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Zur Geschichte der Schule

Epochen der Schulgeschichte von 1972 bis 1997

Am 5. September 1972 begann an unserer Schule, dem III. Gymnasium, wie es damals hieß, der Unterricht. An diesem Tag kamen die ersten 161 Schülerinnen und Schüler mit großen Erwartungen, um ihre Lehrer und die neue Schule kennenzulernen. Der Leiter der neuen Schule, Herr Flügge, empfing sie allerdings zunächst in der Sertürner-Realschule, denn die Fertigstellung des Gymnasiums hatte sich verzögert, so daß bei weitem nicht alle Unterrichtsräume bezugsfertig waren. Überall wurde noch gebaut, gestrichen, ausgebessert, und viele Bereiche waren gar nicht zu betreten.

Erst Mitte September konnte die Einweihung gefeiert und das neue Gebäude bezogen werden. Zunächst gab es nur 5 Klassen des 5. Jahrgangs, und das Kollegium bestand aus lediglich acht Lehrern. Abgesehen von den provisorischen baulichen Verhältnissen waren es aus heutiger Sicht idyllische Verhältnisse, man kannte sich gut, man kannte alle Schüler der Schule, der gesamte Schulbetrieb war überschaubar. Gesamtkonferenzen fanden mit acht Teilnehmern statt. Auf diesen Konferenzen beschäftigte man sich schon damals mit der Namensgebung für die Schule - Geschwister-Scholl-Schule war im Gespräch -, aber es sollten noch sieben Jahre vergehen, bis diese Frage gelöst wurde.

Frau Schridde, spätere Frau Baumgärtner, die von Celle nach Hameln kam, erinnert sich: Hameln? Ausgerechnet Hameln?

Mit klopfendem Herzen und dem zukünftigen Ehemann zum Vorstellungsgespräch beim Schulleiter - und seiner Frau .... Freundlicher Empfang, gemütliche Kaffeerunde und unendliche Erleichterung. Die Besichtigung des neuen Schulgebäudes: eine Baustelle mit behelfsmäßigem Eingang, einem Treppenhaus im Rohbau, einer Halle, um die sich fünf Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer, Schulleiterzimmer und Sekretariat und ein Mehrzweck (Abstell-)raum gruppieren. Erste Begegnung mit dem Kollegium: sechs liebe und nette Kolleginnen und Kollegen, den Grünschnabel ein wenig bemutternd.

Die Schüler? - Die besten Fünfklässler, die es je gegeben hat. Genauso wohlwollend, lieb und nett wie Schüler und Kollegium auch die Eltern: "Natürlich bringen wir Sie nach Haus.... So spät abends und dann im Dunkeln.... "

Der Unterricht - für einen Anfänger können auch fünfte Klassen ganz schön anstrengend sein! Beim damals üblichen Unterrichtsbesuch durch den Schulleiter erscheint - nie vergessen - ein zitternder Zeigefinger auf der Projektionstafel des Tageslichtprojektors. Unterrichtsmaterial? - Kein Problem, Bedarf bitte beim Schulleiter anmelden. Das Gewünschte erscheint prompt und wie durch Zauberhand. Konferenzen? - So wenige Kollegen werden sich schnell einig. Aufsicht? - Samstags zu zweit und vom Fenster des Lehrerzimmers aus. Man hat den ganzen Schulhof fest im Blick. Und eine Tasse Kaffee gehört unbedingt dazu.

Ein Polizist, ein Feuerwehrmann im Lehrerzimmer? Von hereinstürmenden Fünftklässlern bestaunt - genauso wie die feurige Zigeunerin. Das 3. Gymnasium feiert geschlossen Karneval.

Es regnet: die Eimer her - wie immer bei solcher Witterung - und gleichmäßig unter tropfende Decken verteilt. Man muß die Tücken des Flachdaches bekämpfen.
Gegen Ende des Schuljahres: die Schule ist immer noch das 3. Gymnasium und die optimistische Aufbruchsstimmung noch nicht verflogen. Der Schulleiter lädt ein zu einem rauschenden Fest, es endet am folgenden Morgen vor dem großen Kamin im Garten. Hameln? - Ach ja, warum auch nicht?

