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87 kleinere und große Produktionen
sind in den 30 Jahren zwischen 1978 und 2007 aufgeführt
worden, zunächst ausschließlich von den Theatergruppen,
also im AG-Bereich, in den letzten acht Jahren auch
von Kursen des neuen Schulfaches Darstellendes Spiel.
(siehe
Liste aller Premieren).
Wie ging das eigentlich los?
Beim Sommerfest 1978, die
Schule hieß damals noch "Gymnasium III i.E." (das
dritte Hamelner Gymnasium im Entstehen), fand die
erste Premiere der neu gegründeten Theatergruppe
in der oberen Pausenhalle auf dem blanken Teppichboden
statt. Und so ging es lange weiter: Die Luft war
mies, die Stimmung gut und die Halle oft zum Brechen
voll. Mitunter zog die Gruppe auch in die benachbarte
Aula der Sertürner Realschule, ihrerseits freilich
auch nur eine Pausenhalle, oder an Gastspielorte
in Hameln und auswärts.
Später gab es zum Trost
für die immer noch nicht gebaute Aula Bühnenpodeste,
die allerdings nicht höher als 50 cm gebaut werden
konnten, weil sonst ein Darsteller mit Hut schon
an die Decke des Flachdachs stieß, dessen ewige
Undichte in spöttischen Liedern bedichtet wurde,
die bis zum heutigen Tag eine launig-traurige Aktualität
behalten haben.
Nun ist eine neue Ära angebrochen.
Die 25 Jahre lang erwartete Aula ist gerade rechtzeitig
zum Jubiläum vor fünf Jahren bespielbar gewesen.
Endlich gibt es einen geräumigen Ort, der vom übrigen
Schulbetrieb abtrennbar ist, ein Ort, der Publikum
und die Spielern Luft lässt, freilich auch ein Ort,
der Ansprüche setzt. Genutzt wird er fleißig von
Theater-, Musik- und Tanz-Gruppen, von Deutschgruppen,
die Dramen szenisch interpretieren und als Fachraum
von den Kursen Darstellendes Spiel. Die Uraufführung
von zwei Musicals wäre in anderem Rahmen kaum möglich
gewesen.

Kulissengeflüster
Die Theaterarbeit an der
Schule begann mit ihrem ersten Direktor Friedrich
Flügge. Als Schultheatermacher vom Schillergymnasium
und vor allem als Regisseur und Darsteller der Rattenfänger-Freilichtspiele
ließ er sich nicht lange vom schwierigen Aufbau
des Gymnasiums - in Zeiten des Lehrermangels- daran
hindern, auch in der eigenen Schule Theater zu machen.
Als er 1975 Dr. Dierk Rabien, bis dahin Dramaturg
am Staatstheater Braunschweig, als Deutsch- und
Philosophielehrer unter Vertrag nahm, sah es so
aus, als ob mit dem anstehenden Fertigbau der Schule
nicht nur eine Aula, sondern auch das Fach Darstellendes
Spiel Wirklichkeit werden sollte, das in Braunschweig
schon als Schulversuch mit Abiturprüfung lief. Aber
die Finanzen des Landes verhinderten lange beides.
Von Wetten, Witwen, Weltumrundern
Gegenpol zu der gewichtigen
Auseinandersetzung mit dem Kleist-Fragment
"Robert Guiskard", das Schulleiter
Friedrich Flügge mit Oberstufenschülern zum Schulfest
1978 erarbeitet hatte, war "Die Reise um
die Erde in 80 Tagen", die bei uns sogar
nur 90 Minuten dauerte, dafür aber zwölfmal wiederholt
werden musste, unter anderem in der damals neu erbauten
JVA Tündern. Die Reise, von Pavel Kohout nach dem
Roman von Jules Verne in parodistische Szenen gesetzt,
bot Rollen vom Gentleman bis zum Leuchtturm und
von der indischen Witwe bis zur Freiheitsstatue
und war die erste Premiere der von Dr.Rabien neu
gegründeten Gruppe. Manche Ensemblemitglieder sind
unterdessen als Eltern von Theater spielenden Schülern
wieder indirekt dabei.

