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Am 5. September 1972 begann
an unserer Schule, dem III. Gymnasium, wie es damals
hieß, der Unterricht. An diesem Tag kamen die ersten
161 Schülerinnen und Schüler mit großen Erwartungen,
um ihre Lehrer und die neue Schule kennenzulernen.
Der Leiter der neuen Schule, Herr Flügge, empfing
sie allerdings zunächst in der Sertürner-Realschule,
denn die Fertigstellung des Gymnasiums hatte sich
verzögert, so daß bei weitem nicht alle Unterrichtsräume
bezugsfertig waren. Überall wurde noch gebaut, gestrichen,
ausgebessert, und viele Bereiche waren gar nicht
zu betreten.
Erst Mitte September konnte
die Einweihung gefeiert und das neue Gebäude bezogen
werden. Zunächst gab es nur 5 Klassen des 5. Jahrgangs,
und das Kollegium bestand aus lediglich acht Lehrern.
Abgesehen von den provisorischen baulichen Verhältnissen
waren es aus heutiger Sicht idyllische Verhältnisse,
man kannte sich gut, man kannte alle Schüler der
Schule, der gesamte Schulbetrieb war überschaubar.
Gesamtkonferenzen fanden mit acht Teilnehmern statt.
Auf diesen Konferenzen beschäftigte man sich schon
damals mit der Namensgebung für die Schule - Geschwister-Scholl-Schule
war im Gespräch -, aber es sollten noch sieben Jahre
vergehen, bis diese Frage gelöst wurde.
Frau Schridde, spätere
Frau Baumgärtner, die von Celle nach Hameln kam,
erinnert sich: Hameln? Ausgerechnet Hameln?
Mit klopfendem Herzen und
dem zukünftigen Ehemann zum Vorstellungsgespräch
beim Schulleiter - und seiner Frau .... Freundlicher
Empfang, gemütliche Kaffeerunde und unendliche Erleichterung.
Die Besichtigung des neuen Schulgebäudes: eine Baustelle
mit behelfsmäßigem Eingang, einem Treppenhaus im
Rohbau, einer Halle, um die sich fünf Klassenzimmer,
ein Lehrerzimmer, Schulleiterzimmer und Sekretariat
und ein Mehrzweck (Abstell-)raum gruppieren. Erste
Begegnung mit dem Kollegium: sechs liebe und nette
Kolleginnen und Kollegen, den Grünschnabel ein wenig
bemutternd.
Die Schüler? - Die besten
Fünfklässler, die es je gegeben hat. Genauso wohlwollend,
lieb und nett wie Schüler und Kollegium auch die
Eltern: "Natürlich bringen wir Sie nach Haus....
So spät abends und dann im Dunkeln.... "
Der Unterricht - für einen
Anfänger können auch fünfte Klassen ganz schön anstrengend
sein! Beim damals üblichen Unterrichtsbesuch durch
den Schulleiter erscheint - nie vergessen - ein
zitternder Zeigefinger auf der Projektionstafel
des Tageslichtprojektors. Unterrichtsmaterial? -
Kein Problem, Bedarf bitte beim Schulleiter anmelden.
Das Gewünschte erscheint prompt und wie durch Zauberhand.
Konferenzen? - So wenige Kollegen werden sich schnell
einig. Aufsicht? - Samstags zu zweit und vom Fenster
des Lehrerzimmers aus. Man hat den ganzen Schulhof
fest im Blick. Und eine Tasse Kaffee gehört unbedingt
dazu.
Ein Polizist, ein Feuerwehrmann
im Lehrerzimmer? Von hereinstürmenden Fünftklässlern
bestaunt - genauso wie die feurige Zigeunerin. Das
3. Gymnasium feiert geschlossen Karneval.
Es regnet: die Eimer her
- wie immer bei solcher Witterung - und gleichmäßig
unter tropfende Decken verteilt. Man muß die Tücken
des Flachdaches bekämpfen. Gegen Ende des Schuljahres:
die Schule ist immer noch das 3. Gymnasium und die
optimistische Aufbruchsstimmung noch nicht verflogen.