Die in der Anfangsphase so persönliche Schulatmosphäre änderte sich nach einem Jahr schlagartig, denn jetzt wurde die Schule gleich in 3 Stufen ausgebaut. Es kamen 1973 gleichzeitig die neuen Jahrgänge 5, 7 und 11 zu uns, so daß wir jetzt 16 Klassen mit insgesamt 499 Schülerinnen und Schülern unterbringen mußten. Darunter waren 64 Schülerinnen von der Viktoria-Luise-Schule und 58 Schüler vom Schiller-Gymnasium.

Das Gymnasium III wurde als neusprachliches und mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium für Jungen und Mädchen gegründet. Darüber hinaus wurde, genehmigt durch einen besonderen Erlaß des Kultusministers, eine mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse als Aufbauzug für Realschulabsolventen eingerichtet. Das Besondere an diesem Schuljahr 1973/74 war, daß jetzt Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet wurden, das war für Hameln ein Novum. Bislang gingen die Jungen auf das Schiller-Gymnasium und die Mädchen auf die Viktoria-Luise-Schule. Das III. Gymnasium war also damals der Prototyp eines Koedukationsgymnasiums. Das Klima des Neuen veranlaßte viele Schüler der beiden alten Gymnasien, zu uns zu kommen. Problematisch allerdings war es, überhaupt Lehrer zu bekommen. Es gab wenig Absolventen der Hochschulen, und darüber hinaus hatte die von den Bildungspolitikern entfachte Diskussion über Defizite irr deutschen Schulsystem einen Ansturm auf die Gymnasien bewirkt. In ganz Niedersachsen herrschte akuter Lehrermangel, und neue Schulen hatten es schwer, Lehrer zu erhalten. So bemühte sich der damalige Schulleiter, Herr Flügge, persönlich, seine Lehrkräfte anzuwerben, indem er sie privat einlud und ihnen die Vorzüge seiner Schule schilderte. Aui diese Weise gelang es ihm, manche Lehrkraft zu gewinnen.

Der Gründung unserer Schule war eine längere Planungsphase vorausgegangen. Entscheidendes Argument für die Gründung eines 3. Gymnasiums war die Entwicklung der Schülerzahlen. Die beiden alten Schulen waren nicht mehr in der Lage, die Fülle der Neuanmeldungen zu bewältigen, so daß der Bau eines weiteren Gymnasiums am Rande der Kernstadt geplant wurde. Dabei ging man von den Vorstellungen eines "Schulzentrums" aus, das Anfang der 70er Jahre in vielen Städten verwirklicht wurde und das Gymnasium, Realschule, Hauptschule und Orientierungsstufe umfassen sollte. Diese räumliche Nähe zu den anderen Schulen erwies sich später durchaus als vorteilhaft, denn sie ermöglichte eine Kooperation, z.B. als wir zusätzliche Klassenräume benötigten oder als unsere Lehrer teilweise an der Orientierungsstufe unterrichteten.

Die nächsten Jahre, also die Zeit von 1973 bis 1977, waren eine Zeit der stürmischen Entwicklung, denn die Schülerzahlen stiegen bis 1977 auf 1272 Schülerinnen und Schüler. In diese Zeit fiel auch der Ausbau der Innenausstattung der Schule. Die beiden alten Gymnasien hatten bei der Planung der Sammlungen geholfen, als in den Jahren nach 1974 die Chemie-, Physik- und Biologiesammlungen schrittweise ausgebaut wurden. Die Räume für den Physikunterricht befanden sich 1974 noch im Bau, so daß der Unterricht auf andere Räume verteilt werden mußte. Es existierte auch nur ein Teil der Ausstattung für Mechanik, Optik und Elektrizitätslehre, deshalb ließ sich der theoretische Unterricht nicht in der wünschenswerten Weise experimentell begleiten. Erst 1976 war die räumliche und apparative Ausstattung zufriedenstellend vervollständigt.

