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Aus der Geschichte der Theatergruppe

Das können wir spielend ...

... sagten sich seit 1976 einige hundert Schülerinnen und Schüler unserer Schule und spielten Theater, entdeckten sich selbst und ihre Gruppe, spielten Komisches und Ernstes in der Schule und auswärts.

 

87 kleinere und große Produktionen sind in den 30 Jahren zwischen 1978 und 2007 aufgeführt worden, zunächst ausschließlich von den Theatergruppen, also im AG-Bereich, in den letzten acht Jahren auch von Kursen des neuen Schulfaches Darstellendes Spiel.
(siehe Liste aller Premieren).

Wie ging das eigentlich los?

Beim Sommerfest 1978, die Schule hieß damals noch "Gymnasium III i.E." (das dritte Hamelner Gymnasium im Entstehen), fand die erste Premiere der neu gegründeten Theatergruppe in der oberen Pausenhalle auf dem blanken Teppichboden statt. Und so ging es lange weiter: Die Luft war mies, die Stimmung gut und die Halle oft zum Brechen voll. Mitunter zog die Gruppe auch in die benachbarte Aula der Sertürner Realschule, ihrerseits freilich auch nur eine Pausenhalle, oder an Gastspielorte in Hameln und auswärts.

Später gab es zum Trost für die immer noch nicht gebaute Aula Bühnenpodeste, die allerdings nicht höher als 50 cm gebaut werden konnten, weil sonst ein Darsteller mit Hut schon an die Decke des Flachdachs stieß, dessen ewige Undichte in spöttischen Liedern bedichtet wurde, die bis zum heutigen Tag eine launig-traurige Aktualität behalten haben.

Nun ist eine neue Ära angebrochen. Die 25 Jahre lang erwartete Aula ist gerade rechtzeitig zum Jubiläum vor fünf Jahren bespielbar gewesen. Endlich gibt es einen geräumigen Ort, der vom übrigen Schulbetrieb abtrennbar ist, ein Ort, der Publikum und die Spielern Luft lässt, freilich auch ein Ort, der Ansprüche setzt. Genutzt wird er fleißig von Theater-, Musik- und Tanz-Gruppen, von Deutschgruppen, die Dramen szenisch interpretieren und als Fachraum von den Kursen Darstellendes Spiel. Die Uraufführung von zwei Musicals wäre in anderem Rahmen kaum möglich gewesen.

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Kulissengeflüster

Die Theaterarbeit an der Schule begann mit ihrem ersten Direktor Friedrich Flügge. Als Schultheatermacher vom Schillergymnasium und vor allem als Regisseur und Darsteller der Rattenfänger-Freilichtspiele ließ er sich nicht lange vom schwierigen Aufbau des Gymnasiums - in Zeiten des Lehrermangels- daran hindern, auch in der eigenen Schule Theater zu machen. Als er 1975 Dr. Dierk Rabien, bis dahin Dramaturg am Staatstheater Braunschweig, als Deutsch- und Philosophielehrer unter Vertrag nahm, sah es so aus, als ob mit dem anstehenden Fertigbau der Schule nicht nur eine Aula, sondern auch das Fach Darstellendes Spiel Wirklichkeit werden sollte, das in Braunschweig schon als Schulversuch mit Abiturprüfung lief. Aber die Finanzen des Landes verhinderten lange beides.

Von Wetten, Witwen, Weltumrundern

Gegenpol zu der gewichtigen Auseinandersetzung mit dem Kleist-Fragment "Robert Guiskard", das Schulleiter Friedrich Flügge mit Oberstufenschülern zum Schulfest 1978 erarbeitet hatte, war "Die Reise um die Erde in 80 Tagen", die bei uns sogar nur 90 Minuten dauerte, dafür aber zwölfmal wiederholt werden musste, unter anderem in der damals neu erbauten JVA Tündern. Die Reise, von Pavel Kohout nach dem Roman von Jules Verne in parodistische Szenen gesetzt, bot Rollen vom Gentleman bis zum Leuchtturm und von der indischen Witwe bis zur Freiheitsstatue und war die erste Premiere der von Dr.Rabien neu gegründeten Gruppe. Manche Ensemblemitglieder sind unterdessen als Eltern von Theater spielenden Schülern wieder indirekt dabei.