Der Schulleiter lädt ein zu einem rauschenden Fest,
es endet am folgenden Morgen vor dem großen Kamin
im Garten. Hameln? - Ach ja, warum auch nicht?
Die in der Anfangsphase
so persönliche Schulatmosphäre änderte sich nach
einem Jahr schlagartig, denn jetzt wurde die Schule
gleich in 3 Stufen ausgebaut. Es kamen 1973 gleichzeitig
die neuen Jahrgänge 5, 7 und 11 zu uns, so daß wir
jetzt 16 Klassen mit insgesamt 499 Schülerinnen
und Schülern unterbringen mußten. Darunter waren
64 Schülerinnen von der Viktoria-Luise-Schule und
58 Schüler vom Schiller-Gymnasium.
Das Gymnasium III wurde
als neusprachliches und mathematisch-naturwissenschaftliches
Gymnasium für Jungen und Mädchen gegründet. Darüber
hinaus wurde, genehmigt durch einen besonderen Erlaß
des Kultusministers, eine mathematisch-naturwissenschaftliche
Klasse als Aufbauzug für Realschulabsolventen eingerichtet.
Das Besondere an diesem Schuljahr 1973/74 war, daß
jetzt Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet
wurden, das war für Hameln ein Novum. Bislang gingen
die Jungen auf das Schiller-Gymnasium und die Mädchen
auf die Viktoria-Luise-Schule. Das III. Gymnasium
war also damals der Prototyp eines Koedukationsgymnasiums.
Das Klima des Neuen veranlaßte viele Schüler der
beiden alten Gymnasien, zu uns zu kommen. Problematisch
allerdings war es, überhaupt Lehrer zu bekommen.
Es gab wenig Absolventen der Hochschulen, und darüber
hinaus hatte die von den Bildungspolitikern entfachte
Diskussion über Defizite irr deutschen Schulsystem
einen Ansturm auf die Gymnasien bewirkt. In ganz
Niedersachsen herrschte akuter Lehrermangel, und
neue Schulen hatten es schwer, Lehrer zu erhalten.
So bemühte sich der damalige Schulleiter, Herr Flügge,
persönlich, seine Lehrkräfte anzuwerben, indem er
sie privat einlud und ihnen die Vorzüge seiner Schule
schilderte. Aui diese Weise gelang es ihm, manche
Lehrkraft zu gewinnen.
Der Gründung unserer Schule
war eine längere Planungsphase vorausgegangen. Entscheidendes
Argument für die Gründung eines 3. Gymnasiums war
die Entwicklung der Schülerzahlen. Die beiden alten
Schulen waren nicht mehr in der Lage, die Fülle
der Neuanmeldungen zu bewältigen, so daß der Bau
eines weiteren Gymnasiums am Rande der Kernstadt
geplant wurde. Dabei ging man von den Vorstellungen
eines "Schulzentrums" aus, das Anfang der 70er
Jahre in vielen Städten verwirklicht wurde und das
Gymnasium, Realschule, Hauptschule und Orientierungsstufe
umfassen sollte. Diese räumliche Nähe zu den anderen
Schulen erwies sich später durchaus als vorteilhaft,
denn sie ermöglichte eine Kooperation, z.B. als
wir zusätzliche Klassenräume benötigten oder als
unsere Lehrer teilweise an der Orientierungsstufe
unterrichteten.
Die nächsten Jahre, also
die Zeit von 1973 bis 1977, waren eine Zeit der
stürmischen Entwicklung, denn die Schülerzahlen
stiegen bis 1977 auf 1272 Schülerinnen und Schüler.