Diese Zeit des Aufbaus war für die Lehrer eine reizvolle, aber auch arbeitsintensive Phase. Es kam der Schule zugute, daß der Schulleiter, Herr Flügge, gleichzeitig auch Ratsmitglied der Stadt Hameln und auch Mitglied im Schul- und Verwaltungsausschuß war. Die Kooperation mit dem Schulträger wurde dadurch vereinfacht, was sich besonders bei der Neueinrichtung der Schule als nützlich erwies.

Gleichzeitig wurde die Schülerbücherei als Präsenz- und Ausleihbücherei eingerichtet. Sie umfaßte 1975 2000 und 1976 2600 Bände. Die Schülerschaft hat damals tatkräftig bei der Einrichtung geholfen.

Im Jahr 1975 wurde der Schule nach langen Verhandlungen und intensiven Informationsgesprächen mit verschiedenen Herstellern eine Sprachlehranlage bewilligt, die mit einer Kassettenanlage der Firma Siemens ausgestattet wurde. Es wurde allerdings zur Auflage gemacht, daß die Anlage auch von Klassen der Sertürner-Realschule und der Volkshochschule benutzt werden sollte.

In die 70er Jahre fielen zwei wichtige schulpolitische Veränderungen, welche die Schulverhältnisse im Land und somit auch an unserer Schule veränderten. Im Jahr 1975 wurde die sog. reformierte Oberstufe bei uns eingerichtet, d.h. der Unterricht auf der Oberstufe fand nicht mehr im Klassenverband statt, sondern in Kursen, die von den Schülern individuell angewählt wurden. Die Auflösung der Klassen und die Einrichtung von Kursen stellte die Schulleitung seinerzeit vor nicht unbeträchtliche Probleme; Raumknappheit und Schülerzahlen von über 1000 erschwerten die Umstellung.

Für das Kollegium gab es Schwierigkeiten bei der inhaltlichen Unterrichtsgestaltung, neue Themenbereiche mußten erschlossen werden, denn für viele Fächer wurde jetzt ein stärkerer politisch-gesellschaftlicher Bezug zu den Unterrichtsinhalten gefordert und hergestellt. Der Unterricht mußte lernzielorientiert erteilt werden, und neue Prüfungsverfahren mußten entwickelt werden. Da die Organisationsstruktur der Oberstufe von der Gleichwertigkeit der Fächer ausging, entfiel von nun an die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenfächern, und das hatte zur Folge, daß jedes Fach im Abitur Prüfungsfach sein konnte.

Im Jahr 1978 verloren wir die 5. und 6. Jahrgänge, da in diesem Jahr die Orientierungsstufe gegründet wurde. Dies wurde von uns als besonders schmerzhaft empfunden, denn die Schüler dieser Altersstufe sind besonders begeisterungsfähig und aufnahmebereit. Als Ausgleich blieb uns die Möglichkeit, an der Orientierungsstufe wenigstens in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik zu unterrichten. Hiervon haben dann auch viele Kollegen Gebrauch gemacht.

Die 70er und die frühen 80er Jahre waren für das Albert-Einstein-Gymnasium auch in anderer Hinsicht entscheidende Jahre, denn sie prägten das Schulleben und gaben der Schule ihren besonderen Charakter, ihre Identität. Zu jener Zeit bestand das Kollegium ausschließlich aus jungen Lehrern, die nach jahrelangem theoretischen Studium endlich ihre pädagogischen Vorstellungen verwirklichen wollten. Dieses Engagement kam der Schule natürlich zugute. Ein vielfältiges Angebot an Arbeitsgemeinschaften im künstlerischen und sportlichen Bereich ermöglichte es den Schülern, ihren Neigungen auch in außerunterrichtlichen Bereichen nachzugehen, und wenn man in den Archiven der damaligen Zeit blättert, findet man Aktivitäten wie darstellendes Spiel, Literaturproduktion, Fotografie, Stadtgeschichte Hameln, Chor, Orchester, Folkmusik etc.