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Die fliegende Prinzessin und der Kultusminister
Mit Peter Hacks' spielerisch
illustrierter politischer Märchenerzählung "Der
Schuhu und die fliegende Prinzessin"
landete die Gruppe beim 1.Niedersächsischen Schülertheatertreffen
1980 in Hannover. Echte Zwillinge spielten die brüderlich
aufgewachsenen Fürsten, die den Krieg wegen ihrer
verschiedenen Bartfarben beginnen. Aber der Schuhu
kennt das Land, wo Milch und Honig fließen. Der
damalige Kultusminister Remmers höchstselbst überreichte
der Prinzessin höchstselbst die Teilnahmeurkunde.
Zieht am Strick, zieht am Strick!
Schätzchen ist mein Tag und mein Glück!
Zehnmal gelang es 1982,
die Friedensgöttin Eirene mit vereinten Kräften
am Seil aus dem Brunnen zu ziehen, um dem Kriegsgott
und den Waffenschmieden einen Strich durch die Rechnung
zu machen. Peter Hacks’ listige Übersetzung der
2400 Jahre alten Aristophanes-Komödie "Der
Frieden" wurde außer in der immer
zu kleinen oberen Pausenhalle auch in Kirchohsen
und Bad Münder, in der Stadthalle Northeim und im
Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen gezeigt. Das zehnfache
Tauziehen passte zum zehnten Geburtstag der Schule.
Gehört sich das?
Lachtränen, aber auch verschnupfte
Gesichter gab es, als das groß auf der Bühne hängende
"Porträt des Infanten und seines Onkels, des Regenten"
in der Obrigkeits-Satire "Die Polizei"
von Mrozek durch die Kunst einer Schülerin augenfällige
Ähnlichkeit mit F. J. Strauß und Helmut Kohl hatte,
der damals in allen Zeitungen als gehorsamer Lehrling
des großen Bayern karikiert wurde. Die Agenten-
und Spitzelgeschichte hatte auch durch deutsche
Farben an den grotesken Polizei-Uniformen aus Plastikeimer-Helmen
und Schaumstoff-Wämsern einen bösen Bezug auf das
Dauerthema Lauschangriff.

700 Jahre zwischen Kriegen : Hameln 1984
Als die Rattenfängertat
700 Jahre alt wurde und die Stadt zur Feier ihrer
schwarzen Stunde rüstete, bastelten Gruppenleiter
und Gruppe aus Material des Stadtarchivs eine geknittelte
"Große Moritat von Krieg und Not in Hameln",
in der die blutigen, aber wenig erfolgreichen kriegerischen
Ereignisse von 1284 über den 30jährigen und den
Franzosen- bis zum Hitlerkrieg nebst einer Vorschau
auf das Jahr 2010 in drastischen Bildern mit musikalischer
Untermalung und der Moral von der Geschicht' vorgeführt
wurden - zuerst auf einem Podium an der Marktkirche.
Ein Trosswagen mit Feldherren, Soldaten, Bürgervorfahren
und dem Tod mit Sanduhr und Hippe fehlte dann auch
nicht beim großen historischen Festumzug.
Aus Mädchen Jungs zaubern
Eine reine Mädchengruppe
dramatisierte im gleichen Jahr selbst den Preußler-Roman
"Krabat", eine zauberhaft gruselige
Geschichte, in der die Mädchen fast nur Jungen und
Männer zu spielen hatten. Die Genehmigung für ihre
Bearbeitung erhielt die Gruppe vom Autor direkt.
Darauf zermalmte das raumhohe Schatten-Rad der Mühle
von Schwarzkolm am Ende den Meister, der seine Lehrjungen
durch Zauberei versklavt hatte. Die Befreiung wurde
stückgemäß nur durch die einzige Mädchenfigur der
Geschichte möglich, die Krabat in allen Gefahren
nicht aus dem Kopf geht und ihm Kraft gegen den
Meister gibt. So war es am Ende doch ein Mädchenstück.
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Schülertheatergruppen aus dem ganzen Land
4. Niedersächsisches Schüler-Theater-Treffen
1894 in Hameln
1986 war unser Schulzentrum
unter Mithilfe zahlreicher Lehrerinnen und Lehrer
anderer Hamelner Schulen und vieler Eltern Gastgeber
für das "4. Niedersächsische Schülertheatertreffen",
das alle zwei Jahre in einer anderen Stadt des Landes
abgehalten wird. Neben vielen interessanten auswärtigen
Produktionen, abwechselnd gespielt in der Sertürner
Aula und in der Sporthalle Einsiedlerbach, war unsere
Theatergruppe mit ihrer Aufführung "Circus
Arm" eingeladen, einem Dritte-Welt-Stück
des Terre-des-hommes-Mitarbeiters Reinhardt Jung.