In diese Zeit fiel auch der Ausbau der Innenausstattung
der Schule. Die beiden alten Gymnasien hatten bei
der Planung der Sammlungen geholfen, als in den
Jahren nach 1974 die Chemie-, Physik- und Biologiesammlungen
schrittweise ausgebaut wurden. Die Räume für den
Physikunterricht befanden sich 1974 noch im Bau,
so daß der Unterricht auf andere Räume verteilt
werden mußte. Es existierte auch nur ein Teil der
Ausstattung für Mechanik, Optik und Elektrizitätslehre,
deshalb ließ sich der theoretische Unterricht nicht
in der wünschenswerten Weise experimentell begleiten.
Erst 1976 war die räumliche und apparative Ausstattung
zufriedenstellend vervollständigt.
Diese Zeit des Aufbaus
war für die Lehrer eine reizvolle, aber auch arbeitsintensive
Phase. Es kam der Schule zugute, daß der Schulleiter,
Herr Flügge, gleichzeitig auch Ratsmitglied der
Stadt Hameln und auch Mitglied im Schul- und Verwaltungsausschuß
war. Die Kooperation mit dem Schulträger wurde dadurch
vereinfacht, was sich besonders bei der Neueinrichtung
der Schule als nützlich erwies.
Gleichzeitig wurde die
Schülerbücherei als Präsenz- und Ausleihbücherei
eingerichtet. Sie umfaßte 1975 2000 und 1976 2600
Bände. Die Schülerschaft hat damals tatkräftig bei
der Einrichtung geholfen.
Im Jahr 1975 wurde der
Schule nach langen Verhandlungen und intensiven
Informationsgesprächen mit verschiedenen Herstellern
eine Sprachlehranlage bewilligt, die mit einer Kassettenanlage
der Firma Siemens ausgestattet wurde. Es wurde allerdings
zur Auflage gemacht, daß die Anlage auch von Klassen
der Sertürner-Realschule und der Volkshochschule
benutzt werden sollte.
In die 70er Jahre fielen
zwei wichtige schulpolitische Veränderungen, welche
die Schulverhältnisse im Land und somit auch an
unserer Schule veränderten. Im Jahr 1975 wurde die
sog. reformierte Oberstufe bei uns eingerichtet,
d.h. der Unterricht auf der Oberstufe fand nicht
mehr im Klassenverband statt, sondern in Kursen,
die von den Schülern individuell angewählt wurden.
Die Auflösung der Klassen und die Einrichtung von
Kursen stellte die Schulleitung seinerzeit vor nicht
unbeträchtliche Probleme; Raumknappheit und Schülerzahlen
von über 1000 erschwerten die Umstellung.
Für das Kollegium gab es
Schwierigkeiten bei der inhaltlichen Unterrichtsgestaltung,
neue Themenbereiche mußten erschlossen werden, denn
für viele Fächer wurde jetzt ein stärkerer politisch-gesellschaftlicher
Bezug zu den Unterrichtsinhalten gefordert und hergestellt.
Der Unterricht mußte lernzielorientiert erteilt
werden, und neue Prüfungsverfahren mußten entwickelt
werden. Da die Organisationsstruktur der Oberstufe
von der Gleichwertigkeit der Fächer ausging, entfiel
von nun an die Unterscheidung zwischen Haupt- und
Nebenfächern, und das hatte zur Folge, daß jedes
Fach im Abitur Prüfungsfach sein konnte.
Im Jahr 1978 verloren wir
die 5. und 6. Jahrgänge, da in diesem Jahr die Orientierungsstufe
gegründet wurde. Dies wurde von uns als besonders
schmerzhaft empfunden, denn die Schüler dieser Altersstufe
sind besonders begeisterungsfähig und aufnahmebereit.
Als Ausgleich blieb uns die Möglichkeit, an der
Orientierungsstufe wenigstens in den Fächern Deutsch,
Englisch und Mathematik zu unterrichten. Hiervon
haben dann auch viele Kollegen Gebrauch gemacht.