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Die fliegende Prinzessin und der Kultusminister

Mit Peter Hacks' spielerisch illustrierter politischer Märchenerzählung "Der Schuhu und die fliegende Prinzessin"  landete die Gruppe beim 1.Niedersächsischen Schülertheatertreffen 1980 in Hannover. Echte Zwillinge spielten die brüderlich aufgewachsenen Fürsten, die den Krieg wegen ihrer verschiedenen Bartfarben beginnen. Aber der Schuhu kennt das Land, wo Milch und Honig fließen. Der damalige Kultusminister Remmers höchstselbst überreichte der  Prinzessin höchstselbst die Teilnahmeurkunde.

Zieht am Strick, zieht am Strick!

Schätzchen ist mein Tag und mein Glück!

Zehnmal gelang es 1982, die Friedensgöttin Eirene mit vereinten Kräften am Seil aus dem Brunnen zu ziehen, um dem Kriegsgott und den Waffenschmieden einen Strich durch die Rechnung zu machen. Peter Hacks’ listige Übersetzung der 2400 Jahre alten Aristophanes-Komödie "Der Frieden"  wurde außer in der immer zu kleinen oberen Pausenhalle auch in Kirchohsen und Bad Münder, in der Stadthalle Northeim und im Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen gezeigt. Das zehnfache Tauziehen passte zum zehnten Geburtstag der Schule.

Gehört sich das?

Lachtränen, aber auch verschnupfte Gesichter gab es, als das groß auf der Bühne hängende "Porträt des Infanten und seines Onkels, des Regenten" in der Obrigkeits-Satire "Die Polizei" von Mrozek durch die Kunst einer Schülerin augenfällige Ähnlichkeit mit F. J. Strauß und Helmut Kohl hatte, der damals in allen Zeitungen als gehorsamer Lehrling des großen Bayern karikiert wurde. Die Agenten- und Spitzelgeschichte hatte auch durch deutsche Farben an den grotesken Polizei-Uniformen aus Plastikeimer-Helmen und Schaumstoff-Wämsern einen bösen Bezug auf das Dauerthema Lauschangriff.

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700 Jahre zwischen Kriegen : Hameln 1984

Als die Rattenfängertat 700 Jahre alt wurde und die Stadt zur Feier ihrer schwarzen Stunde rüstete, bastelten Gruppenleiter und Gruppe aus Material des Stadtarchivs eine geknittelte "Große Moritat von Krieg und Not in Hameln", in der die blutigen, aber wenig erfolgreichen kriegerischen Ereignisse von 1284 über den 30jährigen und den Franzosen- bis zum Hitlerkrieg nebst einer Vorschau auf das Jahr 2010 in drastischen Bildern mit musikalischer Untermalung und der Moral von der Geschicht' vorgeführt wurden - zuerst auf einem Podium an der Marktkirche. Ein Trosswagen mit Feldherren, Soldaten, Bürgervorfahren und dem Tod mit Sanduhr und Hippe fehlte dann auch nicht beim großen historischen Festumzug.

Aus Mädchen Jungs zaubern

Eine reine Mädchengruppe dramatisierte im gleichen Jahr selbst den Preußler-Roman "Krabat", eine zauberhaft gruselige Geschichte, in der die Mädchen fast nur Jungen und Männer zu spielen hatten. Die Genehmigung für ihre Bearbeitung erhielt die Gruppe vom Autor direkt. Darauf zermalmte das raumhohe Schatten-Rad der Mühle von Schwarzkolm am Ende den Meister, der seine Lehrjungen durch Zauberei versklavt hatte. Die Befreiung wurde stückgemäß nur durch die einzige Mädchenfigur der Geschichte möglich, die Krabat in allen Gefahren nicht aus dem Kopf geht und ihm Kraft gegen den Meister gibt. So war es am Ende doch ein Mädchenstück.


 

 
Schülertheatergruppen aus dem ganzen Land

4. Niedersächsisches Schüler-Theater-Treffen 1894 in Hameln

1986 war unser Schulzentrum unter Mithilfe zahlreicher Lehrerinnen und Lehrer anderer Hamelner Schulen und vieler Eltern Gastgeber für das "4. Niedersächsische Schülertheatertreffen", das alle zwei Jahre in einer anderen Stadt des Landes abgehalten wird. Neben vielen interessanten auswärtigen Produktionen, abwechselnd gespielt in der Sertürner Aula und in der Sporthalle Einsiedlerbach, war unsere Theatergruppe mit ihrer Aufführung "Circus Arm"  eingeladen, einem Dritte-Welt-Stück des Terre-des-hommes-Mitarbeiters Reinhardt Jung.