Das Nord- Süd- Gefälle und der Bundespräsident
Da die Folgen kolonialer
Geschichte und die Problematik der Entwicklungshilfe
kritisch in plakativen Bildern gezeigt wurden
( was durch Ausstellung von Materialien und Diskussion
mit Fachleuten nach der Vorstellung vertieft werden
konnte), ging einer nur Schlagworte aufnehmenden
Rezensentin der politische Hut hoch. Das hatte eine
groteske Berichterstattung mit zahlreichen Leserbriefen
zur Folge: Wurden hier mit einem marxistischen Machwerk
die Schülerhirne deformiert? Interessanterweise
konnte man die kritischen Töne des Stückes auch
ganz ähnlich in den ausgelegten Materialien aus
der Feder des Bundespräsidenten von Weizsäcker wiederfinden.
Geburtstags-Sturm auf der Zauberinsel
"Der Sturm"
(von Shakespeare) brach zum 15.Schulgeburtstag in
der Sertürner Aula los. Nur dreimal konnte die aufwendige
Produktion, zu der aus allen 30 hinübergeschleppten
Podesten eine Insel mit Berg und Höhle erbaut wurde,
in der Nachbarschule gespielt werden, dann brach,
wie so oft, das über 30köpfige Ensemble aus Kollegium,
spielender und musizierender Schülerschaft auseinander,
weil auch Theatergruppenmitglieder trotz Sonntagsproben
doch ihr Abitur schaffen. Vorher hatten sie aber
zusammen mit dem Publikum noch die Freude, gleich
zu Stückbeginn ein ganzes Schiff voll Lehrerinnen
und Lehrer (die spielten den verrotteten Hofstaat
des Herzogs von Mailand) in einem von Inselgeistern
und ihrem Zauberer Prospero angezettelten Unwetter
elendiglich ersaufen zu sehen. Sie werden
allerdings vom Luftgeist Ariel wiederbelebt, aber
nur, um noch auf andere Weise ordentlich geärgert
zu werden, bis sie versprechen sich zu bessern.

Mensch, Mensch!
kann man da nur sagen.
"Mensch, Mensch" hieß auch eine
Textzusammenstellung zum Thema homo sapiens, einer
Spezies, der zuzugehören sich Autoren wie Günter
Kunert, Erich Kästner und Kurt Tucholsky spottend
genieren. Die Texte wurden ergänzt durch selbst
entwickelte stumme Szenen zum Alltagskreislauf.
Die junge Gruppe begab sich mit dem Programm offenbar
auf spöttisches Glatteis, jedenfalls fiel die im
Jugendzentrum "Regenbogen" geplante dritte Vorstellung
am 1.Dezember 1988 aus - wegen Eisregen konnten
weder Spieler noch Publikum kommen.
"Das Gartenfest"
von Vaclav Havel (dem jetzigen
Präsidenten der Tschechen) fand problemlos im Saale
statt. Die aberwitzigen Floskel- und Klischeesätze,
die er in dieser Politjargon- und Bonzenkomödie
seinen Figuren in den Mund legt, konnten die Spielerinnen
und Spieler so geschickt von einer fortlaufenden
Textprojektion hinter den Zuschauern abnehmen, dass
mancher die Lernleistung der Schauspieler bestaunte.
Die Masken der Lehrer
1991 traten die im Sturm
noch so "schlecht behandelten" Lehrerinnen und Lehrer
als eigene Gruppe auf, wenn auch vorsichtshalber
maskiert. Sie nannten sich "Die Diversen Dilettanten",
gehörten drei verschiedenen Hamelner Schulen an
und improvisierten die alte Typenkomödie "Scapins
Streiche" textlich frei nach Molière. (Die
Scapin- Darstellerin Traute Römisch ist übrigens
inzwischen als Chanson-Sängerin und Schauspielerin
über die Hamelner Grenzen hinaus bekannt geworden.)

Einstein – ein Agent und Revuestar?
Albert Einstein erschien
1992 zuerst auf unserer Bühne, allerdings nur als
Deckname eines Geheimdienstlers: In Form einer Theaterprobe
gab es Szenen aus Dürrenmatts finsterer Komödie
"Die Physiker", mit eigenem Titel nach einem Stückzitat:
"Jetzt kommen wir nur noch aus dem Irrenhaus,
wenn wir gemeinsam vorgehen. Oder: Ich bin nicht
Albert Einstein." Eine Weisheit, die sich
auf Schüler, Lehrer, Bürger und Politiker beliebig
übertragen lässt.
