vikilu und "Schiller" die Reform angehen

Schüler-Schwemme erwartet / Die drei Gymnasien vor großer Herausforderung

Von Jens Meyer

Hameln. Der Wettbewerb ist eröffnet: Die drei allgemeinbildenden Hamelner Gymnasien – Viktoria-Luise-, Albert-Einstein- und Schiller-Gymnasium – buhlen um die Gunst der Jugendlichen, informieren über sich und ihre Stärken. In diesem Jahr mehr und intensiver als sonst, und das ist vor allem auf die Schulstrukturreform zurückzuführen. Denn ab dem kommenden Schuljahr 2004/2005 wird es keine Orientierungsstufe (OS) mehr geben. Die 5. und 6. Klassen werden somit an die Haupt- und Realschulen sowie an die Gymnasien angegliedert. Der organisatorische Aufwand ist riesig, die Erwartung gedämpft. "Vieles ist noch unklar. Das wird ein spannendes Jahr", sagt Wolfgang Weber, Direktor beim AEG.

AEG im Januar 2004
Viel gutes Theater, Kompetenz in der Gesundheitserziehung:
das Albert-Einstein-Gymnasium.

In jedem Fall brauchen alle drei Hamelner Gymnasien mehr Platz. Elmar Günzel, Leiter der Abteilung Schulen in Hamelns Verwaltung, rechnet mit wenigstens 300 Kindern, die von den Grundschulen im Umland auf die Gymnasien Hamelns wechseln". Hinzu kommen über 1200 Schüler der drei Orientierungsstufen Nord (Einsiedlerbach), West (Breslauer Allee) und Süd (Hermannstraße), von denen ein guter Teil auf die Gymnasien gehen wird.

Egal, wie viele schließlich dorthin wechseln: Vikilu, AEG und "Schiller" müssen vorerst "auslagern". Günzel: "Das Schiller-Gymnasium wird Teile der ehemaligen OS West an der Breslauer Allee nutzen, das Vikilu unterrichtet bestimmte Klassenverbände in Zukunft in der dann ehemaligen OS Süd an der Hermannstraße."

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Die geringsten Probleme habe das AEG, weil das Gebäude der OS Nord ohnehin gleich nebenan steht.

Die Bezirksregierung in Hannover ist von den Hamelner "Auslagerungsplänen" schon informiert und duldet die gymnasialen Außenstellen. Es bleibt wohl auch keine andere Wahl: "Anbauen ist nicht drin, es fehlt an Geld und auch an Platz", sagt Günzel.

Maria Bergmann, kommissarische Leiterin des Vikilu, rechnet damit, dass nach den Sommerferien bis zu 450 Schüler mehr aufs Gymnasium an der Grütterstraße gehen werden, zurzeit sind es rund 870. "Vieles ist planbar, vieles müssen wir aber auch auf uns zukommen lassen. Zurzeit unterrichten etwa 60 Lehrer und einige Referendare. Nach den Sommerferien werden wohl wenigstens 80 Lehrer benötigt", ist sich Frau Bergmann sicher. Einige von ihnen werden aus den jetzigen Orientierungsstufen übernommen. "Das sind ohnehin auf Gymnasiallehramt studierte Kollegen, die dort arbeiten", sagt Frau Bergmann. Für die übrigen zu besetzenden Stellen werde ein Auswahlverfahren zu treffen sein.

Mit einem immensen Aufwand rechnet Wolfgang Weber vom AEG. "Es werden voraussichtlich über 350 Schüler mehr sein als vorher. Eine vernünftige Raumplanung ist daher wichtig, sie ist bereits in Arbeit. Außerdem müssen die neuen Kollegen integriert werden. Ziel muss sein, eine pädagogische Einheit zu bilden, in der alle Schuljahrgänge optimal betreut werden – das ist schwierig, aber machbar", so Weber.

