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Das Fach Deutsch am Albert-Einstein-Gymnasium

Exkursionen - Studienfahrten

Sechs Tage auf den Spuren von Kafka, Kisch & Co.

"Dieses Mütterchen hat Krallen." – so äußerte sich der 19-jährige Franz Kafka über seine Heimatstadt Prag. Vermutlich hat die Stadt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studienfahrt des Deutsch-Leistungskurses nach Prag nicht in ebenso existenzielle Krisen geführt, wie es Kafka seinerzeit widerfuhr, doch die Fangleinen, die diese Stadt auswirft, haben wir ohne Zweifel alle zu spüren bekommen.

Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihrer Facharbeit intensiv mit dem literarischen Schaffen und den Lebenswegen einiger deutscher und tschechischer Dichter aus Prag beschäftigt hatten, begaben sie sich Anfang September erwartungsfroh selbst in die Gassen und auf die Brücken dieser Stadt. Aus Aufzeichnungen, die während des Aufenthaltes in der Stadt getätigt wurden, entstanden individuelle Prag-Texte. Eine kleine Auswahl ist hier zu lesen.

Autorin: Bettina Tovar-Luthin


 
Licht und Schatten

Unzählige Gebäude gereift
In alter Schönheit und Individualität
Schönste Verzierungen mit Gold veredelt
Touristen Fotos Souvenirs

Gebäude erstrahlen in weißgelbem Licht
Fassaden umgeben vom lichten Gold
Vögel am Himmel leuchten im Hellen
Touristen Fotos Souvenirs

Gemächlich fließt die Moldau dahin
Umspült starke steinerne Brücken
Statuen mit finsteren Posen und Blicken
Touristen Fotos Souvenirs

Außerhalb der strahlenden Stadt:
Putz bröckelt von schäbigen Häusern
Zäune brüchig und improvisiert
Touristen? Fotos? Souvenirs?

Steffen Kämpfer

Schwingend und singend im Takt der Massen
Ergänzt ihr den Herzschlag dieser Stadt.

Wirr und wild getrieben im Strom
Wiegt ihr euch in ihren fremden Adern.

Erkundend genießend zwischen Zeichen
vergangener Zeit
treibt ihr - ohne Pause, ohne Rast
den gegenwärtigen Strom voran
fernab vom Puls der Zeit.

Katharina Piepenbrink

Karlsbrücke

Um mich herum nur Lichter
Sie heben sich vom Dunklen ab
Sehnsucht steigt in mir auf
Ich möchte diesen Moment in meinen Gedanken
einschließen
Überall schlendern Päarchen
Im Hintergrund höre ich Musik
Ich fühle mich wohl

Sarah Nordmeier

 

Touristen

Umgeben von unzähligen schönen Gebäuden, die von Menschenmassen umströmt werden, ist ein gleichmäßiges Murmeln zu vernehmen. Ausgelöst wird es durch die verschiedensten Sprachen, die sich ineinander mischen und sich zu einem einheitlichen Rauschen vereinen, wobei nur einzelne Wortfetzen, die herausstechen, auf die unterschiedlichen Sprachen schließen lassen.

Von entspannter Atmosphäre ist nicht viel zu spüren. Vielmehr scheinen die Menschen hektisch und unruhig zu sein. Gesichter, die Desinteresse und Langeweile ausstrahlen, prägen den Ausdruck der Masse. Regenschirme und kleine Fähnchen, die von Stadtführern aus der Enge der Menschen in die Höhe gehalten werden, ragen aus dem Meer von Köpfen. Menschen bewegen sich auf eine Sehenswürdigkeit zu und positionieren sich möglichst günstig vor ihr. Kurz wird aus dem gleichgültigen, beeindruckten Gesichtsausdruck ein übertriebenes, gekünsteltes Grinsen. Es fällt eine Person auf, die einen Fotoapparat auf die unnatürlich wirkenden Gesichter richtet. Mit dem Auslösen des Fotoapparates fällt das gekünstelte Grinsen von den Gesichtern.

Viele scheinen ihre Umgebung lieber zu fotografieren oder zu filmen statt sie an Ort und Stelle wahrzunehmen. Auf der Suche nach dem nächsten Motiv hetzen sie den Stadtführern hinterher. Hauptsache, zu Hause kann man die schöne Stadt und die tolle Atmosphäre genießen - auf Fotos und Filmen.

Steffen Kämpfer

 

Es ist Abend. Endlich Freizeit. Kleine Grüppchen seilen sich nach und nach ab. Unser Ziel ist eine Jazz-Bar, die in einer kleinen Gasse verborgen liegt. Einzig die Musik, die gedämpft nach oben dringt, sagt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es ist überraschend ruhig, abseits vom Großstadtgetümmel wirkt die Luft noch wärmer auf der Haut. Durchatmen, entspannen. Eine kleine Treppe führt in die Bar. Immer weiter kann man hinunter zur Musik gehen. Rhythmisch, ansprechend bringt sie den Körper in Bewegung. Unten angekommen erwarten uns kleine Tische in gemütlichen Nischen. Alte Steinmauern, eine hohe, runde Decke, ein Spiegel, groß und alt, der schräg an der Wand hängend das sanfte Licht reflektiert. Die Atmosphäre, die Stimmung wird lockerer, der Stress und Kummer des Tages schwindet. Mit Gelächter und Geplapper füllen wir den Raum, begleitet vom fröhlichen Takt der Jazz-Musik. Nach dem anstrengenden Tag tut es gut zu sitzen, zu lachen, nichts tun zu müssen.

Obwohl wir das erste Mal dort sind, strahlen der Raum und die Musik eine Geborgenheit aus, die der Seele gut tut.
Ein Ort, der bezaubert.

Julia Meyer

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