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Darstellendes Spiel am Albert-Einstein-Gymnasium

Lehrkräfte

Frau Ernst-Garbe

Frau Friedrich

Frau Jütte

Frau Stemme

 
Das Fach
 

Als erste Schule in Hameln hat das Einstein-Gymnasium 1999 das für Niedersachsen neue Schulfach Darstellendes Spiel in der Oberstufe eingeführt. Der Fachunterricht setzt sich neben geisteswissenschaftlichen, musischen, handwerklichen und technischen Zielen vor allem das Ziel einer Persönlichkeitsbildung.

Darstellendes Spiel stärkt das emotionale Lernen im musischen Bereich als Ergänzung zum kognitiven Lernen vor allem durch Teamfähigkeit, Kreativität, Selbstwahrnehmung, Selbstdarstellung und Umgang mit Öffentlichkeit. Es fördert Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit und ist dadurch geeignet, nicht nur methodisch den anderen Fächern zuzuarbeiten. Insbesondere die Fächer Deutsch, Sprachen, Kunst und Musik können auf erlernte Techniken des Darstellenden Spiels zurückgreifen.

Entsprechend der Öffnung der Persönlichkeit nach außen bietet das Fach geeignete Voraussetzungen für die Öffnung der Schule nach außen sowie für fächerübergreifende Arbeit. Der wesentliche Unterschied zur Arbeit in einer Theater-AG ist die Prozess-Orientierung. Die Erarbeitung von Spielqualitäten und die kritische Erprobung mehrerer Möglichkeiten sind bereits das Ziel, für das die Publikumserfahrung in einer Aufführung eine sinnvolle und mediengerechte Ergänzung, aber nicht die Bedingung ist.

Am Albert-Einstein-Gymnasium laufen Grundkurse in den Jahrgängen 10, 11 und 12. In der Mittelstufe werden Theatertechniken in der AG-Arbeit angeboten, die seit Schulgründung 1972 ununterbrochen läuft und eine Vielzahl von häufig überregional beachteten Aufführungen (Theaterfestivals, Gastspiele) hervorgebracht hat. In Jahrgang 10 wird das Fach inzwischen als Wahlpflichtkurs angeboten.

Das Fach-Kollegium besteht derzeit aus vier speziell ausgebildeten Lehrkräften; außerdem gibt es mehrere Deutsch- und Musik-Lehrkräfte mit Erfahrungen in der Theaterarbeit. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen den musischen Fächern Darstellendes Spiel, Kunst und Musik soll weiter ausgebaut werden.

Zur Situation des Faches Darstellendes Spiel und der Theaterarbeit am Einstein-Gymnasium

Darstellendes Spiel als Schulfach – das gibt es in Niedersachsen seit 1998 und seit 1999 an unserer Schule. Seit Anfang der 70er-Jahre war Niedersachsen schon Vorreiter in diesem Bereich, in Braunschweig z.B. lief ein Unterrichtsversuch Darstellendes Spiel als Abiturfach an der Neuen Oberschule, betreut von Harald Hilpert – einem Neffen des legendären Theatermannes Heinz Hilpert – und unterstützt vom Staatstheater Braunschweig. Als Dramaturg dieses Theaters arbeitete Dr. Dierk Rabien mit Hilpert zusammen, um aus dem Versuchsballon eine ständige Einrichtung zu machen. Parallel entwickelten beide zusammen mit weiteren Theaterkollegen Weiterbildungen für Lehrer im Schultheaterbereich.

Obwohl Niedersachsen bald im Zuge von Sparmaßnahmen den weiteren Ausbau stoppte, machten Hilpert und Rabien weiter. Der eine wechselte vom Lehrer zum Professor für Darstellendes Spiel an die Hochschule für Bildenden Künste in Braunschweig, um das Fach in der Ausbildung von Studenten zu fördern, der andere wechselte in den Lehrerberuf direkt ans neue Hamelner Gymnasium III (später auf Albert Einstein getauft), um mit Schülern und – im Rahmen von zahlreichen Weiterbildungsmaßnahmen – mit Lehrern die Grundlagen des Darstellenden Spiels zu vermitteln.

Da entstand eine umfangreiche Theaterarbeit im AG-Bereich, aber die versprochene Baustufe C mit der Aula ließ ebenso auf sich warten wie die Möglichkeit, in Niedersachsen das Schulfach Darstellendes Spiel einzuführen.  Die Wichtigkeit dieser Arbeit dokumentierte sich zwar seit 1980 in dem zweijährlich stattfindenden Niedersächsischen Schülertheatertreffen, mit dessen Durchführung immerhin der damalige Kultusminister Werner Remmers den Fachverband Schultheater – Darstellendes Spiel Niedersachsen e.V. beauftragt hatte und das mittlerweile über mehr als ein Vierteljahrhundert Tradition verfügt, aber der Kampf der Theaterlehrer des Fachverbands um die Einführung des Schulfaches dauerte doch bis fast zur Jahrtausendwende, bevor er – fast überraschend – dann doch siegreich war. Indessen war Niedersachsen inzwischen nicht nur von Bundesländern wie Hamburg und Berlin überholt worden, sondern auch mehrere der inzwischen aus dem Wendeumbruch sich formierenden neuen Bundesländer hatten schnell trotz anderer drängender Probleme erkannt, dass sie für ihre jungen Menschen in diesem Bereich etwas tun müssen und das Fach eingeführt.