Der "echte" Albert Einstein
geisterte im selben Jahr durch eine Nummer der Schulgeburtstags-
Revue "EINSTEIN zum Anstoßen- 20 Jahre verALBERT".
Da gab sich eine gemischte Truppe aus Schüler- und
Lehrerschaft große (und umjubelte) Mühe, die Schule
von der lustigen Seite zu nehmen, auch das ewig
tropfende Flachdach. Dabei konnten alle Mitwirkenden
im Geiste ein Lied mitsingen: "Ich bin von Kopf
bis Fuß auf Schule eingestellt!"
"Von Mordbrennern und Missmenschen"
erzählten 1993 "Einblicke
in Schillers Räuber", eine eigenwillige Fassung
des rabiaten Jugendstücks, zu dem der Dichter selbst
erschien und streng authentische Interviewantworten
gab. Auch sonst geschah Ungewöhnliches. Die feindlichen
Brüder wurden jeweils von einem Double verfolgt,
das ihnen als alter Ego ins Gewissen redete oder
ihnen das Gewissen ausredete. Das Geschehen fand
auf zwei Bühnen (Schloss und Wald) teilweise gleichzeitig
statt.
Finstere Zeiten
Ein Kontrastprogramm war
im folgenden Jahr "Sarajevo", eine
Collage aus Szenen und Liedgedichten jugoslawischer
Autoren, die schon von einer internationalen Gruppe
beim Europäischen Kulturfestival vielerorts, auch
schließlich in Sarajevo, gespielt worden war. Sie
zeigt die Sinnlosigkeit von Krieg und Verfolgung
in symbolischen Bildern. Der Engel Sara sieht sich
in seiner Stadt um, die einst Olympia-Treffpunkt
der Welt gewesen ist. Diese Aufführung mit drei
Musikern, die Musik und Percussion auch selbst während
der Proben entwickelten, wurde gemeinsam mit einer
von der Theatergruppe der Vikilu gespielten Szenenauswahl
aus Brechts "Flüchtlingsgesprächen" zur Anne-Frank-Woche
im Februar 1994 gezeigt. Aus gleichem Anlass gestalteten
Lehrerinnen und Lehrer unserer Schule, unterstützt
von Kolleginnen und Kollegen der Vikilu, eine szenische
Lesung der "Ermittlung" von Peter Weiss, jener beklemmenden
Zusammenstellung von Fragen und Aussagen im Frankfurter
Auschwitz- Prozess.
Das Märchen von der alles überwindenden Liebe
Märchenhaft wurde dann
wieder die alte Geschichte von der Schönen und dem
Tier. Bei uns hieß sie "Rose, Ring und Rabenliebe",
denn nicht nur ist von falscher und richtiger Liebe
die Rede, sondern das unglückliche Monster hat noch
einen armen komischen Konkurrenten, einen geschwätzigen
Raben, der sich vergebens in die Schöne vergafft.
Mit beweglichen Wänden und Leuchtern, Live-Musik
und Geräuschen zauberten sichtbare Geister eine
sich verwandelnde Welt.
Vom Ausbruch des Weltfriedens bis zum Totentanz
Viele andere - abendfüllende
und ganz kurze - Projekte innerhalb und außerhalb
der Schule sind Mitspielern und Publikum in Erinnerung
geblieben, z.B. Distlers "Totentanz"
mit dem Vokalkreis Hameln im Münster (1985) oder
Pantomime-Beiträge zum ökumenischen Pfingstgottesdienst
auf der Hochzeitshaus-Terrasse, Kotzebues "Cleopatra"
oder "Der Ausbruch des Weltfriedens"
von Curt Goetz, F.K.Waechters "Pustekuchen"
oder Gryphius' "Herr Peter Squenz",
die "Historia von D. Johann Fausten"
oder die ironischen Abiturienten-Programme, in denen
die Schülerinnen und Schüler in überwiegend selbst
gemachten Texten und Liedern die gemischten Gefühle
gestaltet haben, mit denen sie den manchmal so schonungslos
erscheinenden Schonraum Schule verlassen sollten.
(Vollständige Aufzählung siehe
Liste der Premieren)

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Abiturientenschicksale: Heitere Aussichten oder
Nun schlägt’s 13 ?