Das Nord- Süd- Gefälle und der Bundespräsident

Da die Folgen kolonialer Geschichte und die Problematik der Entwicklungshilfe kritisch in plakativen  Bildern gezeigt wurden ( was durch Ausstellung von Materialien und Diskussion mit Fachleuten nach der Vorstellung vertieft werden konnte), ging einer nur Schlagworte aufnehmenden Rezensentin der politische Hut hoch. Das hatte eine groteske Berichterstattung mit zahlreichen Leserbriefen zur Folge: Wurden hier mit einem marxistischen Machwerk die Schülerhirne deformiert? Interessanterweise konnte man die kritischen Töne des Stückes auch ganz ähnlich in den ausgelegten Materialien aus der Feder des Bundespräsidenten von Weizsäcker wiederfinden.

Geburtstags-Sturm auf der Zauberinsel

"Der Sturm" (von Shakespeare) brach zum 15.Schulgeburtstag in der Sertürner Aula los. Nur dreimal konnte die aufwendige Produktion, zu der aus allen 30 hinübergeschleppten Podesten eine Insel mit Berg und Höhle erbaut wurde, in der Nachbarschule gespielt werden, dann brach, wie so oft, das über 30köpfige Ensemble aus Kollegium, spielender und musizierender Schülerschaft auseinander, weil auch Theatergruppenmitglieder trotz Sonntagsproben doch ihr Abitur schaffen. Vorher hatten sie aber zusammen mit dem Publikum noch die Freude, gleich zu Stückbeginn ein ganzes Schiff voll Lehrerinnen und Lehrer (die spielten den verrotteten Hofstaat des Herzogs von Mailand) in einem von Inselgeistern und ihrem Zauberer Prospero angezettelten Unwetter elendiglich ersaufen zu sehen.  Sie werden allerdings vom Luftgeist Ariel wiederbelebt, aber nur, um noch auf andere Weise ordentlich geärgert zu werden, bis sie versprechen sich zu bessern.

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Mensch, Mensch! 

kann man da nur sagen. "Mensch, Mensch" hieß auch eine Textzusammenstellung zum Thema homo sapiens, einer Spezies, der zuzugehören sich Autoren wie Günter Kunert, Erich Kästner und Kurt Tucholsky spottend genieren. Die Texte wurden ergänzt durch selbst entwickelte stumme Szenen zum Alltagskreislauf. Die junge Gruppe begab sich mit dem Programm offenbar auf spöttisches Glatteis, jedenfalls fiel die im Jugendzentrum "Regenbogen" geplante dritte Vorstellung am 1.Dezember 1988 aus - wegen Eisregen konnten weder Spieler noch Publikum kommen.

"Das Gartenfest"

von Vaclav Havel (dem jetzigen Präsidenten der Tschechen) fand problemlos im Saale statt. Die aberwitzigen Floskel- und Klischeesätze, die er in dieser Politjargon- und Bonzenkomödie seinen Figuren in den Mund legt, konnten die Spielerinnen und Spieler so geschickt von einer fortlaufenden Textprojektion hinter den Zuschauern abnehmen, dass mancher die Lernleistung der Schauspieler bestaunte.

Die Masken der Lehrer

1991 traten die im Sturm  noch so "schlecht behandelten" Lehrerinnen und Lehrer als eigene Gruppe auf, wenn auch vorsichtshalber maskiert.  Sie nannten sich "Die Diversen Dilettanten", gehörten drei verschiedenen Hamelner Schulen an und improvisierten die alte Typenkomödie "Scapins Streiche" textlich frei nach Molière. (Die Scapin- Darstellerin Traute Römisch ist übrigens inzwischen als Chanson-Sängerin und Schauspielerin über die Hamelner Grenzen hinaus bekannt geworden.)

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Einstein – ein Agent und Revuestar?

