Darstellendes Spiel am Albert-Einstein-Gymnasium
Lehrkräfte
Frau Ernst-Garbe
Frau Friedrich
Frau Jütte
Frau Stemme
Das Fach

"From Shakespeare with Love"
(DS-Kurs 13, 2004)
Als erste Schule in Hameln hat das
Einstein-Gymnasium 1999 das für Niedersachsen
neue Schulfach Darstellendes Spiel in der
Oberstufe eingeführt. Der Fachunterricht setzt
sich neben geisteswissenschaftlichen, musischen,
handwerklichen und technischen Zielen vor allem
das Ziel einer Persönlichkeitsbildung.
Darstellendes Spiel stärkt das emotionale
Lernen im musischen Bereich als Ergänzung
zum kognitiven Lernen vor allem durch
Teamfähigkeit, Kreativität,
Selbstwahrnehmung, Selbstdarstellung und
Umgang mit Öffentlichkeit. Es fördert
Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit und
ist dadurch geeignet, nicht nur methodisch
den anderen Fächern zuzuarbeiten.
Insbesondere die Fächer Deutsch, Sprachen,
Kunst und Musik können auf erlernte
Techniken des Darstellenden Spiels
zurückgreifen.
Entsprechend der Öffnung der
Persönlichkeit nach außen bietet das Fach
geeignete Voraussetzungen für die Öffnung
der Schule nach außen sowie für
fächerübergreifende Arbeit. Der wesentliche
Unterschied zur Arbeit in einer Theater-AG
ist die Prozess-Orientierung. Die
Erarbeitung von Spielqualitäten und die
kritische Erprobung mehrerer Möglichkeiten
sind bereits das Ziel, für das die
Publikumserfahrung in einer Aufführung eine
sinnvolle und mediengerechte Ergänzung, aber
nicht die Bedingung ist.
Am Albert-Einstein-Gymnasium laufen
Grundkurse in den Jahrgängen 10, 11 und 12.
In der Mittelstufe werden Theatertechniken
in der AG-Arbeit angeboten, die seit
Schulgründung 1972 ununterbrochen läuft und
eine Vielzahl von häufig überregional
beachteten Aufführungen (Theaterfestivals,
Gastspiele) hervorgebracht hat. In Jahrgang
10 wird das Fach inzwischen als
Wahlpflichtkurs angeboten.
Das Fach-Kollegium besteht derzeit aus
vier speziell ausgebildeten Lehrkräften;
außerdem gibt es mehrere Deutsch- und
Musik-Lehrkräfte mit Erfahrungen in der
Theaterarbeit. Die fächerübergreifende
Zusammenarbeit zwischen den musischen
Fächern Darstellendes Spiel, Kunst und Musik
soll weiter ausgebaut werden.
Zur Situation des Faches
Darstellendes Spiel und der Theaterarbeit am
Einstein-Gymnasium
Darstellendes Spiel als Schulfach – das
gibt es in Niedersachsen seit 1998 und seit
1999 an unserer Schule. Seit Anfang der
70er-Jahre war Niedersachsen schon Vorreiter
in diesem Bereich, in Braunschweig z.B. lief
ein Unterrichtsversuch Darstellendes Spiel
als Abiturfach an der Neuen Oberschule,
betreut von Harald Hilpert – einem Neffen
des legendären Theatermannes Heinz Hilpert –
und unterstützt vom Staatstheater
Braunschweig. Als Dramaturg dieses Theaters
arbeitete Dr. Dierk Rabien mit Hilpert
zusammen, um aus dem Versuchsballon eine
ständige Einrichtung zu machen. Parallel
entwickelten beide zusammen mit weiteren
Theaterkollegen Weiterbildungen für Lehrer
im Schultheaterbereich.