Peter Pauksch, Leiter des altehrwürdigen Schiller-Gymnasiums, Hamelns älteste Schule, sieht viel Arbeit auf das gesamte Kollegium zukommen. Noch werden am "Schiller" rund 800 Schüler unterrichtet, ab kommendem Jahr werden es laut Pauksch dann wohl um die 1100 sein – und die finden (noch) nicht alle Platz an der Gröninger Straße. "Die neuen Schüler der dann 5. und 6. Klassen werden hier unterrichtet, weil sie integriert werden müssen, das halte ich für sehr wichtig. Ausgelagert wird zunächst der 11. Jahrgang. Er wird dann am Schulzentrum West an der Breslauer Allee unterrichtet." Das soll aber nicht lange so sein. Pauksch und Kollegium planen als "Schule mit offenem Ganztagsangebot" ab Spätsommer 2004, das Obergeschoss – noch Dachboden – unterrichtsfit zu machen. "Das angestrebte Ganztagsangebot könnte uns aus Fördermitteln viel Geld zum Umbau bescheren", sagt Pauksch. Ein Umbau, der das "Schiller" möglicherweise zu einer Schule ohne Außenstelle machen wird.

 

(DEWEZET v. 29.01.2004)

Die Schwerpunkte der drei Gymnasien

Schulleiter über das Profil ihrer Penne

• Albert-Einstein-Gymnasium ("AEG", Knabenburg 2, Telefon 05151/202 1452, knapp 900 Schüler). Die Stärken "seines" Gymnasiums sieht Direktor Wolfgang Weber so: "Die Kooperation aller am Schulleben Beteiligten - Schüler, Eltern, Lehrer - ist eine herausragende Stärke des AEG. Das Motto lautet 'Die Schüler stehen im Mittelpunkt'." Ein pädagogischer Schwerpunkt liegt in der Gesundheitserziehung. Auf dem Stundenplan steht auch das Fach "Darstellendes Spiel", und das gibt es laut Weber an keinem anderen Gymnasium in Hameln. Ein weiterer Schwerpunkt sind Fremdsprachen. Außerdem ist die Schulleitung um eine soziale Komponente bemüht. Weber: "Wir machen Sozialpraktika möglich." (wir berichteten)

• Viktoria-Luise-Gymnasium ("Vikilu", Grütterstraße 10/12, Telefon 05151/ 202-249, etwa 870 Schüler): "Das Vikilu ist das musische Gymnasium", sagt Maria Bergmann, kommissarische Leiterin der Schule. Das Vikilu verfügt mittlerweile über einen Instrumentalkreis, Rockband, Bigband, Orchester und wird in Zukunft in zwei Arbeitsgemeinschaften (AG) den Chorgesang ins Unterrichtskonzept mit einbinden. "An. anderen Schulen sind nur zwei Stunden Musikunterricht möglich, bei uns sind es vier", sagt sie. Für den Besuch des Vikilu spreche auch das umfassende Konzept zur Studien- und Berufsberatung. "Es werden Bewerbungstrainings und Ausflüge zu Universitäten angeboten. Außerdem besteht eine gute Kooperation zwecks Praktika zu heimischen Unternehmen", sagt Frau Bergmann.

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  • Schiller-Gymnasium (Gröninger Straße 15, Telefon 05151/202-206, cirka 800 Schüler). Größten Wert legt das "Schiller" laut Oberstudiendirektor Peter Pauksch auf den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich und auf Fremdsprachen. "In Sport, Geschichte und Politik wird sogar bilingual unterrichtet, also in Deutsch und Englisch", sagt der Schulleiter. Auch ein Spanisch-Projekt in der Oberstufe steht auf dem Stundenplan. Außerdem pflegt Hamelns ältestes Gymnasium. die Kontakte nach England, veranstaltet regelmäßig Schüleraustausche mit der Stadt Chippenham. Auch der musische Bereich kommt nicht zu kurz: "Rockband, Bläserkreis und andere Projekte laufen seit vielen Jahren sehr erfolgreich." Zudem bezeichnet Pauksch das Miteinander der Jugendlichen und Lehrer als "überaus gut" - worin er eben auch den Schlüssel zum Erfolg sieht: "Man muss Kinder und junge Erwachsene mögen, und das tun die Lehrer am Schiller-Gymnasium." Nach den kommenden Sommerferien ist das "Schiller" sogar "offene Ganztagsschule" - dann gibt es sogar Mittagessen und noch mehr Projekte.
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