Die 70er und die frühen
80er Jahre waren für das Albert-Einstein-Gymnasium
auch in anderer Hinsicht entscheidende Jahre, denn
sie prägten das Schulleben und gaben der Schule
ihren besonderen Charakter, ihre Identität. Zu jener
Zeit bestand das Kollegium ausschließlich aus jungen
Lehrern, die nach jahrelangem theoretischen Studium
endlich ihre pädagogischen Vorstellungen verwirklichen
wollten. Dieses Engagement kam der Schule natürlich
zugute. Ein vielfältiges Angebot an Arbeitsgemeinschaften
im künstlerischen und sportlichen Bereich ermöglichte
es den Schülern, ihren Neigungen auch in außerunterrichtlichen
Bereichen nachzugehen, und wenn man in den Archiven
der damaligen Zeit blättert, findet man Aktivitäten
wie darstellendes Spiel, Literaturproduktion, Fotografie,
Stadtgeschichte Hameln, Chor, Orchester, Folkmusik
etc.
Aus der Fülle dieser Arbeitsgemeinschaften
haben sich in der Folgezeit einige zu besonderer
Attraktivität weiterentwickelt. Es sind Programme,
die sich bis heute in ungebrochener Tradition fortgesetzt
und unsere Schule nachhaltig geformt haben:
Die "Folkgruppe",
die Theater AG, die Adventskonzerte, die Schüleraustauschprogramme
mit England, USA, Frankreich, (Israel und Ungarn
kamen später hinzu), die Provencefahrten, die Skikurse
in Südtirol, die Weihnachtsfeiern. In diesem Zusammenhang
muß auch die Schülerzeitschrift Aragorn erwähnt
werden, die seit 1978 erscheint. Auch die von Schülern
und Lehrern gemeinsam veranstalteten Projektwochen
haben eine Tradition seit 1981. Ebenfalls im Jahr
1981 wurde das Betriebspraktikum eingeführt.
Im Jahr 1978 wurde unsere
Schule Ausbildungsschule, als das Studienseminar
Hameln gegründet wurde. Seit dieser Zeit werden
bei uns junge Lehrer ausgebildet, und die Schule
erhält neue Impulse durch die neuen Ideen und Methoden,
die von Fachleitern und Referendaren ausgehen.
Im Jahr 1978 begann auch
die ernsthafte Diskussion über die Namensgebung
für das III. Gymnasium, wie es damals immer noch
hieß. Viele Eltern und Schüler fanden diesen Arbeitstitel
etwas nüchtern und verlangten einen Namen für die
Schule, mit dem sie sich identifizieren konnten.
Insbesondere die Elternschaft nahm sich dieser Frage
mit großem Interesse an und suchte nach Dichtern,
Schriftstellern und Wissenschaftlern, die möglichst
auch mit Hameln in Verbindung standen. So wurde
z.B. Karl Philipp Moritz vorgeschlagen, ein Schriftsteller,
der in Hameln geboren war und sich eingehend mit
der Psychologie und Pädagogik des Kindes befaßt
hatte. Auf Anregung des Schulelternrates wurden
im Frühjahr 1978 von der Elternschaft folgende Namen
vorgeschlagen und diskutiert:
Nordstadt-Gymnasium
Wilhelm-Busch-Gymnasium Bismarck-Gymnasium
Flemes-Gymnasium Kleist-Gymnasium
Kant-Gymnasium Leibniz-Gymnasium
Karl-Philipp-Moritz-Gymnasium Einstein-Gymnasium
Spanuth-Gymnasium Fontane-Gymnasium
Herder-Gymnasium Gaus-Gymnasium.
Nach kontrovers geführten
Diskussionen einigte man sich auf den Namen Albert-Einstein-Gymnasium.
Es gab verschiedene Gründe für diese Entscheidung.
Es war zunächst die überragende naturwissenschaftliche
Leistung, die ihn als Namenspatron für die Schule
auszeichnet, es war aber auch sein mutiges politisches
Auftreten gegen jede Form von Gewalt, Diskriminierung
und Militarismus.