Aus der Fülle dieser Arbeitsgemeinschaften haben sich in der Folgezeit einige zu besonderer Attraktivität weiterentwickelt. Es sind Programme, die sich bis heute in ungebrochener Tradition fortgesetzt und unsere Schule nachhaltig geformt haben:

Die "Folkgruppe", die Theater AG, die Adventskonzerte, die Schüleraustauschprogramme mit England, USA, Frankreich, (Israel und Ungarn kamen später hinzu), die Provencefahrten, die Skikurse in Südtirol, die Weihnachtsfeiern. In diesem Zusammenhang muß auch die Schülerzeitschrift Aragorn erwähnt werden, die seit 1978 erscheint. Auch die von Schülern und Lehrern gemeinsam veranstalteten Projektwochen haben eine Tradition seit 1981. Ebenfalls im Jahr 1981 wurde das Betriebspraktikum eingeführt.

Im Jahr 1978 wurde unsere Schule Ausbildungsschule, als das Studienseminar Hameln gegründet wurde. Seit dieser Zeit werden bei uns junge Lehrer ausgebildet, und die Schule erhält neue Impulse durch die neuen Ideen und Methoden, die von Fachleitern und Referendaren ausgehen.

Im Jahr 1978 begann auch die ernsthafte Diskussion über die Namensgebung für das III. Gymnasium, wie es damals immer noch hieß. Viele Eltern und Schüler fanden diesen Arbeitstitel etwas nüchtern und verlangten einen Namen für die Schule, mit dem sie sich identifizieren konnten. Insbesondere die Elternschaft nahm sich dieser Frage mit großem Interesse an und suchte nach Dichtern, Schriftstellern und Wissenschaftlern, die möglichst auch mit Hameln in Verbindung standen. So wurde z.B. Karl Philipp Moritz vorgeschlagen, ein Schriftsteller, der in Hameln geboren war und sich eingehend mit der Psychologie und Pädagogik des Kindes befaßt hatte. Auf Anregung des Schulelternrates wurden im Frühjahr 1978 von der Elternschaft folgende Namen vorgeschlagen und diskutiert:

Nordstadt-Gymnasium
Wilhelm-Busch-Gymnasium
Bismarck-Gymnasium
Flemes-Gymnasium
Kleist-Gymnasium
Kant-Gymnasium
Leibniz-Gymnasium
Karl-Philipp-Moritz-Gymnasium
Einstein-Gymnasium
Spanuth-Gymnasium
Fontane-Gymnasium
Herder-Gymnasium
Gaus-Gymnasium.

Nach kontrovers geführten Diskussionen einigte man sich auf den Namen Albert-Einstein-Gymnasium. Es gab verschiedene Gründe für diese Entscheidung. Es war zunächst die überragende naturwissenschaftliche Leistung, die ihn als Namenspatron für die Schule auszeichnet, es war aber auch sein mutiges politisches Auftreten gegen jede Form von Gewalt, Diskriminierung und Militarismus.

Die Entscheidung der Elternschaft wurde vom Kollegium auf der Gesamtkonferenz vom 3.7. 1978 gebilligt und später auch vom Rat der Stadt begrüßt. Es fügte sich gut, daß im Jahr 1979 der 100. Geburtstag Albert Einsteins war. So wurde beschlossen, den Geburtstag und die eigentliche Namengebung am 14.3.1979 zu feiern. Auf dieser Festveranstaltung in der oberen Pausenhalle sprach Herr Dr. Merzyn von der Bezirksregierung die Grußworte, Herr Dr. Kock als Oberbürgermeister hielt die Ansprache und verlieh der Schule offiziell den neuen Namen, und der Schulleiter würdigte in seiner Festansprache das Werk Albert Einsteins.