"Die Ausnahme oder
die Regel?" fragte sich die Spielergruppe
bei den vorgestellten Schulerlebnissen; "Nun
schlägt's 13!" gab nicht nur den Abiturjahrgang
an, sondern fragte auch nach den entscheidenden
Ereignissen im Schülerleben, die nicht immer in
der Schule stattfinden ("Wochenend und Führerschein
und dann mit dir im Wald allein..."); "Heitere
Aussichten" hieß eine Zusammenstellung
von eigenen und weltliterarischen Szenen, die nicht
alle die Zeit des Entwachsenseins als verlockend
zeigten. Der Titel (eine Textstelle aus Becketts
"Warten auf Godot") ist schon am Fundort ziemlich
sarkastisch gemeint. Aber "always
look on the bright side of life" hieß der wohlbekannte
ermutigende Schlusssong.
ALBERT EINST EIN Revueensemble
...
"EINSTEIN zum Anstoßen
- 25 Jahre verALBERT" hieß das Geburtstags-Potpourri
aus Sketchen und Liedern zum Schuljubiläum 1997,
entwickelt und präsentiert von Schülerinnen und
Schülern und Lehrerinnen und Lehrern unserer Schule.
Einige der Nummern waren Remakes der 20-Jahre-Veranstaltung,
die damals nur einmal gezeigt werden konnte.
Aber manches bleibt halt
so: "Im Frühzug zur Schule wir ziehn, fallera.."
Vor allem der Ohrwurm "Ein
Loch ist im Flachdach" musste wieder aufgenommen
werden, denn dicht war’s immer noch nicht, wenn
auch die Revue in der neuen Aula stattfinden konnte,
wo man sich vor Regen sicher glaubte (aber auch
da bestätigte sich schon der Unkenruf). Dafür gab’s
neben der Schulobrigkeit prominenten Besuch: Ex-Schülerin
und Ex-Tagesschausprecherin Susan Stahnke verlas
die Schulnachrichten zu Beginn der Premiere. Das
Riesenensemble von spielenden, singenden und tanzenden
Amateuren ließ sich freilich von ihr in den folgenden
zweieinhalb Stunden nicht die Butter vom Brot nehmen.
Aula als Taufbecken
Der neue Raum beflügelte
aber gleichwohl die Möglichkeiten für aufwändige
Veranstaltungen. So konnte im Juli 1998 das erste
von einem Einstein-Schüler geschriebene Musical
aus der Taufe gehoben werden. Vasco Hexel, der schon
das Biest für die Schöne gespielt hatte, schrieb
zusammen mit zwei Co-Autoren die Geschichte eines
einsamen Musterschülers, dessen Liebesgeschichte
scheitert, und komponierte die Songs, studierte
sie ein, versammelte Musiker und Sänger zur Theatergruppe,
die dann das Musical "Somebody’s Life"
in der Aula aus der Taufe hob. Eine CD folgte.
Zweite Musical-Uraufführung
Im Orchester saß damals
Sandro Jahn, inzwischen auch schon Ex-Schüler, der
den Plan fasste, auch ein eigenes Musical zu schreiben.
Auch er war Textautor, Komponist, Musiker und Bandleader
in einem, trommelte das Ensemble zusammen, das von
der Theatergruppe ergänzt wurde. Im Juni 2001 ging
die Uraufführung über die Aula-Bühne, mit großer
Instrumentenbesetzung und einem Tanzsteg bis weit
ins Publikum hinein, denn obwohl es in "Gesetz
ist Gesetz" um eine fast tragisch
endende Intrigengeschichte geht, in der einem
Farbigen von seinem weißen Rivalen kriminelle
Handlungen untergeschoben werden, woraufhin er
ausgewiesen werden soll, gelingt es doch dem
Mädchen, ihren schwarzen Freund zu retten. Das
Musical macht’s sogar möglich, dass der
eifersüchtige Unterlegene auf Grund einer
dramatischen Erfahrung seine Fehler einsieht.
Und zu diesem optimistischen Schluss darf der
fröhliche Party-Tanz des Beginns am Ende wieder
aufgenommen werden und die Zuschauer begeistern.
Eine CD der Produktion folgte auf dem Fuße. Eine
Videoaufzeichnung liegt, wie bei allen neueren
Produktionen der Theatergruppe, ebenfalls vor.