Obwohl Niedersachsen bald im Zuge von
Sparmaßnahmen den weiteren Ausbau stoppte,
machten Hilpert und Rabien weiter. Der eine
wechselte vom Lehrer zum Professor für
Darstellendes Spiel an die Hochschule für
Bildenden Künste in Braunschweig, um das
Fach in der Ausbildung von Studenten zu
fördern, der andere wechselte in den
Lehrerberuf direkt ans neue Hamelner
Gymnasium III (später auf Albert Einstein
getauft), um mit Schülern und – im Rahmen
von zahlreichen Weiterbildungsmaßnahmen –
mit Lehrern die Grundlagen des Darstellenden
Spiels zu vermitteln.
Da entstand eine umfangreiche
Theaterarbeit im AG-Bereich, aber die
versprochene Baustufe C mit der Aula ließ
ebenso auf sich warten wie die Möglichkeit,
in Niedersachsen das Schulfach Darstellendes
Spiel einzuführen. Die Wichtigkeit dieser
Arbeit dokumentierte sich zwar seit 1980 in
dem zweijährlich stattfindenden
Niedersächsischen Schülertheatertreffen, mit
dessen Durchführung immerhin der damalige
Kultusminister Werner Remmers den
Fachverband Schultheater – Darstellendes
Spiel Niedersachsen e.V. beauftragt hatte
und das mittlerweile über mehr als ein
Vierteljahrhundert Tradition verfügt, aber
der Kampf der Theaterlehrer des Fachverbands
um die Einführung des Schulfaches dauerte
doch bis fast zur Jahrtausendwende, bevor er
– fast überraschend – dann doch siegreich
war. Indessen war Niedersachsen inzwischen
nicht nur von Bundesländern wie Hamburg und
Berlin überholt worden, sondern auch mehrere
der inzwischen aus dem Wendeumbruch sich
formierenden neuen Bundesländer hatten
schnell trotz anderer drängender Probleme
erkannt, dass sie für ihre jungen Menschen
in diesem Bereich etwas tun müssen und das
Fach eingeführt.
Da der Bedarf an Theaterlehrern nun auch
in Niedersachsen beständig wächst und der
einzige Studiengang für Darstellendes Spiel
in Braunschweig (im Verbund mit Hochschulen
in Hildesheim und Hannover) nicht so viele
Absolventen an die Schulen bringen kann,
laufen seit Jahren Weiterbildungsmaßnahmen
für Lehrer, in denen interessierte
Kolleginnen und Kollegen – fast
ausschließlich in ihrer Freizeit und ganz
auf eigene Kosten – die
Unterrichtsbefähigung für das zusätzliche
Schulfach erwerben können. Bei zahlreichen
dieser Kurse war seit über 30 Jahren Dierk
Rabien als Dozent und Leiter tätig.
Die Theatergruppe des
Einstein-Gymnasiums, beim ersten
Niedersächsischen Schülertheatertreffen in
der Goetheschule Hannover eingeladen mit
ihrer Aufführung von Peters Hacks Parabel
"Der Schuhu und die fliegende Prinzessin",
war sechs Jahre später wieder dabei, diesmal
als Gastgeber des landesweiten Treffens in
unserem Schulzentrum. Sie zeigte ein Stück
über das soziale Gefälle zwischen den
Industrieländern und der Dritten Welt,
"Circus Arm", das damals so aktuell wie
heute ist und auch für entsprechende
Aufregung sorgte.
Im Vorlauf dieser Theatertreffen finden
seit vielen Jahren wegen der großen Zahl von
beteiligten Schulen im ganzen Bundesland
regionale Treffen an verschiedenen Orten des
großen Bundeslandes zwischen Emden und
Göttingen statt.
Vom Hamelner Regional-Treffen, das
jeweils von erfahrenen Theaterlehrern
besucht wird, sind schon häufig Aufführungen
zu dem zentralen Abschlusstreffen eingeladen
worden. Da haben die Gruppen dann
Gelegenheit, andere beispielhafte
Aufführungen aus dem ganzen Bundesland zu
sehen und in Werkstätten mit den Spielern
zusammenzutreffen und sich auszutauschen.