Die Entscheidung der Elternschaft
wurde vom Kollegium auf der Gesamtkonferenz vom
3.7. 1978 gebilligt und später auch vom Rat der
Stadt begrüßt. Es fügte sich gut, daß im Jahr 1979
der 100. Geburtstag Albert Einsteins war. So wurde
beschlossen, den Geburtstag und die eigentliche
Namengebung am 14.3.1979 zu feiern. Auf dieser Festveranstaltung
in der oberen Pausenhalle sprach Herr Dr. Merzyn
von der Bezirksregierung die Grußworte, Herr Dr.
Kock als Oberbürgermeister hielt die Ansprache und
verlieh der Schule offiziell den neuen Namen, und
der Schulleiter würdigte in seiner Festansprache
das Werk Albert Einsteins.
Eine umfangreiche Ausstellung,
bei der uns die Universität Göttingen und die Geburtsstadt
Einsteins, Ulm, behilflich waren, dokumentierte
das wissenschaftliche Werk und das Leben Albert
Einsteins. Ein gemeinsamer Ball von Eltern, Lehrern,
und Schülern in der Weserberglandhalle beendete
am 16.3.1979 die Feierlichkeiten zur Namensgebung.
Im Juli 1983 ging Herr
Flügge, der die Schule von den ersten Anfängen an
geleitet hatte, in den Ruhestand. Er hatte die Schule
durch schwierige Zeiten geführt, z.B. als die großen
Schülerzahlen, für welche die Schule gar nicht ausgelegt
war, beträchtliche administrative und pädagogische
Probleme verursachten. In diesen 10 Jahren hatte
sich die Schule jedoch zu einem großen und lebendigen
Gymnasium entwickelt. Der Dezernent, Herr Jost,
und der Vertreter der Stadt Hameln würdigten in
ihren Ansprachen die Verdienste Herrn Flügges in
Anwesenheit der Elternschaft, der Vertreter von
Rat und Verwaltung und des Kollegiums. In der Interimszeit
führte Herr Schott die Schulgeschäfte, bis im nächsten
Jahr die Schulleiterstelle neu besetzt wurde.
Am 24.2.1984 wurde Herr
Arend-Schneider, aus Stadthagen kommend, feierlich
in sein neues Amt als Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums
eingeführt. Herr Arend-Schneider ist Historiker
und Altphilologe und war zuvor am Neuen - Gymnasium
in Stadthagen stellvertretender Schulleiter gewesen.
Herr Jost, als zuständiger Dezernent, führte ihn
vor Vertretern des Schulträgers, der Elternschaft,
vor dem Kollegium und der Schülerschaft in sein
neues Aufgabengebiet ein.
Die nun folgende Zeit war
eine Zeit der inneren Konsolidierung. Das Kollegium
blieb weitgehend unverändert, und bestehende Strukturen
konnten ausgebaut und weiterentwickelt werden. Im
naturwissenschaftlichen Aufgabenfeld wurde mit Informatik
ein neues Fach eingeführt, das bei unseren Schülerinnen
und Schülern auf großes Interesse stieß und das
am 17.2.1986 durch Erlaß des Kultusministers auch
als Prüfungsfach am Albert-Einstein-Gymnasium zugelassen
wurde.
Die Austauschprogramme
erweiterten sich um wichtige Kontakte zu Israel
und eine zweite englische Schule in Alton. Verbindungen
zum Albert-EinsteinGymnasium in Böblingen wurden
hergestellt, wir veranstalteten interne Fortbildungstage
zu aktuellen pädagogischen Problemen, hatten Dichterlesungen,
nahmen an Schülerlesewettbewerben teil und erarbeiteten
zahlreiche Ausstellungen zu politischen Ereignissen.
Die 90er Jahre, als vorerst
letzte Phase unserer schulischen Entwicklung, sind
eine Zeit tiefgreifender Veränderungen. Dies betrifft
die baulichen Maßnahmen am Schulgebäude, aber auch
die innere Gestaltung des Unterrichts und des Schullebens.
Das Kollegium wendet sich jetzt noch stärker den
Schülern zu, ihrer Motivation, ihrem sozialen Verhalten,
ihrem grundsätzlich veränderten Lernverhalten.
