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Einstein war nicht nur ein genialer Wissenschaftler,
er besaß auch ein ausgeprägtes politisches Engagement. Es
entwickelte sich allerdings erst in der Berliner Zeit. Nach
Ausbruch des Ersten Weltkrieg wandte er sich in einer Kampfschrift
gegen ein Manifest von 93 Künstlern und Wissenschaftlern
zur Verteidigung der deutschen Politik. Einstein setzte
dagegen: "Solche Stimmung ist durch keine Leidenschaft zu
entschuldigen; sie ist unwürdig dessen, was bisher alle
Welt unter dem Namen Kultur verstanden hat, und sollte sie
Allgemeingut der Gebildeten werden, so wäre das ein Unglück."
Das waren in dieser Zeit sehr mutige Worte. Deshalb wohl
blieb Einstein damit ziemlich allein. Er, der Schweizer
Staatsbürger, urteilte scharfsinniger, als die meisten Deutschen
es konnten: "Das Land ist durch den Waffenerfolg von 1870,
durch Erfolge auf dem Gebiet des Handels und der Industrie
zu einer Machtreligion gekommen. Diese Religion beherrscht
fast alle Gebildeten; sie hat die Ideale der Goethe-Schiller-Zeit
fast vollkommen verdrängt." Deswegen empfindet er das Ende
dieses "Wahns", die Novemberrevolution, wie einen Jungbrunnen:
"Das Große ist geschehen! Daß ich das erleben durfte! Keine
Pleite ist so groß, daß man sie nicht gern in Kauf nähme...
Bei uns ist der Militarismus und der Geheimratsdusel gründlich
beseitigt." Er sieht sich plötzlich in einer neuen Rolle:
"Ich genieße den Ruf eines untadeligen Sozi. Infolgedessen
gelangen Helden von gestern schweifwedelnd zu mir, in der
Meinung, daß ich ihren Sturz ins Leere aufhalten könnte.
Drollige Welt." Er ließ es nicht beim Reden: Als in den
ersten Revolutionstagen ein Berliner Studentenrat Rektor
und Dekane abgesetzt und eingesperrt hatte, setzte Einstein
sich für sie ein, redete erst mit den Studenten, ging dann,
weil in diesen wirren Tagen die Kompetenzen unklar waren,
schnurstracks in die Reichskanzlei zu Ebert und erreichte
die Freilassung...
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Dass der Militarismus beseitigt war, musste Einstein
bald als Illusion erkennen. Also nahm er den Kampf von neuem
auf. Von Jugend an war er gegen alles Militärische gewesen.
So nutzte er in den 20er Jahren seine Berühmtheit und wurde
ein Vorkämpfer für den Pazifismus. In der Jagd nach Geld
und im Nationalismus sah er die Wurzeln des Krieges und
prangerte sie weithin hörbar an - in Reden, Aufrufen, Botschaften.
Gandhi war sein Vorbild; den indischen Philosophen Tagore
lud er in sein Haus nach Caputh ein, mit Sigmund Freud führte
er einen Briefwechsel über die Ursachen des Krieges. Als
der Aufstieg des Nationalsozialismus sich abzeichnete, propagierte
er vehement die Wehrdienstverweigerung. "Wenn einer mit
Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann,
dann verachte ich ihn schon, er hat sein großes Gehirn nur
aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark völlig genügen
würde." Seine Position war kompromisslos; die Möglichkeit
eines "gerechten Krieges" gab es für ihn nicht. Erst als
er 1939, längst in den USA zu Hause, von der Uranspaltung
durch Hahn und Straßmann hörte und die Gefahr sah, dass
Nazideutschland sich die Atombombe verschaffen könnte, schrieb
er den berühmten Brief an Präsident Roosevelt, in dem er,
der Pazifist, sich für den Bau der Atombombe durch die USA
einsetzte. Nach Hiroshima und Nagasaki forderte er in einer
besonderen Botschaft die Bildung einer Weltregierung, weil
er nur so die Möglichkeit sah, den weiteren Einsatz dieser
furchtbaren Waffen zu verhindern. Einstein, der Pazifist,
der Realist, der Idealist.
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