Eine umfangreiche Ausstellung, bei der uns die Universität Göttingen und die Geburtsstadt Einsteins, Ulm, behilflich waren, dokumentierte das wissenschaftliche Werk und das Leben Albert Einsteins. Ein gemeinsamer Ball von Eltern, Lehrern, und Schülern in der Weserberglandhalle beendete am 16.3.1979 die Feierlichkeiten zur Namensgebung.

Im Juli 1983 ging Herr Flügge, der die Schule von den ersten Anfängen an geleitet hatte, in den Ruhestand. Er hatte die Schule durch schwierige Zeiten geführt, z.B. als die großen Schülerzahlen, für welche die Schule gar nicht ausgelegt war, beträchtliche administrative und pädagogische Probleme verursachten. In diesen 10 Jahren hatte sich die Schule jedoch zu einem großen und lebendigen Gymnasium entwickelt. Der Dezernent, Herr Jost, und der Vertreter der Stadt Hameln würdigten in ihren Ansprachen die Verdienste Herrn Flügges in Anwesenheit der Elternschaft, der Vertreter von Rat und Verwaltung und des Kollegiums. In der Interimszeit führte Herr Schott die Schulgeschäfte, bis im nächsten Jahr die Schulleiterstelle neu besetzt wurde.

Am 24.2.1984 wurde Herr Arend-Schneider, aus Stadthagen kommend, feierlich in sein neues Amt als Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums eingeführt. Herr Arend-Schneider ist Historiker und Altphilologe und war zuvor am Neuen - Gymnasium in Stadthagen stellvertretender Schulleiter gewesen. Herr Jost, als zuständiger Dezernent, führte ihn vor Vertretern des Schulträgers, der Elternschaft, vor dem Kollegium und der Schülerschaft in sein neues Aufgabengebiet ein.

Die nun folgende Zeit war eine Zeit der inneren Konsolidierung. Das Kollegium blieb weitgehend unverändert, und bestehende Strukturen konnten ausgebaut und weiterentwickelt werden. Im naturwissenschaftlichen Aufgabenfeld wurde mit Informatik ein neues Fach eingeführt, das bei unseren Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse stieß und das am 17.2.1986 durch Erlaß des Kultusministers auch als Prüfungsfach am Albert-Einstein-Gymnasium zugelassen wurde.

Die Austauschprogramme erweiterten sich um wichtige Kontakte zu Israel und eine zweite englische Schule in Alton. Verbindungen zum Albert-EinsteinGymnasium in Böblingen wurden hergestellt, wir veranstalteten interne Fortbildungstage zu aktuellen pädagogischen Problemen, hatten Dichterlesungen, nahmen an Schülerlesewettbewerben teil und erarbeiteten zahlreiche Ausstellungen zu politischen Ereignissen.

Die 90er Jahre, als vorerst letzte Phase unserer schulischen Entwicklung, sind eine Zeit tiefgreifender Veränderungen. Dies betrifft die baulichen Maßnahmen am Schulgebäude, aber auch die innere Gestaltung des Unterrichts und des Schullebens. Das Kollegium wendet sich jetzt noch stärker den Schülern zu, ihrer Motivation, ihrem sozialen Verhalten, ihrem grundsätzlich veränderten Lernverhalten.

So werden neue Unterrichtsmethoden und Unterrichtsinhalte erprobt, die eine größere Schülerorientierung ermöglichen und die Schüler auf gesteigerte Anforderungen im späteren Berufsleben besser vorbereiten. Mit dem bilingualen Unterricht wurde das schulische Angebot um einen interessanten Aspekt erweitert, so daß das Schulleben insgesamt bereichert und natürlich auch verändert wurde. Von nun an besitzen wir neben regulären Klassen auch solche, bei denen Englisch Unterrichtssprache in den Sachfächern Erdkunde und Geschichte ist. Damit verbunden ist nicht nur eine vertiefte sprachliche Schulung, sondern auch eine Erweiterung des Bildungs- und Erfahrungshorizontes.