Besonderes drängeln sich dabei jeweils die
gymnasialen Gruppen, nicht zuletzt durch die
Einführung des Faches Darstellendes Spiel in
der Oberstufe. Aber das Auswahlgremium
bemüht sich immer, Beispiele aus allen
Schularten und Altersstufen zu finden. So
wurden z.B. 2006 gleich zwei Gruppen zum
Abschlusstreffen in Celle eingeladen: die
Grundschüler aus Tündern mit ihren
eigenwilligen Märchenfassung "Schneewittchen
soll leben" (Ltg. Silke Lilienthal, eine
ausgebildete Fachlehrerin für DS) und die
Jugendtheatergruppe des Theaters Hameln mit
Thorton Wilders "Wir sind noch einmal
davongekommen" (Ltg. Theaterpädagogin
Christiane Hess). In der gemischten Gruppe
waren auch Einstein-Schülerinnen.
Im Schuljahr 2010/2011 steht ein
kompetentes Fachkollegium an unserer Schule
zur Verfügung. Nachdem wir Kadidja Mensak
leider schon nach wenigen Jahren wieder nach
Hannover ziehen lassen mussten, kann die
Schule auch nach dem Abschied von Dierk
Rabien nicht weniger als vier voll
ausgebildete Kolleginnen für den
Fachunterricht in der Oberstufe einsetzen:
Viktoria Eder, Sabine Ernst-Garbe, Sylvia
Jütte und Susanne Friedrich. Außerdem gibt
es mehrere Kolleginnen und Kollegen, die am
Studienseminar eine Teilausbildung im
Bereich Darstellendes Spiel gemacht haben.
"In der Schule wird nicht
gespielt!"
Wie wichtig die Entwicklung von
selbstbewusstem und freiem Auftreten für die
SchülerInnen ist, wie notwendig die
Förderung von intensiver Arbeit in kleinen
Gruppen ist, in denen Teamfähigkeit und
Kreativität geschult werden können, betonen
alle Analysen der Wissenschaft und der
künftigen Arbeitgeber. Sich selbst mit Haut
und Haar auf die Bühne zu wagen, sei es zum
Theaterspielen oder zur geschickten
Präsentation eines Referats, und die eigenen
Stärken und Schwächen in Körpersprache und
sprachlicher Artikulation zu beobachten,
fordert Mut und schafft Sicherheit, wenn
Hilfen dafür trainiert werden. In diesem
Sinne will das Fach und die AG-Arbeit im
Theaterbereich unsere SchülerInnen für ihre
Prüfungssituationen und ihren beruflichen
Weg durch überwiegend emotionales Erfahren
unterstützen. Schließlich befähigt eine
Kenntnis der visuellen und akustischen
Ausdrucksmittel auch zu einem kritischeren
Umgang mit der Ton- und Bilderflut in
unserer Mediengesellschaft.
Die Anzahl der Schulen in Niedersachsen,
die das neue musische Fach Darstellendes
Spiel eingeführt haben, steigt ständig.
Dabei bietet sich eine Zusammenarbeit der
musischen Fächer besonders an. Verschiedene
Projekte wie die Einbettung von
Theaterperformance in eine Kunstausstellung
oder Spiel zur Musik oder Musik zum Spiel
sind bei uns schon erprobt worden. Im Rahmen
der AG-Angebote gab es bereits erfolgreiche
Aufführungen, bei denen Chor, Rock-AG und
Theater-AG gemeinsam an einem Großprojekt
arbeiteten. Da liegen aber noch viele
Möglichkeiten für die Zukunft, mit denen die
musischen Fächer zu einem Fachbereich
umfassender ästhetischer Kompetenz
zusammenwachsen können.
Autor: Dr. Dierk Rabien, Viktoria
Eder (überarbeitet Frühjahr 2011)

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