Theatergruppe und Theaterkurs
Einigen der Spielerinnen
und Spieler kann man inzwischen als Ärztin oder
Arzt, als Kulturpädagogin, als Eltern nachwachsender
Einsteinschüler, als Jazzpianist, Journalist, Popsängerin
oder Banker begegnen, als Kirchenmusikerin und Kostümbildnerin,
als Sparkassenleiterin, Kunstwissenschaftler und
Theaterdramaturgin, als Schauspielerin und Steuerberater.
Aber auch bei den derzeitigen
Mitgliedern der Theatergruppe und der im vierten
Jahr laufenden Kurse Darstellendes Spiel geht es
nicht um die Vor-Ausbildung von Kunstprofis, sondern
um den Spaß am kreativen Umgang mit sich selbst
und den anderen, um die Mutprobe, sich auf die Bühne
zu wagen und sich unerschrocken zu präsentieren,
sozusagen um ein lustvolles Sicherheits-Training
für alle beruflichen (und privaten) Gelegenheiten.
In diesem Sinne arbeiten
die Kurse weniger als die Theatergruppe an der Realisation
großer Aufführungen, sondern eher an der Schau von
Arbeitsergebnissen, wie es etwa auch die Nachbarfächer
Kunst und Musik tun.
Menschenversuche
Solch eine Aktion war im
ersten Durchgang des Faches Darstellendes Spiel
die Beteiligung an der schulinternen Kunstausstellung
"Kuck mal Kunst" im Schuljahr 1999/2000,
wo exterrestrische Ausstellungsbesucher in der Installation
"Jupiter-Wald" interviewt wurden und wandelnde Kunstfreunde
lauthals ihre Meinung zu den übrigen ausgestellten
Werken zum Besten gaben.
Als selbstständige Aufführung
bot der Kurs im Jahr darauf für seinen Jahrgang
12 eine Zusammenstellung aus klassischer und moderner
Textvorlage mit selbst entwickelten Zwischenszenen
unter dem beziehungsreichen Titel "Menschenversuche".
Es war nicht nur der Versuch, Menschen darzustellen,
sondern es ging sowohl bei Shakespeares Vorspiel
zu seiner Komödie "Die Zähmung der Widerspenstigen"
als auch bei den Ausschnitten aus Becketts "Warten
auf Godot" um die Manipulation von Menschen durch
Mächtige. Das wurde satirisch in den Rahmenszenen
mit einer launig-autoritären Moderatorin aufgenommen,
die das Ganze wie einen Blick in einen künftigen
"Big Brother"-Container erscheinen ließ.
Liebe ist kein Verbrechen
Im Jahrgang 13 zeigte derselbe
Kurs eine in Gruppenarbeit komprimierte Fassung
mit eigenen Dialogen nach Shakespeares böser Komödie
"Maß für Maß", in der es um die
Doppelmoral der Mächtigen geht, die von ihrem Volk
Tugenden verlangen, die sie selbst nicht erfüllen
können. Natürlich wird das am Beispiel der Liebe
bzw. des Begehrens gezeigt. Für die Austauschbarkeit
der Rollen der Mächtigen und Ohnmächtigen stand
der permanente Rollenwechsel der Darsteller hinter
neutralen Masken und mit jeweils auf die Brust gehefteten
Rollenschildern. Die Produktion wurde beim Regionaltreffen
des Niedersächsischen Schülertheatertreffens im
Theater Hameln gezeigt.
Du bist kein Jud
"Andorra", Max Frischs
Lehrstück von der Voreingenommenheit, hat sich die
Theatergruppe im Schuljahr 2002/2003 vorgenommen,
jetzt erstmals unter der Leitung der neuen Theaterkollegin
Kadidja Mensak. Das Stück vom Juden, der keiner
ist, wird kontrastiert von Lessings Jugend-Lustspiel
"Die Juden", in dem der, der keiner sein kann, ein
Jude ist, eine interessante Vorstudie des Autors
zu seinem berühmten "Nathan". Daran arbeitet der
Kurs Darstellendes Spiel im Jahrgang 12.
Was ist hinter der Maske?
Auch die anderen Kurse,
vier an der Zahl, bereiten Projekte vor, in die
sie beim Schuljubiläum im Oktober 2002 bereits Einblicke
geben werden. Einführungsübungen, Arbeit an Stückvorlagen,
Umgang mit Masken, Spielformen für und mit Publikum
erwarten die Besucher.
Man darf gespannt sein,
was die Theater spielende Schülerschaft in der Zukunft
noch auf die Beine stellt.
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