Die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen unsere Schüler leben, haben das Kollegium wiederholt auf schulinternen Fortbildungsveranstaltungen beschäftigt. Als Reaktion auf diese veränderte Situation wurden pädagogische Strategien und Konzepte entwickelt, wie man hierauf reagieren kann. Als konkrete, sozusagen operative Maßnahme, gab es im Schuljahr 1994/95 eine Initiative jüngerer Kollegen für ein sog. "Teammodell": auf regelmäßig stattfindenden, wöchentlichen Besprechungen erörtern die Klassenlehrer eines Jahrgangs aktuelle pädagogische oder organisatorische Fragen und ermöglichen eine intensive Betreuung der Klassen und einzelner Schüler.

Nach einer Abstimmung der Gesamtkonferenz am 15.3.1995 bewarb sich die Schule um eine Teilnahme an dem bundesweiten Modellversuch "Selbstwirksame Schule". Ab Herbst des gleichen Jahres nahm die Schule als niedersächsische Pilotschule an diesem auf drei Jahre befristeten Projekt der Bund - Länderkommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung teil, wobei das "Teammodell" von nun an im Rahmen dieses Projektes geführt wird.

Die gleichen Beweggründe, die zur Verwirklichung des Teammodells führten, haben die Schulleitung und das Kollegium veranlaßt, die Organisationsstrukturen des Albert-Einstein-Gymnasiums grundsätzlich in Frage zu stellen. Am 13.3.1996 wurde bei der Bezirksregierung in Hannover der Antrag gestellt, unsere Schule als offenes Ganztagsgymnasium zu führen. Vorausgegangen waren intensive Diskussionen und Informationsveranstaltungen, wie z.B. 1990 und 1993 in Lauenstein. Auch die Eltern- und Schülerschaft wurde von den ersten Anfängen an beteiligt.

In einem offenen Ganztagsgymnasium können Schülerinnen und Schüler, die das Ganztagsangebot dieser Schule annehmen wollen, auf freiwilliger Basis also, folgende Möglichkeiten wahrnehmen: Verfügungsstunde beim Klassenlehrer, Arbeitsgemeinschaften mit musischen, künstlerischen, literarischen, fremdsprachlichen und naturwissenschaftlichen Themen, Freizeitangebote, Hausaufgabenbetreuung. In der Mittagspause wird es möglich sein, ein Essen zu erhalten. Zur Zeit liegt der Antrag bei des Bezirksregierung, die allerdings infolge der angespannten Haushaltslage noch keine Zustimmung geben konnte.

Die Jahre 1996/97 brachten für die Schule große Veränderungen im äußeren Erscheinungsbild, da der gesamte Bereich zwischen der Südfront des AlbertEinstein-Gymnasiums und der Sertürner-Realschule zur Baustelle wurde. Die bauliche Fertigstellung der Schule war eigentlich ein Problem, das seit der Gründung im Jahr 1972 ungelöst geblieben war, denn viele der damals geplanten Räume waren nicht errichtet worden. Eine Aula z.B. war im ursprünglichen Bauplan enthalten gewesen, sie war aber nie gebaut worden. Jahrelang hatte sich die Schule bei Feiern und Vorträgen sowie bei Konzerten mit dem Provisorium der oberen Pausenhalle behelfen müssen. Auch weitere Klassenräume waren ursprünglich vorgesehen, aber auch sie waren nicht errichtet worden. So zielte denn die Forderung der Schulleitung nicht auf eine Erweiterung des Schulgebäudes, sondern lediglich auf Fertigstellung des ursprünglich geplanten Schulgebäudes. Die Schulleitung des Albert-Einstein-Gymnasiums stellte daher am 18.12.1991 bei der Stadt Hameln den Antrag, folgende Räumlichkeiten zu bauen:

a) ein Forum (mit ca. 400 Plätzen nebst Bühne),
b) 10 Klassen- und Fachräume,
c) eine Cafeteria
d) weitere Räume (z.B. Elternsprechzimmer, Krankenzimmer, Räume für die Schülervertretung, die Schülerzeitung, den Beratungslehrer u.a.).