Albert Einstein erschien 1992 zuerst auf unserer Bühne, allerdings nur als Deckname eines Geheimdienstlers: In Form einer Theaterprobe gab es Szenen aus Dürrenmatts finsterer Komödie "Die Physiker", mit eigenem Titel nach einem Stückzitat: "Jetzt kommen wir nur noch aus dem Irrenhaus, wenn wir gemeinsam vorgehen. Oder: Ich bin nicht Albert Einstein." Eine Weisheit, die sich auf Schüler, Lehrer, Bürger und Politiker beliebig übertragen lässt.

Der "echte" Albert Einstein geisterte im selben Jahr durch eine Nummer der Schulgeburtstags- Revue "EINSTEIN zum Anstoßen- 20 Jahre verALBERT". Da gab sich eine gemischte Truppe aus Schüler- und Lehrerschaft große (und umjubelte) Mühe, die Schule von der lustigen Seite zu nehmen, auch das ewig tropfende Flachdach. Dabei konnten alle Mitwirkenden im Geiste ein Lied mitsingen: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Schule eingestellt!"

"Von Mordbrennern und Missmenschen"

erzählten 1993 "Einblicke in Schillers Räuber", eine eigenwillige Fassung des rabiaten Jugendstücks, zu dem der Dichter selbst erschien und streng authentische Interviewantworten gab. Auch sonst geschah Ungewöhnliches. Die feindlichen Brüder wurden jeweils von einem Double verfolgt, das ihnen als alter Ego ins Gewissen redete oder ihnen das Gewissen ausredete. Das Geschehen fand auf zwei Bühnen (Schloss und Wald) teilweise gleichzeitig statt.

Finstere Zeiten

Ein Kontrastprogramm war im folgenden Jahr "Sarajevo", eine Collage aus Szenen und Liedgedichten jugoslawischer Autoren, die schon von einer internationalen Gruppe beim Europäischen Kulturfestival vielerorts, auch schließlich in Sarajevo, gespielt worden war. Sie zeigt die Sinnlosigkeit von Krieg und Verfolgung in symbolischen Bildern. Der Engel Sara sieht sich in seiner Stadt um, die einst Olympia-Treffpunkt der Welt gewesen ist. Diese Aufführung mit drei Musikern, die Musik und Percussion auch selbst während der Proben entwickelten, wurde gemeinsam mit einer von der Theatergruppe der Vikilu gespielten Szenenauswahl aus Brechts "Flüchtlingsgesprächen" zur Anne-Frank-Woche im Februar 1994 gezeigt. Aus gleichem Anlass gestalteten Lehrerinnen und Lehrer unserer Schule, unterstützt von Kolleginnen und Kollegen der Vikilu, eine szenische Lesung der "Ermittlung" von Peter Weiss, jener beklemmenden Zusammenstellung von Fragen und Aussagen im Frankfurter Auschwitz- Prozess.

Das Märchen von der alles überwindenden Liebe

Märchenhaft wurde dann wieder die alte Geschichte von der Schönen und dem Tier. Bei uns hieß sie "Rose, Ring und Rabenliebe", denn nicht nur ist von falscher und richtiger Liebe die Rede, sondern das unglückliche Monster hat noch einen armen komischen Konkurrenten, einen geschwätzigen Raben, der sich vergebens in die Schöne vergafft. Mit beweglichen Wänden und Leuchtern, Live-Musik und Geräuschen zauberten sichtbare Geister eine sich verwandelnde Welt.

Vom Ausbruch des Weltfriedens bis zum Totentanz

Viele andere - abendfüllende und ganz kurze -  Projekte innerhalb und außerhalb der Schule sind Mitspielern und Publikum in Erinnerung geblieben, z.B. Distlers "Totentanz" mit dem Vokalkreis Hameln im Münster (1985) oder Pantomime-Beiträge zum ökumenischen Pfingstgottesdienst auf der Hochzeitshaus-Terrasse, Kotzebues "Cleopatra"  oder "Der Ausbruch des Weltfriedens"  von Curt Goetz, F.K.Waechters "Pustekuchen"  oder Gryphius' "Herr Peter Squenz", die "Historia von D. Johann Fausten"  oder die ironischen Abiturienten-Programme, in denen die Schülerinnen und Schüler in überwiegend selbst gemachten Texten und Liedern die gemischten Gefühle gestaltet haben, mit denen sie den manchmal so schonungslos erscheinenden Schonraum Schule verlassen sollten. (Vollständige Aufzählung siehe Liste der Premieren)

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Abiturientenschicksale: Heitere Aussichten oder Nun schlägt’s 13 ?