So werden neue Unterrichtsmethoden
und Unterrichtsinhalte erprobt, die eine größere
Schülerorientierung ermöglichen und die Schüler
auf gesteigerte Anforderungen im späteren Berufsleben
besser vorbereiten. Mit dem bilingualen Unterricht
wurde das schulische Angebot um einen interessanten
Aspekt erweitert, so daß das Schulleben insgesamt
bereichert und natürlich auch verändert wurde. Von
nun an besitzen wir neben regulären Klassen auch
solche, bei denen Englisch Unterrichtssprache in
den Sachfächern Erdkunde und Geschichte ist. Damit
verbunden ist nicht nur eine vertiefte sprachliche
Schulung, sondern auch eine Erweiterung des Bildungs-
und Erfahrungshorizontes.
Die veränderten gesellschaftlichen
Verhältnisse, in denen unsere Schüler leben, haben
das Kollegium wiederholt auf schulinternen Fortbildungsveranstaltungen
beschäftigt. Als Reaktion auf diese veränderte Situation
wurden pädagogische Strategien und Konzepte entwickelt,
wie man hierauf reagieren kann. Als konkrete, sozusagen
operative Maßnahme, gab es im Schuljahr 1994/95
eine Initiative jüngerer Kollegen für ein sog. "Teammodell":
auf regelmäßig stattfindenden, wöchentlichen Besprechungen
erörtern die Klassenlehrer eines Jahrgangs aktuelle
pädagogische oder organisatorische Fragen und ermöglichen
eine intensive Betreuung der Klassen und einzelner
Schüler.
Nach einer Abstimmung der
Gesamtkonferenz am 15.3.1995 bewarb sich die Schule
um eine Teilnahme an dem bundesweiten Modellversuch
"Selbstwirksame Schule". Ab Herbst des gleichen
Jahres nahm die Schule als niedersächsische Pilotschule
an diesem auf drei Jahre befristeten Projekt der
Bund - Länderkommission für Bildungsplanung und
Forschungsförderung teil, wobei das "Teammodell"
von nun an im Rahmen dieses Projektes geführt wird.
Die gleichen Beweggründe,
die zur Verwirklichung des Teammodells führten,
haben die Schulleitung und das Kollegium veranlaßt,
die Organisationsstrukturen des Albert-Einstein-Gymnasiums
grundsätzlich in Frage zu stellen. Am 13.3.1996
wurde bei der Bezirksregierung in Hannover der Antrag
gestellt, unsere Schule als offenes Ganztagsgymnasium
zu führen. Vorausgegangen waren intensive Diskussionen
und Informationsveranstaltungen, wie z.B. 1990 und
1993 in Lauenstein. Auch die Eltern- und Schülerschaft
wurde von den ersten Anfängen an beteiligt.
In einem offenen Ganztagsgymnasium
können Schülerinnen und Schüler, die das Ganztagsangebot
dieser Schule annehmen wollen, auf freiwilliger
Basis also, folgende Möglichkeiten wahrnehmen: Verfügungsstunde
beim Klassenlehrer, Arbeitsgemeinschaften mit musischen,
künstlerischen, literarischen, fremdsprachlichen
und naturwissenschaftlichen Themen, Freizeitangebote,
Hausaufgabenbetreuung. In der Mittagspause wird
es möglich sein, ein Essen zu erhalten. Zur Zeit
liegt der Antrag bei des Bezirksregierung, die allerdings
infolge der angespannten Haushaltslage noch keine
Zustimmung geben konnte.