Dieser Antrag wurde im wesentlichen genehmigt, d.h. das Forum wurde mit 350 Plätzen etwas kleiner konzipiert, und bei den Klassen wurden nur 6 Räume zugestanden. So war es dem entschlossenen Einsatz der Schulleitung, aber auch der Elternschaft zu verdanken, daß es gelang, die Stadt Hameln zur Bewilligung der notwendigen Mittel zu bewegen, immerhin ca. 7 Millionen DM. Am 14.12.1994 bewilligte die Stadt diese Mittel zur Freude und Erleichterung des Kollegiums und der Schülerschaft, denn damit waren endlich die Voraussetzungen für einen guten Unterricht und für würdig gestaltete Schulfeiern gegeben. Das erweiterte Raumangebot wird es ermöglichen, daß die Schüler des Sek.l-Bereichs feste, also kontinuierlich benutzbare Klassenräume erhalten werden, so daß sie sich für ihren Raum verantwortlich fühlen und sich stärker mit ihrer Schule identifizieren können. Die Zeit der Wanderklassen ist damit Vergangenheit. Aber auch für die Oberstufenschüler öffnen sich Möglichkeiten, mehr Fachräume zu erhalten, insbesondere für die sprachlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer.

Vor allem mit der Aula wird die Schule ein Forum erhalten, in dem große Schulveranstaltungen in einem festlichen Rahmen gestaltet werden können: Abiturentlassungen, Theateraufführungen, Konzerte, Kunstausstellungen, Weihnachtsfeiern, Begrüßungen ausländischer Gäste etc.

Am 29.10.1996 war Richtfest. Die Bauarbeiten waren zügig vorangegangen, und man sah jetzt schon klarer, wie sich das neue äußere Bild der Schule abzeichnete. Die Oberbürgermeisterin Frau Bruns und der Schulleiter Herr Arend-Schneider würdigten in ihren Ansprachen die Arbeit aller, die bei der Planung und bisherigen Fertigstellung des Baus beteiligt waren. Die Stadt hatte beträchtliche finanzielle Mittel aufgebracht und damit dokumentiert, daß sie dem Albert-Einstein-Gymnasium im kulturellen Leben der Stadt einen hohen Stellenwert beimißt. Zum Abschluß feierten der Architekt, die Mitglieder von Rat und Verwaltung sowie das Kollegium in der oberen Pausenhalle Richtfest.

Nach 25 Jahren findet damit die bauliche Entwicklung des Schulgebäudes ihr vorläufiges Ende.

Autor: StD a.D. Hans-Jürgen Linkewitsch
Das Copyright des Textes liegt beim Albert-Einstein-Gymnasium Hameln.

 
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Einige Daten zur Geschichte des Albert-Einstein-Gymnasiums

Das Albert-Einstein-Gymnasium beherbergt heute (2004) ca. 900 Schülerinnen und Schüler, 65 Lehrerinnen und Lehrer und 16 Studienreferendarinnen und -referendare.

1971 Baubeginn
1972 Beginn des Unterrichts am "Gymnasium III" im Schulzentrum Nord mit 161 Schülerinnen und Schülern in 5 Klassen des Jahrgangs 5
1975 Fertigstellung des 2. Bauabschnitts, Unterricht in den Jahrgängen 5 - 13, Einführung der reformierten Oberstufe
1976 Abnahme des ersten Abiturs
1977 1272 Schülerinnen und Schüler (Max.)
1978 Einführung der Orientierungsstufe in Hameln - es gibt keine 5. und 6. Klassen mehr. Ausbildungsschule des Studienseminars
1979 Namensgebung am 100. Geburtstag Albert Einsteins am 14. März - Informationen über Albert Einstein
1996 Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau am 9. Mai 1996
1997 Fertigstellung des 3. Bauabschnitts mit 5 Klassenräumen, Aula, Cafeteria u.a. zum 25-jährigen Jubiläum der Schule
2002 30-jähriges Schuljubiläum

 
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  © Albert-Einstein-Gymnasium Hameln · Aktualisiert am 11.02.2012 · Sitemap