"Die Ausnahme oder die Regel?" fragte sich die Spielergruppe bei den vorgestellten Schulerlebnissen; "Nun schlägt's 13!" gab nicht nur den Abiturjahrgang an, sondern fragte auch nach den entscheidenden Ereignissen im Schülerleben, die nicht immer in der Schule stattfinden ("Wochenend und Führerschein und dann mit dir im Wald allein..."); "Heitere Aussichten" hieß eine Zusammenstellung von eigenen und weltliterarischen Szenen, die nicht alle die Zeit des Entwachsenseins als verlockend zeigten. Der Titel (eine Textstelle aus Becketts "Warten auf Godot") ist schon am Fundort ziemlich sarkastisch gemeint. Aber "always look on the bright side of life" hieß der wohlbekannte ermutigende Schlusssong.

ALBERT  EINST  EIN  Revueensemble ...

"EINSTEIN zum Anstoßen - 25 Jahre verALBERT"  hieß das Geburtstags-Potpourri  aus Sketchen und Liedern zum Schuljubiläum 1997, entwickelt und präsentiert von Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern unserer Schule. Einige der Nummern waren Remakes der 20-Jahre-Veranstaltung, die damals nur einmal gezeigt werden konnte.

Aber manches bleibt halt so: "Im Frühzug zur Schule wir ziehn, fallera.."

Vor allem der Ohrwurm "Ein Loch ist im Flachdach" musste wieder aufgenommen werden, denn dicht war’s immer noch nicht, wenn auch die Revue in der neuen Aula stattfinden konnte, wo man sich vor Regen sicher glaubte (aber auch da bestätigte sich schon der Unkenruf). Dafür gab’s neben der Schulobrigkeit prominenten Besuch: Ex-Schülerin und Ex-Tagesschausprecherin Susan Stahnke verlas die Schulnachrichten zu Beginn der Premiere. Das Riesenensemble von spielenden, singenden und tanzenden Amateuren ließ sich freilich von ihr in den folgenden zweieinhalb Stunden nicht die Butter vom Brot nehmen.

Aula als Taufbecken

Der neue Raum beflügelte aber gleichwohl die Möglichkeiten für aufwändige Veranstaltungen. So konnte im Juli 1998 das erste von einem Einstein-Schüler geschriebene Musical aus der Taufe gehoben werden. Vasco Hexel, der schon das Biest für die Schöne gespielt hatte, schrieb zusammen mit zwei Co-Autoren die Geschichte eines einsamen Musterschülers, dessen Liebesgeschichte scheitert, und komponierte die Songs, studierte sie ein, versammelte Musiker und Sänger zur Theatergruppe, die dann das Musical "Somebody’s Life" in der Aula aus der Taufe hob. Eine CD folgte.

Zweite Musical-Uraufführung

Im Orchester saß damals Sandro Jahn, inzwischen auch schon Ex-Schüler, der den Plan fasste, auch ein eigenes Musical zu schreiben. Auch er war Textautor, Komponist, Musiker und Bandleader in einem, trommelte das Ensemble zusammen, das von der Theatergruppe ergänzt wurde. Im Juni 2001 ging die Uraufführung über die Aula-Bühne, mit großer Instrumentenbesetzung und einem Tanzsteg bis weit ins Publikum hinein, denn obwohl es in "Gesetz ist Gesetz" um eine fast tragisch endende Intrigengeschichte geht, in der einem Farbigen von seinem weißen Rivalen kriminelle Handlungen untergeschoben werden, woraufhin er ausgewiesen werden soll, gelingt es doch dem Mädchen, ihren schwarzen Freund zu retten. Das Musical macht’s sogar möglich, dass der eifersüchtige Unterlegene auf Grund einer dramatischen Erfahrung seine Fehler einsieht. Und zu diesem optimistischen Schluss darf der fröhliche Party-Tanz des Beginns am Ende wieder aufgenommen werden und die Zuschauer begeistern. Eine CD der Produktion folgte auf dem Fuße. Eine Videoaufzeichnung liegt, wie bei allen neueren Produktionen der Theatergruppe, ebenfalls vor.