Die Jahre 1996/97 brachten
für die Schule große Veränderungen im äußeren Erscheinungsbild,
da der gesamte Bereich zwischen der Südfront des
AlbertEinstein-Gymnasiums und der Sertürner-Realschule
zur Baustelle wurde. Die bauliche Fertigstellung
der Schule war eigentlich ein Problem, das seit
der Gründung im Jahr 1972 ungelöst geblieben war,
denn viele der damals geplanten Räume waren nicht
errichtet worden. Eine Aula z.B. war im ursprünglichen
Bauplan enthalten gewesen, sie war aber nie gebaut
worden. Jahrelang hatte sich die Schule bei Feiern
und Vorträgen sowie bei Konzerten mit dem Provisorium
der oberen Pausenhalle behelfen müssen. Auch weitere
Klassenräume waren ursprünglich vorgesehen, aber
auch sie waren nicht errichtet worden. So zielte
denn die Forderung der Schulleitung nicht auf eine
Erweiterung des Schulgebäudes, sondern lediglich
auf Fertigstellung des ursprünglich geplanten Schulgebäudes.
Die Schulleitung des Albert-Einstein-Gymnasiums
stellte daher am 18.12.1991 bei der Stadt Hameln
den Antrag, folgende Räumlichkeiten zu bauen:
a) ein Forum (mit ca. 400
Plätzen nebst Bühne), b) 10 Klassen- und Fachräume,
c) eine Cafeteria d) weitere Räume (z.B. Elternsprechzimmer,
Krankenzimmer, Räume für die Schülervertretung,
die Schülerzeitung, den Beratungslehrer u.a.).
Dieser Antrag wurde im
wesentlichen genehmigt, d.h. das Forum wurde mit
350 Plätzen etwas kleiner konzipiert, und bei den
Klassen wurden nur 6 Räume zugestanden. So war es
dem entschlossenen Einsatz der Schulleitung, aber
auch der Elternschaft zu verdanken, daß es gelang,
die Stadt Hameln zur Bewilligung der notwendigen
Mittel zu bewegen, immerhin ca. 7 Millionen DM.
Am 14.12.1994 bewilligte die Stadt diese Mittel
zur Freude und Erleichterung des Kollegiums und
der Schülerschaft, denn damit waren endlich die
Voraussetzungen für einen guten Unterricht und für
würdig gestaltete Schulfeiern gegeben. Das erweiterte
Raumangebot wird es ermöglichen, daß die Schüler
des Sek.l-Bereichs feste, also kontinuierlich benutzbare
Klassenräume erhalten werden, so daß sie sich für
ihren Raum verantwortlich fühlen und sich stärker
mit ihrer Schule identifizieren können. Die Zeit
der Wanderklassen ist damit Vergangenheit. Aber
auch für die Oberstufenschüler öffnen sich Möglichkeiten,
mehr Fachräume zu erhalten, insbesondere für die
sprachlichen und gesellschaftswissenschaftlichen
Fächer.
Vor allem mit der Aula
wird die Schule ein Forum erhalten, in dem große
Schulveranstaltungen in einem festlichen Rahmen
gestaltet werden können: Abiturentlassungen, Theateraufführungen,
Konzerte, Kunstausstellungen, Weihnachtsfeiern,
Begrüßungen ausländischer Gäste etc.
Am 29.10.1996 war Richtfest.
Die Bauarbeiten waren zügig vorangegangen, und man
sah jetzt schon klarer, wie sich das neue äußere
Bild der Schule abzeichnete. Die Oberbürgermeisterin
Frau Bruns und der Schulleiter Herr Arend-Schneider
würdigten in ihren Ansprachen die Arbeit aller,
die bei der Planung und bisherigen Fertigstellung
des Baus beteiligt waren. Die Stadt hatte beträchtliche
finanzielle Mittel aufgebracht und damit dokumentiert,
daß sie dem Albert-Einstein-Gymnasium im kulturellen
Leben der Stadt einen hohen Stellenwert beimißt.
Zum Abschluß feierten der Architekt, die Mitglieder
von Rat und Verwaltung sowie das Kollegium in der
oberen Pausenhalle Richtfest.
Nach 25 Jahren findet damit
die bauliche Entwicklung des Schulgebäudes ihr vorläufiges
Ende.
Autor: StD a.D. Hans-Jürgen
Linkewitsch Das Copyright des Textes liegt beim
Albert-Einstein-Gymnasium Hameln.

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