Da der Bedarf an Theaterlehrern nun auch in Niedersachsen beständig wächst und der einzige Studiengang für Darstellendes Spiel in Braunschweig (im Verbund mit Hochschulen in Hildesheim und Hannover) nicht so viele Absolventen an die Schulen bringen kann, laufen seit Jahren Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrer, in denen interessierte Kolleginnen und Kollegen – fast ausschließlich in ihrer Freizeit und ganz auf eigene Kosten – die Unterrichtsbefähigung für das zusätzliche Schulfach erwerben können. Bei zahlreichen dieser Kurse war seit über 30 Jahren Dierk Rabien als Dozent und Leiter tätig.

Die Theatergruppe des Einstein-Gymnasiums, beim ersten Niedersächsischen Schülertheatertreffen in der Goetheschule Hannover eingeladen mit ihrer Aufführung von Peters Hacks Parabel "Der Schuhu und die fliegende Prinzessin", war sechs Jahre später wieder dabei, diesmal als Gastgeber des landesweiten Treffens in unserem Schulzentrum. Sie zeigte ein Stück über das soziale Gefälle zwischen den Industrieländern und der Dritten Welt, "Circus Arm", das damals so aktuell wie heute ist und auch für entsprechende Aufregung sorgte.

Im Vorlauf dieser Theatertreffen finden seit vielen Jahren wegen der großen Zahl von beteiligten Schulen im ganzen Bundesland regionale Treffen an verschiedenen Orten des großen Bundeslandes zwischen Emden und Göttingen statt.

Vom Hamelner Regional-Treffen, das jeweils von erfahrenen Theaterlehrern besucht wird, sind schon häufig Aufführungen zu dem zentralen Abschlusstreffen eingeladen worden. Da haben die Gruppen dann Gelegenheit, andere beispielhafte Aufführungen aus dem ganzen Bundesland zu sehen und in Werkstätten mit den Spielern zusammenzutreffen und sich auszutauschen. Besonderes drängeln sich dabei jeweils die gymnasialen Gruppen, nicht zuletzt durch die Einführung des Faches Darstellendes Spiel in der Oberstufe. Aber das Auswahlgremium bemüht sich immer, Beispiele aus allen Schularten und Altersstufen zu finden. So wurden z.B. 2006 gleich zwei Gruppen zum Abschlusstreffen in Celle eingeladen: die Grundschüler aus Tündern mit ihren eigenwilligen Märchenfassung "Schneewittchen soll leben" (Ltg. Silke Lilienthal, eine ausgebildete Fachlehrerin für DS) und die Jugendtheatergruppe des Theaters Hameln mit Thorton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen" (Ltg. Theaterpädagogin Christiane Hess). In der gemischten Gruppe waren auch Einstein-Schülerinnen.

Im Schuljahr 2010/2011 steht ein kompetentes Fachkollegium an unserer Schule zur Verfügung. Nachdem wir Kadidja Mensak leider schon nach wenigen Jahren wieder nach Hannover ziehen  lassen mussten, kann die Schule auch nach dem Abschied von Dierk Rabien nicht weniger als vier voll ausgebildete Kolleginnen für den Fachunterricht in der Oberstufe einsetzen: Viktoria Eder, Sabine Ernst-Garbe, Sylvia Jütte und Susanne Friedrich. Außerdem gibt es mehrere Kolleginnen und Kollegen, die am Studienseminar eine Teilausbildung im Bereich Darstellendes Spiel gemacht haben.

"In der Schule wird nicht gespielt!"

Wie wichtig die Entwicklung von selbstbewusstem und freiem Auftreten für die SchülerInnen ist, wie notwendig die Förderung von intensiver Arbeit in kleinen Gruppen ist, in denen Teamfähigkeit und Kreativität geschult werden können, betonen alle Analysen der Wissenschaft und der künftigen Arbeitgeber. Sich selbst mit Haut und Haar auf die Bühne zu wagen, sei es zum Theaterspielen oder zur geschickten Präsentation eines Referats, und die eigenen Stärken und Schwächen in Körpersprache und sprachlicher Artikulation zu beobachten, fordert Mut und schafft Sicherheit, wenn Hilfen dafür trainiert werden. In diesem Sinne will das Fach und die AG-Arbeit im Theaterbereich unsere SchülerInnen für ihre Prüfungssituationen und ihren beruflichen Weg durch überwiegend emotionales Erfahren unterstützen.
Schließlich befähigt eine Kenntnis der visuellen und akustischen Ausdrucksmittel auch zu einem kritischeren Umgang mit der Ton- und Bilderflut in unserer Mediengesellschaft.

Die Anzahl der Schulen in Niedersachsen, die das neue musische Fach Darstellendes Spiel eingeführt haben, steigt ständig. Dabei bietet sich eine Zusammenarbeit der musischen Fächer besonders an. Verschiedene Projekte wie die Einbettung von Theaterperformance in eine Kunstausstellung oder Spiel zur Musik oder Musik zum Spiel sind bei uns schon erprobt worden. Im Rahmen der AG-Angebote gab es bereits erfolgreiche Aufführungen, bei denen Chor, Rock-AG und Theater-AG gemeinsam an einem Großprojekt arbeiteten. Da liegen aber noch viele Möglichkeiten für die Zukunft, mit denen die musischen Fächer zu einem Fachbereich umfassender ästhetischer Kompetenz zusammenwachsen können.

Autor: Dr. Dierk Rabien, Viktoria Eder (überarbeitet Frühjahr 2011)

 
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