Theatergruppe und Theaterkurs

Einigen der Spielerinnen und Spieler kann man inzwischen als Ärztin oder Arzt, als Kulturpädagogin, als Eltern nachwachsender Einsteinschüler, als Jazzpianist, Journalist, Popsängerin oder Banker begegnen, als Kirchenmusikerin und Kostümbildnerin, als Sparkassenleiterin, Kunstwissenschaftler und Theaterdramaturgin, als Schauspielerin und Steuerberater.

Aber auch bei den derzeitigen Mitgliedern der Theatergruppe und der im vierten Jahr laufenden Kurse Darstellendes Spiel geht es nicht um die Vor-Ausbildung von Kunstprofis, sondern um den Spaß am kreativen Umgang mit sich selbst und den anderen, um die Mutprobe, sich auf die Bühne zu wagen und sich unerschrocken zu präsentieren, sozusagen um ein lustvolles Sicherheits-Training für alle beruflichen (und privaten) Gelegenheiten.

In diesem Sinne arbeiten die Kurse weniger als die Theatergruppe an der Realisation großer Aufführungen, sondern eher an der Schau von Arbeitsergebnissen, wie es etwa auch die Nachbarfächer Kunst und Musik tun.

Menschenversuche

Solch eine Aktion war im ersten Durchgang des Faches Darstellendes Spiel die Beteiligung an der schulinternen Kunstausstellung "Kuck mal Kunst" im Schuljahr 1999/2000, wo exterrestrische Ausstellungsbesucher in der Installation "Jupiter-Wald" interviewt wurden und wandelnde Kunstfreunde lauthals ihre Meinung zu den übrigen ausgestellten Werken zum Besten gaben.

Als selbstständige Aufführung bot der Kurs im Jahr darauf für seinen Jahrgang 12 eine Zusammenstellung aus klassischer und moderner Textvorlage mit selbst entwickelten Zwischenszenen unter dem beziehungsreichen Titel "Menschenversuche". Es war nicht nur der Versuch, Menschen darzustellen, sondern es ging sowohl bei Shakespeares Vorspiel zu seiner Komödie "Die Zähmung der Widerspenstigen" als auch bei den Ausschnitten aus Becketts "Warten auf Godot" um die Manipulation von Menschen durch Mächtige. Das wurde satirisch in den Rahmenszenen mit einer launig-autoritären Moderatorin aufgenommen, die das Ganze wie einen Blick in einen künftigen "Big Brother"-Container erscheinen ließ.

Liebe ist kein Verbrechen

Im Jahrgang 13 zeigte derselbe Kurs eine in Gruppenarbeit komprimierte Fassung mit eigenen Dialogen nach Shakespeares böser Komödie "Maß für Maß", in der es um die Doppelmoral der Mächtigen geht, die von ihrem Volk Tugenden verlangen, die sie selbst nicht erfüllen können. Natürlich wird das am Beispiel der Liebe bzw. des Begehrens gezeigt. Für die Austauschbarkeit der Rollen der Mächtigen und Ohnmächtigen stand der permanente Rollenwechsel der Darsteller hinter neutralen Masken und mit jeweils auf die Brust gehefteten Rollenschildern. Die Produktion wurde beim Regionaltreffen des Niedersächsischen Schülertheatertreffens im Theater Hameln gezeigt.

Du bist kein Jud

"Andorra", Max Frischs Lehrstück von der Voreingenommenheit, hat sich die Theatergruppe im Schuljahr 2002/2003 vorgenommen, jetzt erstmals unter der Leitung der neuen Theaterkollegin Kadidja Mensak. Das Stück vom Juden, der keiner ist, wird kontrastiert von Lessings Jugend-Lustspiel "Die Juden", in dem der, der keiner sein kann, ein Jude ist, eine interessante Vorstudie des Autors zu seinem berühmten "Nathan". Daran arbeitet der Kurs Darstellendes Spiel im Jahrgang 12.

Was ist hinter der Maske?

Auch die anderen Kurse, vier an der Zahl, bereiten Projekte vor, in die sie beim Schuljubiläum im Oktober 2002 bereits Einblicke geben werden. Einführungsübungen, Arbeit an Stückvorlagen, Umgang mit Masken, Spielformen für und mit Publikum erwarten die Besucher.

Man darf gespannt sein, was die Theater spielende Schülerschaft in der Zukunft noch auf die Beine stellt.

Seit dem 30-jährigen Schuljubiläum 2002

 
Die Theaterarbeit von 2002 bis 2007 - PDF-Datei
 

Autor: Dierk Rabien

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